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Essen: Mauritius fast zum Schnäppchenpreis

Essen : Mauritius fast zum Schnäppchenpreis

Die Spannung im noblen Kaminzimmer des Essener Schlosshotels Hugenpoet ist spürbar, als Auktionator Roland Meiners den Briefmarken-Mythos „Rote Mauritius” zur Versteigerung aufruft. Doch nach kaum mehr als einer Minute fällt bereits der Hammer.

Für 210 000 Euro geht die Rarität an einen anonymen Sammler. Wer auf ein spannendes Bietergefecht gehofft hat, wird enttäuscht. Bei einem Startpreis von 200 000 Euro war am Freitagabend nur noch ein weiteres Gebot eingegangen.

Gleich mehrere Bieter lieferten sich dagegen am Samstag auf der Essener Briefmarken-Messe ein Rennen um den Zuschlag für eine Marke mit dem Bild der rauchenden Hollywood-Diva Audrey Hepburn. Nach einem Start bei 30 000 Euro verdoppelte sich der Preis innerhalb weniger Minuten bis auf 60 000 Euro. Das Rennen machte schließlich ein anonymer Bieter am Telefon. Von der nach Protesten des Hepburn-Sohnes nie offiziell in Umlauf gelangten Marke sind bislang unter ungeklärten Umständen fünf Exemplare aufgetaucht. Die Solinger Schlosser Thomas Boche hatte die Marke in einem im Internet ersteigerten Zwölf-Kilo-Markenpaket entdeckt.

Im Auftrag eines ebenfalls anonymen Klienten hatte zuvor bei der Versteigerung im Schlosshotel Hugenpoet der Briefmarken-Experte Wolfgang Jakubek den Zuschlag für die Mauritius erhalten. Beobachter unter den rund 100, meist vornehm in Abendgarderobe erschienenen Philatelie-Fans bescheinigten dem unbekannten Bieter, ein regelrechtes Schnäppchen gemacht zu haben. In der Vergangenheit waren besonders gut erhaltene Exemplare der weltweit meist nur noch in den Schaukästen von Museen zu findenden Rarität bereits zu deutlich höheren Preisen von bis zu 700 000 Euro verkauft worden.

Mauritius-Vorbesitzer Ullrich Schulze, der die Versteigerung in der ersten Reihe des Auktionssaals verfolgt hatte, gab sich angesichts des Ergebnisses gelassen. „Ich habe mehr erwartet”, räumte er ein. Doch bei Briefmarken dieser Preisklasse sei die „Luft bereits dünn”. Die Marke war durch einen Tausch gegen eine Motor-Yacht im Jahr 1972 in den Besitz der Familie gelangt. Es sei ein gebrauchtes Schiff gewesen, schränkte Schulze ein. Nachdem die falsch einsortierte Marke 20 Jahre lang vergessen in einem Album geschlummert hatte, hatte er sich entschlossen, das Stück zu verkaufen.

Die 1847 auf der Insel Mauritius gedruckte rote „One Penny”-Marke trägt ebenso wie die bekanntere Blaue Mauritius „Two Pence” den unter Sammlern begehrten fehlerhaften Aufdruck „Post Office”. Das in Essen angebotene Exemplar musste in der Vergangenheit nach Einschätzung von Experten „laienhafte” Restaurierungsversuche über sich ergehen lassen. Beim Versuch, eine kreuzförmig angebrachte Entwertung zu entfernen, habe die Marke Teile ihrer Farbe verloren, beklagte Kenner Jakubek. „Wer auch immer dafür verantwortlich war - was er hinterlassen hatte, war schlimm”, stellte er in einem im Auktionskatalog veröffentlichten Beitrag fest. Erst später sei das teure Stück dann wieder aufwendig wiederhergestellt worden.