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Den Haag: Kritik und Verständnis nach Organspender-Bluff

Den Haag : Kritik und Verständnis nach Organspender-Bluff

Es war alles nur gespielt und soll einem guten Zweck dienen: Die im Vorfeld heiß diskutierte Organspende-Show im niederländischen Fernsehen weckte im Land selbst aktuell das Interesse am Thema Organspende. Scharfe Kritik lösten aber die Methoden des Senders BNN aus.

Gesundheitsminister Ab Klink rügte am Samstag das Vorgehen des Senders, der die Öffentlichkeit mit seiner Kampagne vor der Show in die Irre geführt hatte. Doch der Politiker begrüßte auch, dass jetzt über Organspenden diskutiert werde.

Auch in Deutschland stieß der Show-Bluff bei Politikern und Medien auf Kritik. Die von dem öffentlich-rechtlichen Kanal BNN am Freitagabend ausgestrahlte Show entpuppte sich kurz vor Schluss als Inszenierung. Die angeblich todkranke Nierenspenderin, die sich unter drei Bewerbern den Empfänger ihres Organs auswählen sollte, entpuppte sich als Schauspielerin. Anders als das Publikum waren die wirklich nierenkranken Bewerber in den Bluff eingeweiht.

Den Angaben zufolge sahen mehr als 1,2 Millionen Menschen die „Spender-Show” am Freitagabend. Es war die zweitbeste Einschaltquote aller Zeiten in den Niederlanden. „Wir wollten ein Statement machen. Das ist geglückt”, sagte BNN-Chef Laurens Drillich nach der Show. „In den vergangenen sieben Tagen ist mehr über Organspende gesprochen worden als in den sieben Jahren davor.”

In den Niederlanden warten 1400 Patienten auf eine Spenderniere. Während der Show hätten etwa 12. 000 Menschen eine SMS an eine Sondernummer geschickt, um sich als Spender anzumelden.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sagte am Samstag - dem offiziellen Tag der Organspende - in Berlin, die Sendung sei nicht der richtige Weg gewesen, um auf das Problem fehlender Organspenden hinzuweisen. „Wenn die Medien so viel Energie und Fantasie in die seriöse Aufklärung und das Werben um Organspenden zur besten Sendezeit stecken würden, hätte man den selben positiven Effekt.”

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), die sich nicht zu der Sendung äußern wollte, erklärte: „Die Debatte um Organspenden kommt nur dadurch zu Stande, dass es zu wenig Organspender gibt.” Deshalb müsse dafür geworben werden, „dass sich einfach mehr Menschen zum Organspenden bereit erklären”.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Michael Konken, kritisierte das Vorgehen von BNN. „Das Anliegen ist durchaus wichtig, aber mit solchen PR-Schachzügen ins Fernsehen zu kommen, kann nicht im Sinne der Medienberichterstattung sein”, sagte Konken der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. „Solche sensiblen Themen, die mit Krankheit, Gefühlen und Tod spielen, haben auf dem Medienmarkt nichts zu suchen.”

Lob gab es von dem niederländischen Minister für Erziehung, Kultur und Wissenschaft, Ronald Plasterk. Medienberichten zufolge nannte er sie „sehr intelligent”. Es sei „fantastische Arbeit”, das Thema Organspende auf die Tagesordnung zu setzen. Der Verband der niederländischen Nierenpatienten erklärte: „Wir sind alle auf den Arm genommen worden. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass das Problem nun ein Gesicht hat.”

Der Pressesprecher der konservativen Regierungspartei CDA, Joop Atsma, kritisierte die Sendung als geschmacklosen Werbegag. „Ich glaube nicht, dass die Show zur Lösung des Problems beiträgt”, sagte der Politiker. Produzent der Show ist die Firma Endemol, die auch die Containersendung „Big Brother” entwickelt hat.

Die drei tatsächlich kranken Kandidaten gaben sich bei der „Enttarnung” erleichtert. Ihre in Filmen dargestellten Geschichten, in denen sie ihre Einschränkungen im Leben beschrieben, ihre Wünsche und Hoffnungen, seien echt gewesen, sagten sie zum Schluss.

Kandidaten waren die 36-jährige Esther-Claire, der 19 Jahre alte Vincent und die 29-jährige Charlotte. Charlotte erklärte, sie hoffe, dass die Sendung der guten Sache diene. Ende April habe sie erfahren, dass die Spenderin keine wirklich nierenkranke Frau sei. „Aber ich bin dabei geblieben, weil ich hoffe, dass die Politik etwas damit anfangen wird und alles nicht bloß große Aufregung verursacht hat.”