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Ulrich Tukur: „Ich glaube an Seelenverwandte“

Ulrich Tukur : „Ich glaube an Seelenverwandte“

Er gehört zu Deutschlands feinstem Schauspiel-Adel und liefert in der Scheidungskomödie „Und wer nimmt den Hund?“ ein Kabinettstück ab: Ulrich Tukur spielt den gelangweilten Ehemann Georg, der seine Gattin Doris (Martina Gedeck) für eine jüngere verlässt – was Doris sich nicht bieten lässt. Im Interview nennt Tukur sich einen Romantiker.

Im Herbst ist der Schauspieler wieder al „Tatort“-Kommissar Murot zu sehen, schon am Montag (29. Juni) läuft die Komödie „Und wer nimmt den Hund?“ im Fernsehen. Mit dem Film beginnt die „Sommerkino“-Reihe der ARD. Im Interview spricht der 62-jährige Tukur mit Cornelia Wystrichowski über Drehen im Corona-Modus und seinen nächsten „Tatort“.

Herr Tukur, sind sie froh, nach der Corona-bedingten Drehpause wieder vor der Kamera zu stehen?

Ulrich Tukur: Wer wäre es nicht? Es ist großartig, dass wenigstens der Film wieder funktioniert. Dramatisch ist nach wie vor die Lage des Theaters und der Konzertveranstalter.

Wie hinderlich sind die jetzt geltenden Regeln Maßnahmen bei den Dreharbeiten?

Tukur: Sie sind blödsinnig. Wir sind alle negativ getestet und müssen dieses absurde Theater täglich neu über uns ergehen lassen. Ich weiß nicht einmal, wie meine Maskenbildnerin aussieht.

Sie haben ja neuerdings wieder eine Wohnung in Berlin. Haben Sie den Lockdown in der Stadt verbracht?

Tukur: Ich lebe zum ersten Mal nach 1984 wieder in Berlin und bin gerade dabei, mir meine Collage der Stadt zusammenzubasteln. Herrlich ist das ganze Umland, das uns damals nicht zur Verfügung stand. Den Stillstand habe ich in Schöneberg erlebt, und ich war sehr an die Ruhe erinnert, die hier im Sommer vor 35 Jahren herrschte, als noch die Mauer stand und die Stadt am Tropf des Westens hing.

Vermissen Sie Venedig, wo Sie viele Jahre gelebt haben?

Tukur: Ich vermisse die Stadt, meine Freunde, das Meer und die Lagune. Aber ich bin auch heilfroh, dem bürokratischen Irrsinn Italiens entkommen zu sein.

Im Herbst läuft die neue Folge „Die Ferien des Monsieur Murot“. Wie geht es danach mit dem „Tatort“ aus Wiesbaden weiter?

Tukur: Der Tatort, dessen Titel an Jaques Tati erinnert, ist sehr schön geworden. Wieder etwas ganz besonderes. Und Martin Rauhaus schreibt gerade an einem Drehbuch für einen neuen „Tatort“, den Rainer Kaufmann im Spätherbst inszenieren wird.

Rainer Kaufmann hat auch den Film „Und wer nimmt den Hund?“ inszeniert, in dem die Ehe von Georg und Doris nach 25 Jahren scheitert. Was haben die zwei falsch gemacht?

Tukur: Sie haben nichts wirklich falsch gemacht. Eine Beziehung ist so sterblich wie der Körper eines Menschen, der eine Beziehung zu einem anderen unterhält. Nach langer Wegstrecke streben die Dinge der Auflösung entgegen. Man muss höllisch aufpassen und bewusst daran arbeiten, eine Ehe am Leben zu erhalten.

Glauben Sie an die ewige Liebe, sind Sie ein Romantiker?

Tukur: Ich glaube an Seelenverwandtschaft und daran, dass es zwei Menschen miteinander ein ganzes Leben gut aushalten können. Ich versuche gerade, den Beweis dafür anzutreten. Romantiker bin ich sowieso.

Der untreue Mann, die verlassene Frau – der Stoff des Films ist ein Klassiker. Was hat Sie daran gereizt?

Tukur: Die glänzenden Dialoge von Martin Rauhaus, die einfühlsame Regie von Rainer Kaufmann und meine wunderbare Kollegin Martina Gedeck als Partnerin. Ich kenne Martina schon lange. Wir sind wohl das, was man ein eingespieltes Team nennt.

Georg ist der Direktor eines Aquariums. Mögen Sie Fische?

Tukur: Fische mag ich sehr, am liebsten in der Bratpfanne. In Georgs Leben haben das Wasser, das Meer und die Quallen sicher eine tiefere Bedeutung. Es hat bestimmt einen Sinn, dass er sich mit der primitiven Meeresfauna beschäftigt und nicht mit Sport oder Kirchenmusik. Ich kann nur nicht sagen, welchen.