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Washington: „Hier spricht das FBI”: Stärkste Polizeimacht der Welt wird 100

Washington : „Hier spricht das FBI”: Stärkste Polizeimacht der Welt wird 100

Für Millionen von Babyboomern waren sie einst die großen Helden, mutig und unschlagbar: Jerry Cotton, der in den 1950er Jahren seine Karriere als New Yorker FBI-Agent in einer Heftchenserie begann, oder auch FBI-Inspektor Lewis Erskine, der neun Jahre lang in einer US-Fernsehserie Verbrecher das Fürchten lehrte.

Und wenn dann das berühmte „Hier spricht das FBI” zu hören war, wusste man: Die Welt ist in Ordnung, es geht den Bösen an den Kragen.

Am 26. Juli wird sie 100 - die stärkste Polizeimacht der Welt, die US-Bundeskriminalpolizei FBI, in vielen Filmen verherrlicht, aber immer wieder auch von negativen Schlagzeilen geplagt, wegen Schnüffeleien, Pannen und Versäumnissen. Aber zum Jubiläum ist Feiern angesagt, konzentriert sich die Behörde darauf, ihre Erfolge zu betonen und ihre reiche Geschichte der Verbrechensbekämpfung, tatsächlich oft stolz und auf jeden Fall schillernd.

Da war die Jagd auf Bonnie und Clyde, das wohl bekannteste Gangster-Duo aller US-Zeiten, auf den mörderischen Bankräuber John Dillinger und seine Bande, auf „Babyface” Nelson, „Pretty Boy” Floyd und den Entführer und Mörder des Lindbergh-Babys in den 30er Jahren. Es gab den „Unabomber” Theodore Kaczynski, der aus Technologiefeindlichkeit 17 Jahre lang (von 1978 bis 1995) Mitarbeiter von Universitäten und Airlines terrorisierte, und den Regierungshasser Timothy McVeigh, der 1995 das Bundesgebäude in Oklahoma in die Luft jagte und 168 Menschen tötete.

Bereits zwei Jahre davor, so heißt es auf einer FBI-Webseite, war der internationale Terrorismus „auf US-Boden angekommen” - in Form einer mächtigen Bombenexplosion in der Tiefgarage des New Yorker World Trade Centers. Das FBI fasst den mutmaßlichen Hauptdrahtzieher Ramsi Jussef und Mitverschwörer. Aber dann kommt achteinhalb Jahre später der 11. September, ein dunkler Tag besonders auch für das FBI, dem wie dem Geheimdienst CIA eklatante Fehler angelastet werden.

Die wechselvolle FBI-Geschichte begann mit einer kleinen Spezialeinheit von 34 Agenten, die der damalige Justizminister Charles J. Bonaparte am 26. Juli 1908 schuf. „Bureau of Investigation” - Büro für Ermittlungen - wurde die Gruppe zunächst genannt. Dann, 1935, kam das Wort „Federal” für Bundesbehörde hinzu. Heute hat das FBI gut 30.000 Mitarbeiter, etwa 12.000 davon sind Spezialagenten, das heißt Ermittler. Zuständig ist die Bundeskriminalpolizei mit ihrem Motto „Fidelity, Bravery, Integrity” (Treue, Mut, Integrität) für Verstöße gegen alle Bundesgesetze und für Verbrechen, in deren Zuge Staatsgrenzen innerhalb der USA überschritten werden. Die Bandbreite reicht von organisierter Kriminalität über Terrorismus, Spionage, Kidnapping, Banküberfällen und Verstößen gegen Kartellgesetze bis hin zu Hypothekenbetrügereien.

Bieten viele Teile der FBI-Geschichte den Stoff, aus dem die Heldenfilme sind, so gibt es eine Reihe von Kapiteln, über die man zum Jubiäum nicht gern spricht. Dazu gehören Jahre in der Amtszeit von Direktor Edgar Hoover (1924-1972), in denen im Zuge einer Jagd auf kommunistische „Staatsfeinde” unschuldige Bürger ausgespäht wurden, das FBI die Anti-Vietnamkriegsbewegung unterwanderte und sogar Präsidenten beschnüffelte. In die Kritik geriet das FBI auch wiederholt wegen unverhältnismäßiger Gewaltanwendung - etwa 1992 bei der Belagerung des Anwesens eines Rechtsextremisten in Ruby Ridge und dann ein Jahr später beim Sturm auf die Ranch der Davidianer-Sekte in Waco (Texas) mit 80 Todesopfern.

Auch die Liste von Versäumnissen und Pannen ist lang. So spionierte FBI-Topagent Robert Hansson 15 Jahre lang für Moskau, bevor er 2001 festgenommen wurde, und nach dem Bombenanschlag 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta verfolgte die Bundespolizei lange Zeit einen Unschuldigen. Am schwersten aber in der jüngsten Geschichte wiegen Vorwürfe, nach denen im FBI-Hauptquartier Hinweise auf die Pilotenausbildung späterer Attentäter vom 11. September 2001 ignoriert wurden. In Untersuchungen wurde dies auf langjähriges Mikromanagement mit dem Fehlen von jedem strategischen Weitblick zurückgeführt und auf mangelnde Kommunikation im „eigenen Laden” und mit dem Geheimdienst CIA. Schon zuvor war dem FBI völlige technische Überalterung trotz ausreichender Gelder angelastet worden.

Der 2001 berufene FBI-Direktor Robert Mueller hat inzwischen intensiv daran gearbeitet, diese Mängel zu beseitigen. Aber zugleich hat das FBI seit den Anschlägen 2001 auch mehr Vollmachten für Spähaktionen gegen Terrorverdächtige im eigenen Land erhalten. Und Bürgerrechtler zweifeln nicht daran, dass diese auch voll ausgeschöpft werden - ohne die Warnung: „Hier spricht das FBI.”