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Bonn: Mitte August fallen besonders viele Sternschnuppen

Bonn : Mitte August fallen besonders viele Sternschnuppen

In jedem August weint der Himmel: Wenn die Erde auf ihrem Weg um die Sonne die Bahn des Kometen Swift-Tuttle quert, fällt eine große Menge Trümmer des Kometen in die Erdatmosphäre und verglüht. Wunsch frei in der „langen Sternschnuppennacht”, wie sie beispielsweise die Sternwarte in Bochum am 11. August veranstaltet.

Niemals sonst im Jahresverlauf lässt sich eine so große Menge Sternschnuppen beobachten. Im Volksmund werden sie auch als „Tränen des Laurentius” bezeichnet, weil sie um den Namenstag dieses populären Heiligen am 10. August zu sehen sind. Bis zu 100 feurige Tränen pro Stunde werden sich nach Angaben des Bonner Astronomen Michael Geffert am diesjährigen Maximum am frühen Morgen des 13. August beobachten lassen. Allerdings ist es dann in Deutschland schon hell.

Doch auch in den Nächten zuvor werden Hunderte der meist millimeterkleinen Gesteinsbrocken mit rund 60 Stundenkilometern Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eintreten und in 80 bis 300 Kilometer Höhe durch die Reibungshitze verglühen. Wegen eines perspektivischen Effektes scheinen alle Sternschnuppen von einem Punkt im Sternbild Perseus herzukommen; die Fachbezeichnung lautet daher „Perseiden”.

Ihre Zahl ist nicht in jedem Jahr gleich: Denn Swift-Tuttle kommt nach Angaben von Geffert nur rund alle 134 Jahre der Umlaufbahn der Erde nahe - zuletzt 1992 und das nächste Mal 2126. In Sonnennähe verliert ein Komet bei jedem Umlauf einen Teil seiner Materie, erzählt der Wissenschaftler vom Argelander-Institut für Astronomie. Die Überreste verteilen sich entlang seiner Bahn, etwa so, als verlöre ein LKW beim Fahren Sand von der Ladefläche.

Der Begriff „Laurentius-Tränen” leitet sich vom in Spanien geborenen Märtyrer Laurentius her, der am 10. August 258 in Rom auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert worden sein soll. Dabei soll der Heilige einerseits Tränen über die Sünden seiner Mitmenschen vergossen haben. Andererseits berichtet die Legende von einem unter Qualen lachenden Märtyrer: Er soll dem Henker befohlen haben, ihn auf dem Feuer zu wenden, der Braten sei auf der einen Seite schon gar. Seitdem gilt Laurentius als Nothelfer für Brandverletzte und Fieberleidende sowie als Patron der Feuerwehrleute, Köche, Bäcker, Glasbläser und Kohlenbrenner. Außerdem soll er vor den Qualen des Fegefeuers bewahren.

Realistischer sind Berichte, nach denen Laurentius als einer der sieben Diakone in Rom für die Finanzen und die Armenfürsorge zuständig war. Nachdem Kaiser Valerian von ihm vergeblich die Herausgabe von kirchlichen Gütern verlangt hatte, wurde er gefoltert und hingerichtet. Laurentius wurde zu einem der meistverehrten Heiligen. Über seinem Grab ließ 330 Kaiser Konstantin die Kirche S. Lorenzo fuori le mura errichten. In der Krypta ruhen seine Gebeine zusammen mit denen des Stephanus in einem antiken Sarkophag; die beiden gelten als die Erzmärtyrer.