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Köln: Hinten kurz und vorne lang: Die Popper-Frisur ist zurück

Köln : Hinten kurz und vorne lang: Die Popper-Frisur ist zurück

Um frisurentechnisch im kommenden Winter im Trend zu liegen, muss sich niemand durch etliche Modezeitschriften wühlen. Der Blick in ein aktuelles Klatschmagazin reicht völlig aus: Denn das Maß aller Dinge in Sachen Haare bleibt Fußballer-Gattin und Ex-Spice-Girl Victoria Beckham - auch nach dem Umzug des Beckham-Paares in die USA.

„Ob man sie mag oder nicht: Die Beckhams setzen frisurentechnisch immer wieder die Trends”, sagt Simone Frieb, Frisurenexpertin aus Köln. Vor allem Victoria Beckham dient als Vorbild: Im vergangenen Winter verhalf sie dem Bob zu einem weltweiten Comeback. Und derzeit macht sie mit dem noch kürzeren „Tomboy” -Schnitt Furore.

„Nacken und Seiten sind dabei sehr, sehr kurz, wirken fast ausrasiert”, erklärt Stefanie Köhn, Friseurin aus Wetzlar und Präsidentin des Bundes Deutscher Haarformer (BDH) mit Sitz in Göttingen. „Am Oberkopf, insbesondere vorne, bleiben die Haare aber lang und fallen schräg in das Gesicht.” Eine Frisur, die perfekt zu Leggings, Röhrenjeans und Oversize-Pullovern passt - schließlich hat auch sie ihre Wurzeln in den achtziger Jahren. „Das erinnert schon sehr an die Popper-Frisuren”, sagt Köhn.

Popper-Schnitt ja, aber modernisiert - so beschreibt Martina Acht, Friseurweltmeisterin aus Offenbach, die neue Trendfrisur: „Damals fielen die Haare stumpf und schwer, heute werden sie fedrig geschnitten.” Und nicht nur bei den Frauen soll die überarbeitete Popper-Frisur das modische Highlight sein. Der Trendschnitt für Herren ist im Prinzip genau der gleiche.

„Das ist ein Unisex-Schnitt”, erklärt Stefanie Köhn. Bei den Männern werde das Ganze einfach noch ein bisschen kürzer gehalten. Mutige trauen sich an asymmetrische Vorderkopf-Partien heran. Starfriseur Markus Salm aus Bonn zum Beispiel lässt Männern das lange Deckhaar bis in die Augen hängen.

Als „progressiv-grafisch” beschreibt Franz-Josef Küveler, Artdirector des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks in Köln, den stark konturierten Schnitt - von den Frisuren-Experten als eine Weiterentwicklung des Pilzkopfes aus dem vergangenen Winter gesehen. „Ab einer mittleren Haarlänge bleiben die Ohren bedeckt, die Haare werden aber stark durchgestuft”, erklärt er. So wirke die Frisur leichter.

Egal ob Frau oder Mann - geschmacklich werden sich wohl die Geister am neuen Popper-Schnitt scheiden. Zudem passt er längst nicht zu jedem. „Am besten sieht er bei schlanken Frauen mit eher dreieckiger oder ovaler Gesichtsform aus”, sagt Stefanie Köhn. Bei runderen Gesichtern und Figuren rät sie zu einem Bob, der nach wie vor aktuell ist. „Der ist so variabel. Es gibt Varianten für jede Gesichtsform und für jeden Frauentyp.”

Küveler sieht unter anderem eine halblange Bob-Version im Trend, bei der die Haare auf den Schultern aufliegen dürfen. Dazu wird der Pony im Stil der sechziger Jahre rund geschnitten. Auch für Martina Acht ist der Sechziger-Retro-Trend auf dem Kopf noch längst nicht vorbei. „Der Bob bleibt der Hit, dazu kommen klassische Pagenschnitte.”

Den Pagenkopf machte einst die Schlagersängerin Mireille Matthieu populär. Die Varianten für 2007 und 2008 weisen aber nur noch eine entfernte Verwandtschaft auf. Damit der Schnitt weniger brav wirkt, wird zum Beispiel mit verschiedenen Ebenen gearbeitet. „Hinten kurz, nach vorne hin länger werdend - bis hin zur Kinnlänge”, beschreibt Acht die aktuellen Pagenschnitte.

Unbedingt gehört auch hier ein Pony dazu - und der darf extrem sein: „Er sieht fast aus wie zu kurz geschnitten, ist sehr exakt und kompakt”, sagt Simone Frieb. Der Friseurweltmeister Alexaner Seidel aus Dresden lässt den ultrakurzen Pony als zusätzlichen Effekt leicht schräg verlaufen. Wie ein Rahmen fügen sich die geometrisch geschnittenen Haare so um das Gesicht.

Weg vom Fenster sind in der kommenden Saison Frisuren, bei denen künstlich gelockt oder durch Toupieren Volumen vorgetäuscht wird. „Der Trend geht zu kleinen Köpfen - die Big-Hair-Nummer ist es einfach nicht mehr”, sagt Frieb. Auf die Spitze getrieben werde diese Entwicklung mit Frisuren, bei denen die Haare ganz glatt am Kopf zurückgegelt werden.

Bei langen Haaren sorgt das Spiel mit Accessoires für Abwechslung. „Die meisten Frauen wollen mal was anderes haben, trauen sich aber nicht, ihre langen Haare abzuschneiden”, weiß Frieb aus eigener Erfahrung. Schleifen und Bänder machen schon seit längerem an Kleidern und Röcken eine gute Figur - wieso also nicht auch auf den Köpfen, dachten sich offenbar die Friseure. Dazu kommen Haarreifen und Spangen, die durchaus kleine Luxusstücke sein dürfen. „Damit lässt sich ein frischer Wind ins Outfit bringen.”

Farblich dominiert auf den Winterköpfen die Natur, auch wenn ihr künstlich nachgeholfen wird: „Alles im natürlichen Braunbereich” sieht Franz-Josef Küveler als Trendtöne. Außerdem ist kühles Blond in dezenten Schattierungen angesagt. Stefanie Köhn sieht gedeckte, satte Farben vorn, die dem Haar Glanz und Schimmer verleihen. So kämen die scharf geschnittenen Konturen der Trendfrisuren am besten zur Geltung.

Harte Kontraste und farbliche Knalleffekte führen dagegen derzeit ins modische Abseits: „Frauen sehen nicht mehr aufgemotzt aus”, sagt Simone Frieb. „Es geht einfach um eine schöne Farbe, bei der man nicht sieht, dass gefärbt wurde.”