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Bochum: Internetambulanz: Online-Spiele und Cybersex sind häufige Themen

Bochum : Internetambulanz: Online-Spiele und Cybersex sind häufige Themen

Online-Spiele und Cybersex zählen nach den Erfahrungen der Medienambulanz für Computersüchtige zu den größten Suchtgefahren im Internet. Am meisten betroffen von der Internetsucht sind demnach Jugendliche und junge Männer, die in Online-Spielen den Helden mimten, den sie im realen Leben nicht darstellen.

„Unendliche Spielwelten, viele Mitspieler und Aufstiegsmöglichkeiten bergen einen hohen Suchtfaktor”, sagte der Leiter der Ambulanz, Dr. Bert te Wildt, der Deutschen Presse-Agentur. Das zweitgrößte Klientel machten Männer aus, die süchtig nach Cybersex sind. Die dritte Gruppe bildeten Frauen, die sich von sozialen Medien abhängig machen.

Die Medienambulanz für Computersüchtige in Bochum gibt es mittlerweile seit fünf Jahre. Jährlich lassen sich Hunderte Patienten online oder ambulant von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum behandeln. Träger ist der kommunale Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Die vor einem Jahr freigeschaltete Onlineambulanz (OASIS), die als Einstieg einen Selbsttest anbietet, hat bislang rund 15.000 Nutzer registriert.

„Die Patienten, die sich aus Angst oder Scham in Ambulanzen wie unserer nicht vorstellen können, können erst einmal unseren Online-Ambulanz-Service nutzen (OASIS)”, betont te Wildt. „Wer den Selbsttest gemacht hat und die Kriterien erfüllt, kann einen Account erstellen und einen Online-Sprechstundentermin wählen.” Dann sprechen Therapeuten per Webcam über ein spezielles Programm mit Betroffenen, bevor es zu einem möglichen direkten Zusammentreffen kommt.

„Der erste Patient, den ich bei OASIS gesehen habe, war ein Student mit Cybersexsucht”, berichtet te Wildt. Der 23-Jährige habe erklärt: „Mir war schon länger bewusst, dass mein Internetnutzungsverhalten problematisch ist - hatte bisher jedoch immer Hemmungen mich mit diesem Problem an einen Fachmann zu wenden. Letztlich hat mich die anfängliche Anonymität und Distanz zum Therapeuten überzeugt, dem Programm eine Chance zu geben - und ich habe tatsächlich in nur wenigen Sitzungen gelernt, einen besseren Zugang zu meinem Problem zu finden.”

Experten schätzen die Zahl der Internetabhängigen in Deutschland auf etwa eine halbe Million Menschen. Die Medienambulanz an der Bochumer Uniklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zählt zu den wenigen Angeboten in Deutschland, die auch über ein telemedizinisches Angebot verfügt.

Darüber hinaus gibt es die Netpiloten (BZGA), ein interaktives Beratungsforum für Jugendliche, und die Online-Selbsthilfegruppe Webcare (HLS). Die Bochumer Medienambulanz berät junge Menschen unter anderem auch auf der jährlichen Messe Gamescom in Köln.

(dpa)