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TV-Jubiläum: „Man kann jeden reinlegen“

TV-Jubiläum : „Man kann jeden reinlegen“

Der TV-Klassiker „Verstehen Sie Spaß?“ wird 40. Wegen der Corona-Krise moderiert Guido Cantz die große Live-Jubiläumsshow in der ARD am Sonntag ohne Studio-Publikum.

Im Studio wird es vergleichsweise ruhig: Bei der Jubiläumsshow von „Verstehen Sie Spaß?“ werden keine Zuschauer auf den Rängen sitzen, die Gesprächspartner werden per Video zugeschaltet. Mit Moderator Guido Cantz sprach Cornelia Wystrichowski über ungewohnte Bedingungen und politisch korrekte Kamerastreiche.

Herr Cantz, eine große Live-Show ohne Live-Publikum – wie wird’s?

Guido Cantz: Das Jubiläum zum 40. Geburtstag von „Verstehen Sie Spaß?“ hatten wir uns anders vorgestellt, keine Frage. Corona hat uns da einen ziemlichen Strich durch die Rechnung gemacht – und natürlich ist einem nicht so recht nach Feiern zumute. Dennoch glaube ich, dass eine Show wie „Verstehen Sie Spaß?“ gerade in Zeiten wie diesen sehr wichtig ist. Wir sorgen für ein paar Stunden gute Unterhaltung, auch wenn leider kein Publikum im Studio dabei sein kann.

Was passiert in der Sendung?

Cantz: Wir haben Gäste wie Paola Felix und Karl Dall, frühere Moderatoren wie Dieter Hallervorden, Frank Elstner und Cherno Jobatey – Harald Schmidt leider nicht. Wir haben Protagonisten aus früheren Filmen, Prominente wie Jan Josef Liefers oder Axel Prahl, aber auch nicht prominente Gäste. Aufgrund der aktuellen Situation werden sie per Video live zugeschaltet. Wir zeigen die zehn besten Filme aus den letzten 40 Jahren, über die die Zuschauer per Live-Voting abstimmen und ihren besten „Verstehen Sie Spaß?“-Film aller Zeiten wählen können.

Warum sind alle Samstagabend­-Showklassiker tot, nur „Verstehen Sie Spaß?“ nicht?

Cantz: Weil Schadenfreude einfach zeitlos schön ist. Das Genre Versteckte Kamera wird die Leute auch in 50 Jahren noch begeistern. Ich selber habe die Sendung schon als Kind geliebt, ich durfte sie zusammen mit meinem Bruder schauen, im Schlafanzug samstags nach dem Baden. Umso schöner war es für mich, als ich 2009 die Nachricht bekam, dass ich der neue Moderator werden darf.

Aber gräbt das Internetzeitalter dem Format nicht das Wasser ab?

Cantz: Es ist genau andersrum, dieser Trend ist unserer Sendung sehr zuträglich. Die Kids schauen sich Streiche gerne an, sonst wäre „Verstehen Sie Spaß?“ auch nicht so erfolgreich im Netz. Wir sind in Deutschland der erfolgreichste Youtube-Kanal des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit aktuell rund 882 Millionen Aufrufen und über 1,1 Millionen Abonnenten. Wir produzieren sogar Filme ausschließlich für unseren Youtube-Kanal, denn wir kämen allein mit den Filmen aus der TV-Show gar nicht nach. Und diese Fangemeinde schaltet dann auch wieder die Fernsehsendung ein, das ist für uns ein großes Glück.

Was hat sich geändert seit den Anfängen von „Verstehen Sie Spaß“?

Cantz: Es ist viel aufwendiger geworden als noch in den 80er Jahren, und auch deutlich teurer. Kurt Felix hat die Klassiker damals mit einer einzigen Kamera gedreht, mit nur einer Einstellung – das ist heute undenkbar. Wir hatten zuletzt in den Filmen, die wir mit Prominenten gedreht haben, 24 Kameras im Einsatz – große, kleine oder auch Miniaturkameras in Knopflöchern oder Brillen.

Müssen die Streiche heute härter, provokanter sein als zu Zeiten von Paola und Kurt Felix?

Cantz: Wir sind eine Familiensendung, und mit härter tue ich mich persönlich schwer. Natürlich sagen 18-Jährige eher mal: „Ihr könnt da ruhig noch eine Schippe drauflegen“, aber meiner Mutter, die bald 78 wird, wäre das dann zu heftig. Wir müssen einen Kompromiss finden. Denn wir wollen natürlich auch den Kids was bieten, weil wir von ganz vielen jungen Leuten zwischen 10 und 20 geguckt werden.

Ihr eigener Sohn ist neun Jahre alt. Wie findet er es, dass sein Vater der TV-Spaßvogel ist?

Cantz: Mein Sohn hat mich neulich gefragt: „Papa, fändest du es schlimm, wenn ich auch sowas machen würde wie du?“ Das fand ich süß. Ich habe ihm gesagt, dass ich an seiner Stelle erst mal die Schule und eine Ausbildung machen würde, und wenn er dann vor die Kamera will oder auf einer Bühne stehen möchte, kann er das gerne tun.

Wir leben in aufgeregten Zeiten, Debatten wie die um MeToo haben viele sensibilisiert. Gibt es beim Humor engere Grenzen als früher?

Cantz: Das Thema Political Correctness ist für uns ein ganz wichtiges. Schlussendlich bedeutet Humor zwar immer, dass irgendjemand eine Torte ins Gesicht bekommt, und ob das ein Mann oder Frau ist, Kinder oder ältere Leute, das ist egal, dann wird gelacht. Und wenn man das nicht mehr darf, kann man das Thema Humor ad acta legen. Trotzdem: Einige Sachen, die man in den 80er, 90er Jahren gemacht hat, sind heute nicht mehr opportun, die macht man heute nicht mehr.

Welchen Sketch könnte man heute nicht mehr senden?

Cantz: Mir fällt da gerade ein Beispiel ein, das glaube ich noch in der Ära von Kurt Felix gedreht wurde. Da stand eine Dame oben ohne in einer Dusche, die in einem Fahrstuhl eingebaut war, und dann ging die Fahrstuhltür auf. Das würden wir heute nicht mehr so machen, das wäre zu heikel.

Joko und Klaas wurde neulich vorgeworfen, in ihren Streicheshows mit Fakes zu arbeiten. Geht bei Ihnen alles mit rechten Dingen zu?

Cantz: Auf jeden Fall. Ich behaupte auch, dass man es bei jedem Menschen merkt, wenn er anfängt zu schauspielern. Ich weiß, oft ist es kaum zu glauben, was die Leute alles mit sich machen lassen, wenn sie zum Beispiel an einer Supermarktkasse nicht drankommen oder ein Auto auf einem Feldweg verschwindet. Aber ich bin selber schon zweimal reingelegt worden. Wenn das gut gemacht ist, kann man jeden reinlegen.