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Berlin: Joachim Hunold: Mit sechs schon in der Bütt

Berlin : Joachim Hunold: Mit sechs schon in der Bütt

Der Kandidat für den „Orden wider den tierischen Ernst” ist etwas zu früh an diesem Morgen im Berliner Gaffelhaus angekommen. Joachim Hunold schreitet zur Anprobe. Passt diese rote Narrenkappe auf seinen fast kahlen Kopf?

Das ist ja wichtig, das ihm die Sache nicht über den Kopf wächst. Schon manchem Politiker hat der Aachener Karnevalsverein mit einer schön gedrechselten Begründung einen bütt-tauglichen Humor angedichtet. Die designierten Ordensleute haben das Lob ritterlich entgegengenommen - um dann bei nächster Gelegenheit das Gegenteil eindrucksvoll zu beweisen.

Diesmal könnte die Ordensverleihung am 3. Februar durchaus charmant ablaufen, die Narrenkappe passt dem Chef und Gründer von Air Berlin nicht nur. Er fühlt sich auch wohl mit der ungewohnten Bedeckung, schließlich kennt er sich aus in dem Metier. Mit sechs Jahren hat er bei der Abschlussfeier im Kindergarten seine erste Büttenrede gehalten. Er kann sie bis heute noch aufsagen, demonstriert er auf Nachfrage.

Inzwischen hat Hunold eine exakt 50-jährige Büttenpause eingelegt, er fühlt sich dennoch gerüstet für das Karnevalsabenteuer. Er ist Mitglied der Gerresheimer Bürgerwehr, ist dem Karneval - häufig auch als Sponsor - in Düsseldorf zugetan. „Ich habe spontan zugesagt, als das unerwartete Angebot gekommen ist.” Nicht einmal bei seiner Frau hat er nachgefragt. Später erzählt er im kleinen Kreis, als die Fernsehkameras abgebaut sind, wie er sich auf die Rede, seine Büttenrede, freut. Es ist die nächste Herausforderung in einer Biographie, in der viele solcher Momente zu finden sind.

Die Wahrheit sagen

„Im Karneval darf man die Wahrheit sagen, wenn auch verklausuliert”, deutet Hunold an. Bislang nutzt er primär sein Bordmagazin für seine Meinung. Im Editorial folgt quartalsweise seine pointierte Sicht der Dinge; jetzt darf er sich vor „hoffentlich sechs Millionen Fernseh-Zuschauern” (AKV-Präsident Dieter Bischoff) äußern.

„Der Mensch muss sich entscheiden, ob er den Mund hält, oder das Wort. Joachim Hunold hält nie seinen Mund und immer sein Wort”, sagt Bischoff. Das ist dann auch ein Aspekt der Preisbegründung. Der andere: Hunold mag zwar Gewerkschafter so gerne wie den Aschermittwoch, „aber wir haben eine sehr familiäre Atmosphäre im Unternehmen. Wir sind keine Firma wie jeder andere, wir haben ein Wir-Gefühl”.

Von Hunolds Humor überzeugt, lässt die AKV-Jury nach Wendelin Wiedeking (2003) zum zweiten Male einen Wirtschaftskapitän ans Ruder. Die Laudatio wird Vorjahrsritter Friedrich Merz halten.

Vor ein paar Monaten hat Hunold aus der Hand des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz erhalten. Den Orden schätze er noch etwas höher ein, sagt er im Kreis der närrischen Delegation aus Aachen. Diese populäre Auszeichnung sei anders, mache ihn „einfach nur stolz”.

Der Düsseldorfer mit Arbeitsplatz in Berlin muss nur einige Formalitäten üben. Jahrzehntelang geübter „Helau”-Rufer, muss er nun das muntere dreifache „Oche Alaaf” noch eingeübt werden, bis er den Narrenkäfig betreten wird. „Das fällt mir nicht schwer. Schwierig wäre es nur, wenn es um das Kölner Alaaf gehen würde.”

Späte Landung

Die Ordenssitzung wird sich naturgemäß mit der Fliegerei beschäftigen, das ist auch schon das einzige Detail, mit dem der AKV im Hochsommer herausrückt. „Wir werden abheben”, kündigt der Präsident an. Die Landung könnte sich durchaus verschieben.

„Feste arbeiten und Feste feiern”, ist ein kleines Lebensmotto von Hunold, was dazu führt, dass der Chef regelmäßig das Licht bei den eigenen Betriebsfesten ausmacht. Das könne durchaus auch am 3. Februar im Eurogress so sein, grinst der 57. Ordensritter.