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München: Mehr Tradition und Bier nur noch als Maß: Wiesn jetzt schon ausgebucht

München : Mehr Tradition und Bier nur noch als Maß: Wiesn jetzt schon ausgebucht

Bier nur noch im Maßkrug, keine Werbe-Events, dafür Biergartenidylle mit mitgebrachter Brotzeit - das Oktoberfest soll dieses Jahr noch traditioneller werden.

Am Donnerstag entschied der Wirtschaftsausschuss der Stadt München über Neuerungen und erteilte die Zulassungen für die Wirte - denn diese müssen sich jedes Jahr neu bewerben und einer Prüfung der Stadtväter unterziehen. Dabei sind die Zelte fünf Monate vor Beginn des größten Volksfestes der Welt längst so gut wie ausgebucht: Für die reservierbaren Plätze liegen den Wirten schon so viele Anfragen aus aller Welt vor, dass neue Bewerber für Abendreservierungen fast keine Chance mehr haben.

Bei der Wiesn 2007 werden vom 22. September bis zum 7. Oktober sechs Millionen Besucher erwartet. „Es gibt immer wieder einmal Plätze - weil immer es immer wieder Leute gibt, die stornieren”, beschwichtigt Wirtesprecher Toni Roiderer. Dennoch wird es dieses Jahr eng: Im vergangenen Jahr dauerte die Wiesn 18 Tage, dieses Jahr sind es nur 16 - es fehlen zwei Tage, an denen tausende Plätze vergeben werden könnten. Roiderer wirbt deshalb für den ruhigen Besuch am Mittag: „Die Mittags-Wiesn hat immer Platz - und da ist die Wiesn am schönsten.”

Der Bierpreis auf der Wiesn - in München eines der wichtigsten Themen im Jahreslauf - könnte eine neue Schallmauer durchbrechen. Schon seit Monaten wird spekuliert, dass die Maß acht Euro kosten könnte - rund 50 Cent mehr als im Vorjahr. Als Grund nennen Wirte unter anderem die Mehrwertsteuererhöhung. In den nächsten Tagen werden sie ihre Preise der Festleitung mitteilen, die dann diese auf Wucher prüft.

„Für mich ist klar, dass der Bierpreis steigt - unklar ist, in welcher Höhe - in einer Woche weiß ich mehr, da werde ich es auf dem Tisch haben”, sagt Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl. Nur einmal - im Jahr 2003 - hatten die Wirte den Preis bei 6,80 Euro stabil gehalten und eine Nullrunde ausgerufen.

Schon bisher gab es den Gerstensaft fast überall auf der Wiesn nur in Maßkrügen - für manchen auswärtigen Besucher eine echte Herausforderung, gelegentlich mit Folgen bis in den nächsten Tag. Jetzt aber ist endgültig Schluss mit kleinen 0,3-Liter Gläsern - sie würden zu häufig gestohlen und gingen auch leichter zu Bruch, hieß es. Der Wirtschaftsausschuss legte fest: Auf der Wiesn herrscht künftig Maßkrug-Pflicht für das Oktoberfestbier.

Dass sich die schweren Krüge auch besonders gut für Schlägereien eignen, bei denen es jedes Jahr Verletzte gibt, war am Donnerstag kein Thema - der Vorschlag zu weniger verletzungsträchtigen Bierkrügen aus Plastik war schon in der Vergangenheit an schäumendem Protest gescheitert: Bier aus Plastikbechern wäre einfach ein unverzeihbares Sakrileg.

Die Wiesn 2007 wird auch garantiert werbefrei bleiben. Der Ausschuss verbot ausdrücklich Werbung, Modeschauen, Promotion, Benefizveranstaltungen, Pressetermine und Vorführungen außer der Live-Musik in den Zelten. „Ich habe das gewünscht - und es freut mich ganz besonders, denn damit wird meine Linie im vergangenen Jahr bestätigt”, sagt Weishäupl. „Wir wollen verhindern, dass das Oktoberfest zu einem kommerziellen Werbefest verkommt.”

Ausufernde Werbepartys und Rummel mit Gogo-Girls hatten im vergangenen Jahr die Festleitung auf den Plan gerufen. Stein des Anstoßes war unter anderem eine Show von Verona Pooth, die ihre erste Dirndl-Kollektion vorstellte, und Paris Hilton, die für Prosecco in Dosen werben wollte.

Noch traditioneller soll es auch in den Wiesn-Biergärten zugehen. In den Biergärten in München darf nach althergebrachtem Brauch die mitgebrachte Brotzeit verzehrt werden - und das gilt auch auf der Wiesn, wie der Wirtschaftsausschuss bekräftigte. Grund für den ausdrücklichen Beschluss waren Beschwerden von Wiesn-Gästen, denen das traditionelle Recht verwehrt wurde. „Das ist seit Ludwig I. so und eine gute Münchner Tradition”, sagt Weishäupl. „Es galt auch bisher schon auf der Wiesn - es hat nur keiner gewusst.”

Im Juli beginnt auf der Theresienwiese der Aufbau, der Abbau zieht sich bis in den November hin. Und auch dieses Jahr wird gelten: Nach der Wiesn ist vor der Wiesn. Roiderer: „Mit dem Ende der Wiesn fängt schon die Vorreservierung für die nächste Wiesn an.”