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Düsseldorf: Innenminister: Polizei hatte vor Mafia-Morden keine Hinweise

Düsseldorf : Innenminister: Polizei hatte vor Mafia-Morden keine Hinweise

Vor dem sechsfachen Mafia-Mord von Duisburg hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen nach Angaben von Innenminister Ingo Wolf (FDP) keine Anhaltspunkte für die Bluttat gehabt.

Ferner habe es keinen Hinweis gegeben, dass eines der späteren Opfer im Dezember 2006 an einem Mord in Italien beteiligt gewesen sein könnte. „Erst recht lag kein Haftbefehl gegen einen der getöteten Männer vor. Dies steht zweifelsfrei fest”, sagte Wolf am Donnerstag in einer Sitzung des Innenausschusses des Düsseldorfer Landtags. Bei dem Mordanschlag vor einer Duisburger Pizzeria waren in der vergangenen Woche sechs Italiener erschossen worden.

Um künftige Gefahren durch die italienische Mafia in Deutschland zuverlässig einschätzen zu können, sei es zu früh, sagte Landeskriminaldirektor Rolf Behrendt. „Das können wir erst sagen, wenn wir wissen, was hinter dem Verbrechen steckt und wer die Täter waren.” Die SPD warf dem Innenminister vor, er informiere die Bevölkerung nicht ausreichend und lasse sie über mögliche Gefahren im Unklaren. Für die kommende Woche beantragte die Fraktion eine Sondersitzung des Innenausschusses, in der offene Fragen beantwortet werden sollten.

Nach Ansicht des innenpolitischen Sprechers der SPD-Fraktion, Karsten Rudolph, gab es Probleme bei der Kommunikation der deutschen und italienischen Behörden. „Hier liegt offensichtlich ein Organisationsversagen vor”, meinte Rudolph. Dagegen sagte Wolf, die Zusammenarbeit habe reibungslos funktioniert.

„Bereits am Tattag sind die ersten italienischen Ermittler eingetroffen”, betonte er. Inzwischen arbeiteten insgesamt 122 Beamte an der Aufklärung des Verbrechens. Dabei würden sie von sieben italienischen Ermittlern sowie von Spezialisten des Landes- und Bundeskriminalamtes unterstützt.

Unterdessen warnte der Bund Deutscher Kriminalbeamter vor Parteiengezänk. „Die Mafia-Morde dürfen nicht zu den üblichen parteipolitischen Auseinandersetzungen, wie wir sie aus dem Terrorismusbereich kennen, führen”, sagte der Landesvorsitzende Wilfried Albishausen.

Am Donnerstag hat in Italien die Beisetzungszeremonie für zwei der sechs Opfer begonnen. Die Leichen der Brüder trafen am Morgen in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria ein und wurden sofort in die Kirche des Ortes Siderno gebracht, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. „Wer diese schrecklichen Taten begangen hat, der muss Reue zeigen”, sagte ein Pfarrer.

Drei weitere Opfer wurden nach Rom überführt und sollen mit drei Leichenwagen nach Kalabrien gefahren werden. Sie werden auf Anweisung der Stadtverwaltung von Reggio Calabria unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und ohne anschließenden Trauerzug beigesetzt. Ein weiteres Opfer - ein 18-Jähriger, der als einziger nicht zu dem kalabrischen Familienclan der übrigen Opfer zählte - soll am Freitag in Mülheim/Ruhr beerdigt werden.