1. Panorama

Mörfelden-Walldorf: Kunstwerke auf Körpern

Mörfelden-Walldorf : Kunstwerke auf Körpern

Kerstin Bülow lebt ein gutbürgerliches Leben: Sie ist mit einem Polizisten verheiratet, hat eine neunjährige Tochter und arbeitet in einer Anwaltskanzlei als Sekretärin.

Doch in ihrer Freizeit wird aus der 37-Jährigen Kris Kolor, die deutsche Meisterin im Bodypainting. Aus Neugier hatte sie 2001 mit dem Bemalen nackter Körper begonnen. „Ich war schon immer dafür, neue Dinge auszuprobieren. Nur dazusitzen langweilt mich”, erzählt Bülow.

Bodypainting erlebt in Deutschland seit Jahren einen Boom. In Bodypainting-Shows, in Messehallen und bei Firmenfeiern werden dabei bevorzugt nackte Frauen farbig bemalt oder besprüht. Bülow beschert das mehr und mehr Aufträge, vor allem, seit sie im Besitz des Meistertitels ist. Geld lässt sich mit ihrem Hobby allerdings kaum machen.

Im Sommer 2001 lernte die Hessin durch den damaligen Bodypainting-Europameister Stefan Czech das Metier kennen. „Ich war so beeindruckt, dass ich kurz entschlossen 2002 an der damaligen Europameisterschaft in Seeboden teilgenommen habe”, sagt sie. Nachdem sie damals gleich auf dem zehnten Platz landete, hat sie danach keine Europameisterschaft mehr ausgelassen. Stets landete sie unter den Top Ten.

Im August dieses Jahres gewann sie in Mainz die deutsche Meisterschaft. Neben handwerklichem Geschick kommt es ihr auch auf eine gute Wahl in Sachen Modell an. „Es ist schon wichtig, dass sich die Frauen gut präsentieren. Der schöne Körper alleine reicht nicht”, berichtet Bülow.

Bodypainting-Modelle müssen außerdem eine große Portion Geduld mitbringen - schließlich dauern die Arbeiten am Körper mehrere Stunden. Dass beim Bodypainting vor allem auf weiblichen Körpern gemalt wird, hat ganz pragmatische Gründe. Das feinere Hautbild und die geringere Körperbehaarung der Frauen ließen sich besser farblich behandeln, sagt Bülow. Und auch für das Spiel mit unterschiedlichen Farbtönen eröffneten Frauen mehr Möglichkeiten. Bei Meisterschaften zählt die Originalität des Künstlers.

Die Aufgabe bei der deutschen Meisterschaft - „Science - Welt der Wunder” - setzte Bülow so um: Sie sprühte ihrem Modell Nadine ein Bild vom Erfinder der James-Bond-Gimmicks „Q” samt Agenten auf Brust und Oberschenkel. Nadines Rücken bebilderte sie mit unbekannten Erfindern nützlicher Alltagsgegenstände. Zu sehen waren auf der blau gefärbten Haut zum Beispiel eine Waschmaschine und ein überdimensionierter Reißverschluss.

„Am besten kann ich meine Vorstellungen durch die Airbrush-Technik verwirklichen”, sagt Bülow. Neben der Arbeit mit Schablone und Sprühpistole gehört auch Maskenbildnerei zu ihren Aufgaben - schließlich muss auch das Gesicht zum Körper-Gesamtkunstwerk passen. Mit der Sprühpistole kennt sie sich bestens aus. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit der Technik, eine künstlerische Ausbildung hat sie allerdings nicht. Sie besprüht nicht nur Körper, auch Motorhauben, Wände, Kühlschränke und Gitarren hat sie schon verziert. Bülow bekommt zwar immer mehr Anfragen von Unternehmen für Werbung oder Messeauftritte.

„Alles in allem hat sich der große Reichtum aber noch nicht eingestellt”, sagt sie. Die Ausgaben für Farben und Arbeitsgeräte zehren den Großteil ihrer Einnahmen wieder auf. Das ist Bülow aber egal - sie sprüht und pinselt nicht wegen des Geldes. „Ich will gute Arbeit liefern. Im Mittelpunkt muss ich aber nicht unbedingt stehen”, sagt sie. Das überlasse sie lieber ihren hübschen Modellen.