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Münster: Landwirt, Jäger und Ämter-Sammler: Constantin Freiherr Heereman wird 75

Münster : Landwirt, Jäger und Ämter-Sammler: Constantin Freiherr Heereman wird 75

Fast 40 Jahre lang war Constantin Freiherr Heereman dutzendfacher Verbandspräsident, Agrarpolitiker, Deutschlands führender Bauer und oberster Jäger. Vor einigen Jahren zog er sich weitgehend von öffentlichen Ämtern zurück. Am Sonntag vollendet der streitbare Baron sein 75. Lebensjahr. „Es ist nicht mehr so hektisch wie es mal war”, sagt der frühere Lobbyist. Er genieße es, mehr Zeit mit der Familie, seiner Frau, vier Töchtern, einem Sohn und sieben Enkelkindern, verbringen zu können.

Am 17. Dezember 1931 wurde Constantin Bonifatius Hermann Joseph Maria Freiherr Heereman von Zuydtwyck in Münster geboren. 1955 übernahm er die Verwaltung des Familienbesitzes, Haus Surenburg in Hörstel-Riesenbeck (Kreis Steinfurt). Dort lebt Heereman noch heute mit seiner Frau Margarethe. Gemeinsam mit seinem Sohn Philipp bewirtschaftet er den Besitz. Und ganz ämterlos ist er nicht: In lokalen und regionalen Verbänden widmet er sich der Reiterei, auch wenn er selbst nicht mehr aufs Pferd steigt.

In früheren Jahren bekleidete der Baron Amt um Amt: Den Deutschen Bauernverband führte er von 1969 bis 1997, vertrat auch international landwirtschaftliche Interessen. An der Spitze des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen stand Heereman von 1976 bis 2004. Diese Präsidentschaft war das letzte überregionale Engagement, von dem Heereman sich zurückzog. Ein Jahr zuvor hatte er die Führung des Deutschen Jagdschutzverbandes abgegeben, dem er seit 1995 vorstand.

Sieben Jahre lang war Heereman zudem Abgeordneter der CDU im Bundestag. Berührungsängste mit Politikern anderer Couleur habe er allerdings nicht gehabt, meint der Pragmatiker: „Ich habe auch gute Freunde bei den Sozialdemokraten, Liberalen oder Grünen.”

Ein wenig hadert Heereman nun mit seinem Lebenswerk: „Ich bin nicht zufrieden mit dem, was erreicht worden ist.” Er habe möglichst viele landwirtschaftliche Betriebe erhalten wollen, was nicht immer gelang. Dennoch hält er „die soziale Absicherung der bäuerlichen Familie” für seinen größten Erfolg. Heereman habe „Perspektiven für den ländlichen Raum geschaffen”, schreiben auch die Bauern- und Jagdpräsidenten Gerd Sonnleitner, Franz-Josef Möllers und Jochen Borchert in einer gemeinsamen Erklärung.

In der Auseinandersetzung mit politischen Gegnern fand Deutschlands oberster Jäger oft deutliche Worte. Jagdgegner, die Hochsitze oder Jagdeinrichtungen beschädigen, bezeichnet er als „Terroristen”. Auch in den eigenen Reihen herrschte nicht immer eitel Sonnenschein: Einmal verbrannten protestierende Landwirte Strohpuppen, die Heereman und den damaligen Bundesagrarminister Ignaz Kiechle darstellen sollten. Als Bauernpräsident habe er damals vor allem eins gedacht: „Macht euren Mist doch alleene.”

Unter den zahlreichen Auszeichnungen, die Heereman erhalten hat, ist auch das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. „Besonders Spaß gemacht” habe ihm allerdings der „Orden wider den tierischen Ernst”, den ihm der Aachener Karnevalsverein 1976 verlieh. Er sei ein „fröhlicher Karnevalist”, sagt der Westfale mit rheinischer Mutter. „Menschen, die überhaupt nicht lustig sein können, bekommen Magengeschwüre - und gehen mir auf den Wecker.”