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Braunschweig: Mit dem Diercke lernen Schüler seit 125 Jahren die Welt verstehen

Braunschweig : Mit dem Diercke lernen Schüler seit 125 Jahren die Welt verstehen

Millionen deutscher Schüler haben sich mit seiner Hilfe ein erstes Bild von der Erde verschafft - seit 125 Jahren hat der Diercke-Weltatlas seinen festen Platz im Erdkundeunterricht. Seit 1883 sind rund 16 Millionen Diercke-Atlanten in Braunschweig gedruckt worden.

Als leidenschaftlicher Geograph wollte der Lehrer Carl Diercke einst sein Fach populärer machen. Als der Braunschweiger Verleger Georg Westermann einen gut gemachten, aber dennoch erschwinglichen Atlas für die höheren Schulen auf den Markt bringen wollte, stieß er auf den Lehrer aus Stade und vertraute ihm gemeinsam mit dem Kartografen Eduard Gaebler aus Leipzig das Projekt an. „Heute steht Diercke als Synonym für Atlas”, sagt Thomas Michael, Geschäftsführer des Westermann-Verlags.

„Rund 2,5 Millionen Einzelinformationen sind in der Jubiläumsausgabe kanalisiert und grafisch aufgearbeitet”, stellt Michael die neueste Ausgabe vor. Mehr als 300 Auflagen zählt der Diercke bis heute. „Es entstehen neue Ländergrenzen, neue Eisenbahnlinien oder Staudämme werden gebaut”, zählt Michael einige Gründe für die ständige Bearbeitung der Karten auf. Ein Netzwerk von rund 200 Personen und Institutionen - von einzelnen Geographie- Professoren über den Deutschen Wetterdienst bis zu den Vereinten Nationen - werden ständig für die Bearbeitung des Kartenwerkes kontaktiert.

„Der Diercke ist einer der frühesten geographischen Atlanten für Schüler”, sagt auch Georg Stöber vom Internationalen Georg-Eckert- Institut (GEI) für Schulbuchentwicklung. Das Institut beobachtet Schulbücher aus zahlreichen Ländern und mahnt etwa eine korrekte Darstellung der verschiedenen Kulturen an. Bis heute gebe es nicht in allen Ländern spezielle Schulatlanten, sagt Stöber. Dank Lehrer Diercke habe sich in Deutschland eine der stärksten Traditionen für Schulatlanten gebildet.

Mittlerweile geht es im Diercke um weit mehr als um Darstellung von Gebirgen, Flüssen, Städten und Ländergrenzen. Karten zu den verschiedensten Themen sollen den Schülern die Welt näher bringen. Die Entwicklung der Beschäftigung in Deutschland oder der Rosenanbau in Afrika werden ebenso auf Karten dargestellt wie die Rohstoffabhängigkeit auf der ganzen Welt. In der neuesten Ausgabe nimmt auch der Klimawandel viel Platz ein. Erstmals ist das Traditionswerk auch im Internet zu finden, dort verschmelzen die Atlaskarten zum Beispiel mit einem digitalen Globus.

Den Erfolg des Dierckes sieht der Kartenredakteur Reinhold Schlimm vor allem in der besonderen Darstellung der Karten. So wird die „Schummerung”, dazu gehören zum Beispiel die grauen Konturen der Berge, bis heute per Hand mit Kohlestiften gezeichnet. „Die Kunst besteht darin, möglichst viel Inhalt zu transportieren und trotzdem übersichtlich zu bleiben”, sagt er. Da so ein Schulatlas besonders viel auszuhalten hat - er muss schließlich ein ganzes Schulleben und nicht nur eine Klasse halten - wird er auf besonders reißfestem Papier gedruckt.

„Der Diercke hat sich zum Kulturgut entwickelt. Sein Bekanntheitsgrad liegt bei mehr als 85 Prozent”, sagt Geschäftsführer Michael. Eine falsche Antwort auf eine Geographiefrage wird denn auch von manch einem Quizmaster im Fernsehen mit dem Hinweis kommentiert: „Da müssen sie zu Hause wohl noch mal in ihrem Diercke schauen”.