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Rohrbach: Kugelschreiber aus Hopfen

Rohrbach : Kugelschreiber aus Hopfen

Horst Korger will bald Abfall zu Geld machen - den Abfall der Hopfenpflanze. Bis zu acht Meter wird die Rebe hoch, zum Bierbrauen reichen ihre Früchte, die Dolden. Sie werden seit Montag in der bayerischen Hallertau wieder gezupft.

Der Rest der Pflanze taugt nur noch als Kompost. Den hat Korger in seinem Labor genau unter die Lupe genommen und einiges entwickelt, was sich mit der Rebe anstellen lässt. Die darin enthaltenen Fasern und Röhrchen aus Zellulose können nach seinen Erkenntnissen als Häuser-Dämmstoff, bei der Möbel-Herstellung oder für die Produktion von Plastik-Kugelschreibern verwendet werden.

„Hopfen gehört zur Kategorie der Hanfpflanzen”, sagt der Elektronik-Ingenieur aus dem oberbayerischen Rohrbach. Seine Fasern ließen sich als verwertbarer Rohstoff nutzbar machen. Tränke man beispielsweise das Faser-Vlies mit Harz, könne man den Stoff in Form pressen - beispielsweise zur Innenverkleidung für Autos. Bislang seien diese Teile mit Fasern aus importierten Pflanzen hergestellt. Die Reben eigneten sich durch ihre Röhren-Innenstruktur auch gut als Isolationsmaterial.

Auch Kunststoff-Gemische lassen sich laut Korger mit den Hopfen-Fasern fertigen. „Man kann 70 Prozent des Kunststoffs ersetzen”, erläutert der Ingenieur. Dieser ließe sich zu Computergehäusen oder Containern spritzen und sei auch noch „wesentlich stabiler” als herkömmlicher Kunststoff, weil sich die Pflanzenfasern ineinander verhakten. Im Kleinen hat Korger schon mal angefangen: Neben einigen Formteilen existieren bereits Prototypen von Kugelschreibern.

Interessenten für seine Erfindungen hat er auch schon - allerdings nur für die fertigen. „Die wollen weder Zeit noch Kosten investieren, um das Produkt zu entwickeln”, bedauert der gebürtige Oberpfälzer. Er hat inzwischen mit seinem Partner Christian Peter eine Firma gegründet, sie suchen nun einen Sponsor. Mit einer halben Million Euro könnten sie erste Produkte auf den Markt bringen, schätzt der 57-Jährige.

Beim Hopfenpflanzerverband Hallertau ist man noch zurückhaltend ob der Neuentwicklung. „Wir haben grundsätzlich nichts dagegen, dass Innovationen getätigt werden”, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Werner Brunner. Aber es sei „die Frage, ob man da so viel verdienen kann” als Hopfenpflanzer. Die Pflanzenteile, die Korger künftig verwerten will, dienen bislang als Kompostmaterial für die Hopfenfelder. Zwar könne man die Pflanzen auch an Korger verkaufen und stattdessen andere Kompoststoffe erwerben, räumt Brunner ein. „Aber das Ganze muss sich natürlich unterm Strich rechnen.”

Daran glaubt Georg Weber schon fest. „Das ist in meinen Augen ein gutes Konzept”, betont der Vize-Vorsitzende der Interessengemeinschaft Qualitätshopfen Niederlauterbach (IGN). Die 58 Mitglieder, allesamt Hopfenbauern, erwägen nun, eine Firma zu gründen und die Ideen der beiden Ingenieure mit umzusetzen. „In den ersten Jahren wird das nicht viel Geld abwerfen, das ist klar”, zeigt sich Weber realistisch. Aber später lasse sich damit „auf alle Fälle” etwas dazuverdienen.

Weber freut sich auch über einen Nebeneffekt des Vorhabens: Wenn die Pflanze künftig nicht mehr auf dem Feld vermodert, sondern zum Trocknen gesammelt wird, verschwinden mit ihr auch die Drahtstücke von den Feldern. Die Pflanzen wachsen entlang von Drähten in die Höhe. Nach der Ernte wird die Rebe mitsamt dem Metall zerkleinert und verteilt sich teils auch über die Straßen - weil manche Bauern da etwas „schlampig” sind, schimpft Weber. Über die sogenannten Hopfen-Spikes ärgern sich in der Hallertau regelmäßig Autofahrer, wenn sie sich dadurch einen platten Reifen fahren.

Genauso ein unerfreuliches Erlebnis hat Korger überhaupt auf seine Erfindungen gebracht: Ein Bekannter kam vor einigen Jahren zu Besuch und fing sich einen Hopfen-Spike ein. Korgers Ingenieur-Neugier war sofort geweckt.