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Würzburg: Küsschen für „Charly”: Krokodil gesund und wohlbehalten zurück

Würzburg : Küsschen für „Charly”: Krokodil gesund und wohlbehalten zurück

Reptilientrainerin Diana Antoine standen Tränen in den Augen, Tränen der Freude. Am Dienstagvormittag konnte sie ihr Brillenkaiman-Weibchen „Charly”, das am Wochenende aus einer in Würzburg gastierenden Reptilienschau gestohlen worden war, wieder in die Arme schließen und dem Tier einen zärtlichen Kuss von oben auf die lange Schnauze geben.

„Ich bin total ergriffen und einfach nur froh, dass sie wieder da ist”, sagte Antoine. Sie habe das 22 Jahre alte Tier seit 20 Jahren und mit ihm die ganze Welt bereist. Der gut 1,5 Meter lange Kaiman sei geradezu „ein Teil” von ihr, erklärte die Frau.

Gefunden hatte das Reptil gegen 9.40 Uhr ein Mitarbeiter des Landesuntersuchungsamtes für das Gesundheitswesen auf dem Gelände des Institutes. Auf einem Rasenstück, wo die Mitarbeiter ihre Pausen verbringen. „Ich habe zweimal hingeschaut und dachte erst, es ist ein Spielzeugtier”, sagte der Finder Martin Feuerbach.

An dem Halsgeschirr habe er dann aber gesehen, dass es sich um ein echtes Reptil handelte und sofort den Hausmeister sowie den Leiter des Amtes informiert. Dieser nahm dann das Reptil durch die sichere Glastür selbst in Augenschein und informierte die Polizei. „Durch seine spezielle Färbung hat man das Tier erstmal gar nicht richtig erkannt”, beschrieb Dienstellenleiter Klaus Mahlmeister seine ersten Eindrücke.

Bis die Beamten eintrafen, kroch „Charly” eine gut 50 Zentimeter hohe Mauer hoch und machte es sich unter einem Busch gemütlich, bis die alarmierte Tiertrainerin aus dem hessischen Darmstadt, dem nächsten Gastspielort der Reptilienschau, eingetroffen war.

Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Glücker verhielt sich das Tier dabei „total friedlich”. Unterstützt wurden die Polizisten in dem ungewöhnlichen Einsatz von einem Mitarbeiter der Schau, der noch in Würzburg war, um einen letzten Transport abzuwickeln.

Als Antoine um 11.30 Uhr eintraf, konnte sie ihren leicht aufgeregten Liebling wieder unbeschadet in Empfang nehmen und der Presse präsentieren. Sie habe bereits gefürchtet, „Charly” sei überfahren worden und sie werde ihn nie wieder sehen, sagte sie. Auch an eine Entführung habe sie gedacht: „Ich hätte alles gezahlt, Hauptsache, ich kriege meinen Kaiman zurück.”

Vor zwei Jahren seien ihr für „Charly” bereits einmal 5000 Euro angeboten worden. Antoine ist ebenso wie die Polizei davon überzeugt, dass ein Reptiliensammler das Tier entwendet hat. An dem Sattelauflieger mit dem Gehege von „Charly” war jedenfalls das Schloss zerbrochen. „Der Dieb hat dann eventuell kalte Füße bekommen und ihn wieder ausgesetzt”, vermutete Polizeisprecher Glücker.

Es habe jedoch keine Gefahr für Dritte bestanden, fügte er an. Wohl aber für den Brillenkaiman, falls dieser in den nur wenige Meter von dem Behördengelände entfernten Main gesprungen wäre. „In dem kalten Wasser wäre er wohl verendet”, sagte Tiertrainerin Antoine. Nach dem Happyend für Tier und Trainerin ging es in einer Transportbox nach Darmstadt, wo sich „Charly” erst einmal von den Strapazen erholen soll.

Er werde zwar in Darmstadt am Wochenende zusammen mit seinem Kumpel „Grisu” in der Ausstellung zu sehen sein, mehr aber auch nicht. „Wir werden mit ihm keine Show machen, er kann jetzt relaxen und entspannen”, verordnete Tiertrainerin ihrem Star erst einmal eine Auszeit. Für die Polizei dagegen ist der Fall noch nicht abgeschlossen, sie ermittelt weiter wegen Diebstahls.