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Bochum: „Kanalleichen-Prozess”: Richter sprechen Mordverdächtigen frei

Bochum : „Kanalleichen-Prozess”: Richter sprechen Mordverdächtigen frei

Er kam in Handschellen und durfte als freier Mann wieder gehen: Ein 42 Jahre alter Vater aus Oer-Erkenschwick ist vom Landgericht Bochum vom Vorwurf des Mordes an seiner Frau freigesprochen worden. Laut Urteil vom Freitag gibt es keinerlei Beweise, dass er die 25-Jährige umgebracht hat.

Die Staatsanwaltschaft hatte das ganz anders gesehen und lebenslange Haft beantragt. Die Leiche der Ehefrau war im Juni 2015 im Dortmund-Ems-Kanal entdeckt worden. Wie lang sie schon im Wasser getrieben hat, ist unklar. Auch eine Todesursache konnte nicht festgestellt werden. Trotzdem war der Ehemann später wegen Mordes festgenommen worden. Jetzt muss er für die monatelange Untersuchungshaft entschädigt werden.

Nach Ansicht des Schwurgerichts hätte der 42-Jährige zwar ein Motiv gehabt. Schließlich sei seine Ehe zerrüttet gewesen, außerdem habe er immer wieder Affären gehabt. Deshalb sei es auch möglich, dass er seine Frau getötet hat. Für eine Verurteilung reiche das jedoch nicht aus. „Letztendlich wäre alles nur eine Vermutung - mehr nicht”, sagte Richter Josef Große Feldhaus. „Es gibt keine objektiven Beweise.”

Möglicherweise habe der Angeklagte zur angeblichen Tatzeit sogar geschlafen. Seine kleine Tochter soll ihn auf der Couch im Wohnzimmer gesehen haben. „Dieses Verhalten ist mit einer Täterschaft nicht zu vereinbaren”, so Große Feldhaus. Auch sonst habe der Angeklagte keinerlei auffälliges Verhalten gezeigt. Im Gegenteil. Er habe sofort nach seiner Frau gesucht und auch schnell eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Kampfspuren habe es ebenfalls nicht gegeben.

Auch ein angeblicher Leichengeruch in einem Fahrzeug habe sich im Laufe des Prozesses nicht nachweisen lassen. Nach Überzeugung der Richter sei aus Kreisen der Familie versucht worden, eine falsche Spur zu legen. Verteidiger Siegmund Benecken nahm das Urteil mit Zufriedenheit auf. „Alles, was in der Anklage stand, war Fantasie”, sagte er am Ende des Prozesses.

(dpa)