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Oldenburg: Integrationslotsen sollen Zuwanderern bei der Eingewöhnung helfen

Oldenburg : Integrationslotsen sollen Zuwanderern bei der Eingewöhnung helfen

Seit 34 Jahren lebt Hatice Genc in Deutschland, sie ist hier geboren und aufgewachsen. „Ich fühle mich hier zu Hause”, sagt die zierliche Frau, deren Eltern als Gastarbeiter aus der Türkei in die Bundesrepublik kamen. Genc spricht fließend Deutsch und ist ein Musterbeispiel für die gelungene Integration von Ausländern.

Nun ist sie eine von zwölf Frauen, die sich derzeit in Oldenburg zu Integrationslotsen ausbilden lassen. Nach dem Ende des Kurses sollen sie beispielsweise Zuwanderern helfen, sich in der fremden Umgebung zu orientieren. „Ich hab´s geschafft, ich möchte, dass es andere auch schaffen”, sagt Genc.

Am Donnerstag hatten sich die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf eine gemeinsame Strategie für die bessere Integration von Ausländern geeinigt. Es sei zum ersten Mal gelungen, dass sich Bund, Länder und Kommunen in diesem Bereich auf gemeinsame Strategien verständigen, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU).

Auch Merkel spricht von einer einmaligen Art der Zusammenarbeit. Der nun beschlossene nationale Integrationsplan sieht etwa eine bessere Sprachförderung vor. Dafür wollen die Länder nun auch mehr Geld in die Hand nehmen. So unterstützt das Land Niedersachsen die Integrationslotsenprogramme in diesem Jahr mit 500.000 Euro.

Oldenburg ist die zweite Stadt in Niedersachsen nach Osnabrück, die Integrationslotsen ausbildet. Viele weitere Städte planen ähnliche Projekte. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) lobt das Programm: „Alle, die neu zu uns kommen, müssen ein Stück weit an die Hand genommen und begleitet werden.” Dabei würden diejenigen, die selbst auf eine positive Integrationsleistung verweisen könnten, als Brückenbauer gebraucht.

Achim Scholz von der Volkshochschule (VHS) organisiert den Oldenburger Kurs. 48 Stunden sind insgesamt bis Juli vorgesehen, mit maximal 3400 Euro aus Fördergeldern des Landes kann Scholz rechnen. „Unterstützen, vermitteln, begleiten”, umschreibt er das Konzept des Lehrgangs. Integrationslotsen sollen zusätzlich zu hauptamtlichen Mitarbeitern von Behörden oder sozialen Projekten helfen, Ängste bei zugezogenen Ausländern abzubauen.

„Migranten haben Angst wegen der Sprache, Deutsche wegen der fremden Kultur”, erklärt „Schülerin” Afsaneh Farahani aus dem Iran. So wollen die Lotsen schließlich auch zu einem besseren Verständnis und Miteinander von Ausländern und Deutschen beitragen. In ihrem Kurs gelingt das den Frauen ohne Probleme - sie kommen aus acht verschiedenen Ländern, zwei Deutsche sind auch dabei.

Nach dem Kurs sollen die Teilnehmerinnen in das Netzwerk der Stadt Oldenburg eingebunden und je nach Bedarf und Gelegenheit vermittelt werden - etwa als Übersetzer. Ein wichtiges Einsatzgebiet sind Schulen, wo häufig Sprachprobleme und mangelndes kulturelles Wissen die Kommunikation zwischen Schülern, Lehrern und Eltern erschweren.

Hier ist vor allem die ältere Generation in den Fokus der angehenden Lotsinnen geraten. „Die Eltern trauen sich oft nicht, zur Schule zu kommen aus Angst, wegen ihrer Sprachprobleme ausgelacht zu werden”, sagt Kursteilnehmerin Katharina Weindok aus Polen. „Vielleicht trauen sie uns mehr, da wir ihren Hintergrund besser kennen.” Und für VHS-Mann Scholz ist die Betreuung der Eltern gar von zentraler Bedeutung: „Die Aufklärung, Unterstützung und Bildung der Eltern stärkt auch die Kinder.”

Nur Männer können sich bisher nicht allzu sehr für die Kurse begeistern. „Sie sehen sich in erster Linie als Familienernährer”, sagt Afsaneh Farahani. „Bisher ist es nicht gelungen, ihnen ein anderes Rollenverständnis zu vermitteln.” Nun überlegt Scholz, durch handwerkliche Projekte auch die Männer zum Kursbesuch zu ermuntern.