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Mailand: Mailänder Designerschauen: Sündhaft teuer und „russifiziert”

Mailand : Mailänder Designerschauen: Sündhaft teuer und „russifiziert”

Lust auf Luxus, Lust auf Glamour, Lust auf Pelz, Schmuck und Opulenz. Reichtum öffentlich zu zelebrieren, ist salonfähig. Zumindest empfinden das Mailands Designer so.

Auf den am Samstag endenden Defilees der Milano Moda Donna waren ungeheuer viele reiche und aufwendig gearbeitete Kollektionen zu bewundern. Was wohl auch bedeutet: Die neue Mode wird sündhaft teuer.

Donatella Versace sorgte am Donnerstagabend für den letzten Höhepunkt der Schauen. Die letzten beiden verbleibenden Tage gehören ausschließlich eher unspektakulären Namen. Deren Models laufen nun Gefahr, vor halbleeren Rängen zu defilieren. Denn der Tross aus Einkäufern und Medienvertretern ist dann bereits auf dem Weg nach Paris, wo am Wochenende die Prêt-à-Porter-Schauen beginnen.

Versace ließ sich von einer Berlinreise und vor allem von den Arbeiten des holländischen Collagenkünstlers Timothy Roeloffs inspirieren, die sie dort entdeckte. Einige seiner Werke tauchen nun in der Kollektion als Druckmotiv auf. Donatella Versace setzt auf eine schlanke Silhouette, der sie aber über asymmetrisch angebrachte Überwürfe oder kurze Rückenschleppen punktuell Volumen verleiht.

Der Gesamteindruck bei Versace ist sehr grafisch, erzeugt durch die Nahtlagen, die sich zuweilen kreuzenden Stoffstreifen oder die Form der Rückendekolletes bei den Roben. „Berlin ist für mich der Inbegriff der Modernität, ein Schmelztiegel vieler Stile, ein Ort voller Geschichte”, schwärmte die Mailänder Designerin von ihrer Inspirationsquelle.

Wann immer sich die Mode wie im kommenden Herbst/Winter von ihrer üppigen Seite zeigt, spricht die Branche gern von der „Russifizierung”. Die wichtigsten Märkte der Luxusindustrie liegen derzeit im Osten, und die Kundschaft dort bevorzugt einen eher auffälligen Kleidungsstil.

Vor diesem Hintergrund lässt sich auch die Kollektion von Laura Biagiotti am besten interpretieren. Die Römerin erinnerte in ihrem Defilee am Donnerstag daran, dass sie 1988 als erste italienische Designerin Mode in China vorführte. In ihrer aktuellen Arbeit schwelgt sie daher auch in opulenten glänzenden Materialien, Pelzen, die oft noch zusätzlich mit Federn akzentuiert wurden, sowie aufwendigen Stickereien. Etwas Ruhe in dieses Bild bringen schlichte Strickkleider mit nur einer Glitzerkante oder einem Fellkragen.

Bei Emilio Pucci dominierte das dekorative Element. Die farbige Grafik gehört zur unverwechselbaren Handschrift des Traditionshauses aus Florenz. Es gibt sie im nächsten Winter unter anderem auf voluminösen Daunenjacken, Twinsets oder Minikleidern. Zuweilen wird das Musterbild, etwa bei Strickjacken, auch im Patchwork interpretiert. Pelz, als Innenfutter einer wuchtigen Kapuze, als Zierborte auf Kleidern oder schließlich als Mantel, durchzieht die ganze Kollektion.

Doch Mailands Mode wartet mit weiteren Facetten auf. Dazu zählen mädchenhafte Romantik oder auch der Hippie-Look. Es gibt starke Kontraste wie zwischen sommerlichen und winterlichen Stoffen, Volumen und Enge. Und auch das eher maskuline Element wie die klassische Herrenhose, die Weste, die Krawatte oder militärische Anleihen finden in der neuen Damenmode Platz. Neben unzähligen Mantelvarianten bietet sich die voluminöse Strickjacke, oft mit Zopf- oder Rippendetails, als Alternative an. Und Kleider bleiben nach wie vor ein starkes Thema.

Zu den wichtigen Trends zählt ebenfalls eine skulptural wirkende Mode, wie sie zum Beispiel Max Mara vorführte. Hier verzichtet man auf Farben und legt den Fokus auf die Form. Eine stark ausgeprägte Schulterpartie steht im Mittelpunkt und ist mit hoher Schnittkunst zum optischen Blickfang ausgearbeitet. So erhalten eher unauffällige lange Schlauchkleider, Mäntel oder Zopfstrickpullover eine höchst individuelle Note.