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Dortmund: Im „Graceland von Aplerbeck”: Dachwohnung als Roy-Black-Museum

Dortmund : Im „Graceland von Aplerbeck”: Dachwohnung als Roy-Black-Museum

Die unscheinbare Siedlung von Einfamilienhäusern im ländlichen Dortmunder Stadtteil Aplerbeck ist eigentlich nicht für eine Erwähnung in einem Stadtführer geeignet.

Dass sie dennoch dort auftaucht, ist dem Ehepaar Irmgard und Friedhelm Tiemann und vor allem Roy Black zu verdanken. Der Schlagersänger, der am 25. Januar 65 Jahre alt geworden wäre, hat bei den Tiemanns immer wieder privat Station gemacht. Zum Andenken an den 1991 im Alter von 48 Jahren verstorbenen Künstler haben sie ein Museum in ihrem Haus geschaffen.

Im Dortmunder Stadtführer wird es in Anlehnung an das Anwesen von Elvis Presley als „Graceland von Aplerbeck” beworben. Das Museum ist eine Dachgeschosswohnung im Haus der Tiemanns, in der Roy Black fast 20 Jahre lang in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen für einige Tage wohnte - zumeist, wenn ihn seine Auftritte in die Nähe führten.

Seit Roy Blacks Tod haben die Tiemanns das 70 Quadratmeter große Apartment, dessen Einrichtung überwiegend aus den 70er Jahren stammt, unverändert gelassen: „Wir wollen das Andenken an Roy bewahren”, sagen beide.

Und so bewegt sich der Besucher durch die Räume, in denen Roy Black als Privatmensch offenbar bestens abschalten konnte: „Der Roy hatte hier seinen Rückzugsraum. Hier konnte er Roy Black ablegen und wieder zu Gerhard Höllerich werden”, sagt Friedhelm Tiemann. Gerhard Höllerich war der bürgerliche Name von Roy Black - und wie als Entsprechung dazu ist die Wohnung bescheiden eingerichtet.

Im Schlafzimmer steht ein Couchbett - bezogen, so als ob Roy Black vielleicht doch noch mal vorbeischaut. Im Wohnzimmer findet sich eine braune Sofagarnitur. Außerdem gibt es eine kleine Küche, in der Roy Black aber nur Kaffee kochte - gegessen hat er meist bei den Tiemanns. „Der Roy rief oft schon vorher an und fragte, was es gibt. Er war ein einfacher Mensch, sehr intelligent und sehr nachdenklich”, erinnert sich Friedhelm Tiemann.

Das Gefühl, dass ihr Idol hier mal ein und aus gegangen ist, zieht Fans von Roy Black von überall her an - im Vorjahr waren 334 Besucher da, wie Tiemann erzählt. Auf telefonische Anfrage öffnet das Ehepaar seine Pilgerstätte, die unglaublich viel Material über den Schlagerstar enthält - so viel, dass sie sogar die Nachbarwohnung noch zu ihrem Museum dazu nahmen.

Zu finden sind Roy Blacks Auszeichnungen wie seine letzte Goldene CD, Goldene und Silberne Löwen von RTL und die Goldene Stimmgabel. Dann natürlich Filmplakate, Filme, Tonbänder, Videoaufzeichnungen von TV-Sendungen, Starschnitt-Poster und unzählige Fotos an den Wänden sowie mehr als 50 dicke Ordner mit Artikeln über Roy Black.

Die Tiemanns besitzen auch viele persönliche Unterlagen wie etwa sämtliche Künstlerverträge, die Roy Black abgeschlossen hat: „Das hat er uns alles hinterlassen.” Dazu alltägliche Dinge wie Roy Blacks Hausanzug, seine Pfeife und seinen Füller - letzterer liegt auf einem kleinen Beistelltisch, auf dem auch eine Kerze steht: „Die zünden wir an seinem Todestag immer an”, sagt Irmgard Tiemann.

Die beiden lernten Roy Black bei einem Auftritt 1971 in Köln persönlich kennen - und irgendwie sprang der Funke wohl über. Im Jahr 1974 boten sie ihm dann die Dachgeschosswohnung an - mietfrei. „Wir waren all die Jahre gut befreundet”, fasst der 73-jährige Tiemann, der früher als Magazinverwalter beim Stahlriesen Hoesch in Dortmund gearbeitet hat, knapp zusammen. An den Wochenenden begleiteten sie Roy Black auch oft zu dessen Auftritten.

Von seinem Tod haben die Tiemanns denn auch damals mit als erste erfahren - mitten in der Nacht. „Seine Familie rief uns an. Wir waren über die Nachricht tief geschockt”, sagen beide. Drei Tage vorher sei „der Roy” noch bei ihnen gewesen. Gerüchte über einen angeblichen Selbstmord des herzkranken Sängers ärgern die Tiemanns heute noch: „Er hatte seinen Lebenswandel nicht seiner körperlichen Verfassung angepasst. Das hat ihn umgebracht”.

Das Andenken an Roy Black wollen die Tiemanns auch in den nächsten Jahren weiter in Ehren halten. Ein Buch über den Schlagerstar will Tiemann aber trotz des ganzen Materials, das er hat, nicht schreiben: „Es gab in der ganzen Zeit auch viele Sachen, die keinen was angehen. Darüber sagen wir nichts”, macht er klar, denn: „Wir verraten den Roy nicht.”