Stuttgart: Lebenslang für Mutter: Sohn und Tochter in Badewanne ertränkt

Stuttgart: Lebenslang für Mutter: Sohn und Tochter in Badewanne ertränkt

Lebenslänglich lautet das Urteil im Fall des gewaltsamen Todes von zwei Kindern in der Badewanne. Das Landgericht Stuttgart sprach die 42-jährige Mutter am Dienstag des heimtückischen Mordes für schuldig.

Sie hatte ihre fünfjährige Tochter Annabelle und ihren vierjährigen Sohn Max im vergangenen Mai zu Hause in der Wanne ertränkt.

Hintergrund des Verbrechens war eine Auseinandersetzung mit dem Vater um das Umgangsrecht für die Kinder. „Sie konnte es nicht ertragen, dass die Kinder auch den Vater lieben”, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Pross in seiner Urteilsbegründung.

„Wie kommt eine intelligente und gut situierte Frau dazu, ihre zwei Kinder zu töten?”, fragte Pross in den voll besetzten Gerichtssaal hinein.

Eine klare Antwort darauf konnten auch er und seine Richterkollegen nach mehrwöchiger Verhandlung nicht geben. Es bleibe „nur Unverständnis”, sagte der Kammervorsitzende. Ein „Gefühl des Mitleids” für die Täterin habe sich jedenfalls bei ihm nicht eingestellt. Das möge wohl auch an den vielen Lügen liegen, die die Angeklagte dem Gericht auftischen wollte.

Die Frau selbst, blondiert und schick gekleidet im beigefarbenen Blazer, verfolgte das Urteil ohne sichtbare Regung. Die Taschentücher, die sie vorsorglich auf den Tisch gelegt hatte, benötigte sie nicht.

Zu dem Verbrechen war es am 8. Mai 2009 gekommen. Die Mutter hatte damals ihre Kinder nach dem Abendessen unter dem Vorwand, sie wolle sie waschen, in die Wanne geschickt.

Nach Feststellungen des Gerichts kniete sie sich dann in die Wanne, umarmte beide Kinder und drückte sie mit ihrem Körpergewicht so lange unter Wasser, bis sie ertranken. Laut Gutachten waren die Fünfjährige und der Vierjährige nach etwa einer Minute bewusstlos und nach drei bis fünf Minuten tot.

Anschließend versuchte die 42-Jährige, sich selbst das Leben zu nehmen, indem sie sich lebensgefährliche Schnittwunden zufügte. Sie verlor drei Liter Blut, überlebte aber.

Die gelernte Industriekauffrau hatte das Verbrechen in der Hauptverhandlung zunächst geleugnet und auf einen ominösen Fremden verwiesen, der sie verfolgt habe und in ihr Haus eingedrungen sei. Erst nach wochenlanger Verhandlung legte sie ein Geständnis ab. Dabei war die Täterschaft der Frau dem Richter zufolge von vornherein „nie zu bezweifeln”. Nur mit der Frage nach dem Motiv hatten sowohl die Ermittler als auch die Richter ihre Probleme.

Ein von der Frau mit allen nur denkbaren Mitteln ausgefochtener Streit um die Kinder ist die einzige Erklärung, die blieb. 2008 hatte sie sich von ihrem Ehemann getrennt und war mit den gemeinsamen Kindern aus Köln in ihre süddeutsche Heimat zurückgekehrt.

Ein Rechtsstreit um das Umgangsrecht für die Kinder folgte, bei dem die Frau Missbrauchs- und Misshandlungsvorwürfe gegen ihren Mann erhob. Letztlich kam es zu einem Vergleich, der es dem Vater ermöglichte, seine Kinder jedes zweite Wochenende zu sich zu holen. Die Mutter aber habe ihre Liebe zu den Kindern „mit niemandem teilen wollen”, stellte der Vorsitzende Richter fest. „Die Kinder hat sie als ihren persönlichen Besitz betrachtet.”

Den Angaben der Angeklagten, ihr Mann habe sie gequält, den Sohn geschlagen und sich der Tochter sexuell genähert, schenkte das Gericht „im Wesentlichen” keinen Glauben. Auch die Aussage, ihr vor Jahrzehnten verstorbener Vater habe sie und die Kinder zu sich gerufen, hielt das Gericht für eine Schutzbehauptung, mit der die Frau eine psychische Krankheit vortäuschen wollte.

Dagegen spreche schon der Abschiedsbrief, in dem sie abermals ihrem Mann heftige Vorwürfe gemacht und darauf verwiesen habe, dass sie diejenige gewesen sei, die sich Tag und Nacht um die Kinder gekümmert habe.

„Ich war nicht ganz Herrin meiner Sinne”, hatte die Mutter noch unmittelbar vor der Urteilsverkündung gesagt. Und dass ihr die Tat „aufrichtig leid” tue. Das Gericht ging davon aus, dass die Frau ihre Kinder „über alles geliebt” hat. Nur: „In ihren Augen stand ihr allein die Liebe ihrer Kinder zu”, sagte der Richter abschließend.

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