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Koblenz: Kunst oder Kitsch? Künstler plant „Nixe” im Rhein bei Koblenz

Koblenz : Kunst oder Kitsch? Künstler plant „Nixe” im Rhein bei Koblenz

Wassernixen bezaubern der Legende nach Männer mit ihrer Schönheit. In Koblenz bringt das Thema „Nixe” in diesen Tagen vor allem eines: heiße Diskussionen.

Der Koblenzer Künstler Dieter Portugall plant in Sichtweite des berühmten Deutschen Ecks eine Großskulptur im Rhein, die die Form einer eleganten Nixe hat. Auch wenn das Projekt noch weit davon entfernt ist, verwirklicht zu werden, schlägt es bereits hohe Wellen. Während einige die Rhein-Nixe nahe der Moselmündung als gelungenen PR-Gag bezeichnen, halten andere dem Künstler zugute, in Koblenz eine längst fällige Diskussion über moderne Kunst im öffentlichen Raum angestoßen zu haben.

„In den letzten 100 Jahren ist als Kunst im öffentlichen Raum in unserer Region nichts geschaffen worden”, sagt der 56 Jahre alte Künstler mit Blick auf das Rheintal, in dem sich Monumente vergangener Jahrhunderte aneinanderreihen. Zudem dürfe die moderne Kunst nicht elitär in Museen verbannt, sondern müsse mehr in das öffentliche Leben integriert werden.

Nach Portugalls Vorschlag soll die 38 Meter große Skulptur vor der Insel Niederwerth auf einem felsähnlichen Sockel im Rhein stehen. Portugall will das Kunstwerk zur Bundesgartenschau (BUGA) 2011 in Koblenz verwirklichen. Zunächst gilt es jedoch, eine Reihe von Genehmigungsverfahren zu durchlaufen.

Nach Portugalls Vorstellungen soll die Nixe das „Tor zum Mittelrheintal” öffnen. Die Figur schlägt die Arme hoch, als ob sie in die Fluten springen wollte. „Sie symbolisiert die Anmut und Schönheit der Landschaft, die durch Flüsse und Höhen geprägt ist”, erklärt der Künstler.

Die Skulptur soll aus einem Stahlgerüst mit einer Haut aus Glas oder durchsichtigem Kunststoff bestehen und so einen Gegenpol zum Deutschen Eck mit dessen wuchtigem historischen Reiterdenkmal von Kaiser Wilhelm I. bilden. Von innen und außen soll die transparente Figur beleuchtbar sein, so dass beispielsweise Muster und Bilder projiziert werden können. Zu den Kosten äußert sich der Künstler nicht. Portugall will das Projekt mit Hilfe privater Sponsoren verwirklichen und hält es für „absolut realisierbar”.

So sicher ist der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, Albert Berg- Winters (CDU), aber nicht. Vor allem die betroffenen Kommunen hätten noch über das Vorhaben zu entscheiden. „Wenn diese ablehnen, ist das Thema durch.” Berg-Winters fordert eine „große Sensibilität” im weiteren Verlauf der Diskussion. „Es handelt sich - am Eingang zum Unesco-Welterbe Mittelrhein und in unmittelbarer Nähe des Deutschen Ecks - um einen sehr geschichtsträchtigen, hochsensiblen Ort.”

Der Direktor der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Thomas Metz, lehnt die „Monumentalstatue” ab. Es sei gut, dass Portugall eine Diskussion um Kunst im öffentlichen Raum und die Landschaftsgestaltung bei Niederwerth angestoßen habe. Jedoch müsse man erst analysieren, welche Probleme es im dortigen Landschaftsraum gebe und wie Landschaftskunst diese lösen könne. Metz spricht von einer Marketingaktion des Künstlers.

„Ich habe es (das Projekt) nie ernst genommen.” Ähnlich äußert sich BUGA-Geschäftsführer Hanspeter Faas, der ein Gesamtkonzept vermisst und lieber aus mehreren künstlerischen Vorschlägen einen passenden Entwurf auswählen möchte.