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Paris: Juliette Binoche wird 50: Direkt, komplex und nonkonformistisch

Paris : Juliette Binoche wird 50: Direkt, komplex und nonkonformistisch

Juliette Binoche gibt sich nicht mit Halbheiten zufrieden. Im Beruf ist sie Perfektionistin. „Als Schauspielerin gebe ich mich ganz der Rolle hin“, wiederholt die attraktive Französin mit den sanften Rehaugen in ihren Interviews.

Und im Privatleben sucht sie nach einem Ideal von Liebe. „Eine glückliche Ehe setzt viel Reife voraus. Vielleicht ist es deshalb sinnvoll, erst mit 40 zu heiraten, und nicht vorher“, antwortet die Pariserin gern auf die Frage, ob sie an die Liebe glaube. Am Sonntag (9. März) wird „La Binoche“, so ihr Spitzname in ihrem Heimatland, 50 Jahre alt - unverheiratet und vielfach ausgezeichnet.

Mit „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ schaffte sie 1988 den internationalen Durchbruch. Die Liste der Nominierungen und Preise ist mittlerweile lang. Zu den Krönungen gehören der Oscar für die beste Nebenrolle 1997 in „Der englische Patient“, dem sie auch einen Silbernen Bären zu verdanken hat, der César für die beste Hauptdarstellerin in „Drei Farben: Blau“, eine Goldene Palme für „Die Liebesfälscher“ und gleich drei Europäische Filmpreise, unter anderem für „Die Liebenden von Pont-Neuf“ als beste Darstellerin.

Das Streben nach komplexen Rollen und nach Grenzerfahrung hat sich ausgezahlt. Mit mehr als 45 Kassenhits und Kinoexperimenten gehört Binoche zu den Großen des französischen Kinos. Sie kann es sich leisten, einem Steven Spielberg gleich mehrmals einen Korb zu geben. Ihr gefalle das Frauenbild des US-amerikanischen Regisseurs nicht, gestand sie vor etwas mehr als zwei Jahren der „Frankfurter Rundschau“. „Die Geschichte ist bei ihm immer nur um den männlichen Helden aufgebaut und die Frau ergänzt ihn nur. Das ist mir zu platt. Das habe ich ihm auch direkt ins Gesicht gesagt.“

„La Binoche“ ist eigenwillig, anspruchsvoll und komplex - so wie ihre Filme. In dem Liebesdrama „Der englische Patient“ spielt sie eine Lazarettschwester, auf der ein Fluch zu liegen scheint: Jeder, der ihr nahesteht, stirbt. In „Die Liebenden von Pont-Neuf“ verkörpert sie eine erblindende Malerin, in die sich ein junger Clochard verliebt. Und in „Drei Farben: Blau“ übernimmt sie die Rolle von Julie, die einen Verkehrsunfall überlebt, bei dem ihr Mann und ihre einzige Tochter ums Leben kommen. „Cosmopolis“, „Die Liebesfälscher“, „Das bessere Leben“, „Caché“ und „Code: unbekannt“, beide von Michael Haneke, sowie „Camille Claudel“ aus dem Jahr 2013 sind nur einige der Filme, in denen sie sich mit komplexen und problembeladenen Stoffen auseinandersetzt.

Schwierige Zeiten hat die Schauspielerin auch persönlich erlebt, wie sie der Zeitung „Die Welt” in einem ungewöhnlich offenen Interview erzählte. Als Kind habe sie sehr unter der Scheidung ihrer Eltern - beide waren Schauspieler - und der Erziehung im Internat gelitten, in das man sie steckte. „Ich fühlte mich nur glücklich, wenn ich im Schulhof irgendwelche Rollen nachspielen konnte. Das Reich der Fantasie war mein einziger Fluchtpunkt“, sagte sie. Aus diesem Grund sei sie wahrscheinlich Schauspielerin geworden.

In ihren Filmen kommen deshalb auch immer Themen ihres Lebens vor, wie das Heiraten. „Vielleicht habe ich zu viel Märchen gelesen, aber heiraten wollte ich schon immer“, sagte sie weiter. Warum sie es nie getan habe? Aus Angst vor dem gesetzten, bürgerlichen Leben als Paar, das sie für langweilig und gefährlich hält, lautet die Antwort. Und so ist Binoche auch mit 50 Jahren noch unverheiratet, jedoch Mutter eines 20-jährigen Sohnes und einer 13-jährigen Tochter - beide aus verschiedenen Beziehungen.

(dpa)