1. Panorama

Wolfsburg: Gewitter im Phaeno: Größte Blitzmaschine Europas vorgestellt

Wolfsburg : Gewitter im Phaeno: Größte Blitzmaschine Europas vorgestellt

Stündlich kracht und blitzt es im Wolfsburger Phaeno. Nicht der Klimawandel, sondern die größte Blitzmaschine Europas ist für das Spektakel verantwortlich.

„Ein Gewitter ist eines der erschreckendsten und faszinierendsten Naturschauspiele zugleich”, sagte Phaeno-Direktor Wolfgang Guthardt am Freitag bei der Vorstellung des „EnBW EnergyTowers”.

Der rund vier Meter hohe Transformator produziert mit lautem Knistern vor den Augen der Besucher mehrere Meter lange helle Blitze. Das Wolfsburger Wissenschaftsmuseum will spielerisch Einblicke in Naturphänomene wie Wind oder Feuer geben. Insgesamt gibt es mehr als 250 Experimentierstationen.

„Blitze suchen immer etwas, um sich entladen zu können”, erklärt Sascha Skorupka von der Firma Artewis in Hannover, die den „EnBW EnergyTower” baute. Im Phaeno können sie ihre Energie an langen Metallstangen loswerden. In der freien Natur bevorzugen sie hohe Gebäude oder Bäume - und können dabei ein Feuer verursachen. Da die Blitze Metall besonders anziehend finden, dienen Metallleitungen an vielen Gebäuden als Blitzableiter, an ihnen wird die Energie in die Erde geführt, wo sie sich ohne Schaden verteilt.

„Der TÜV war hier und hat alles geprüft. Das Leben der Besucher steht nicht auf dem Spiel”, verspricht Guthardt. Ein großmaschiges Drahtnetz hängt von der Decke und umschließt großflächig den Transformator. Dieser Faradayscher Käfig schützt das Publikum - sollte ein Blitz wider Erwarten keine der Stangen finden, würde sich die Energie in diesem Netz verlieren. Hauptbestandteile der Blitzmaschine sind zwei Spulen. Die eine sieht aus wie ein großer Korb aus dickem Kupferdraht und sitzt am Fuß der Maschine. Aus der Mitte des Korbes reckt sich die zweite Spule als meterhoher Zylinder in die Höhe.

„Auf dieser zweiten Spule haben fünf Menschen an zwei Tagen einen mehr als zwei Kilometer langen dünnen Kupferdraht gewickelt”, erklärte Skorupka. In diesen beiden Spulen kann eine Spannung von mehreren Millionen Volt erzeugt werden. Ganz oben am Kopf der Maschine sitzt ein dicker Ring, über den sich die Blitze entladen.

Mit der Blitzmaschine soll den Besuchern allerdings nicht nur das Naturschauspiel näher gebracht werden. Sie erinnert auch an den Erfinder Nikola Tesla. Der 1856 im heutigen Kroatien geborene Tesla hat mit seinen Ideen die Grundlagen für die Stromversorgung gelegt. 1884 war Tesla als Assistent von Thomas Alva Edison, dem Erfinder der Glühbirne, nach Amerika gegangen. Doch während Edison auf Gleichstrom setzte, beschäftigte sich Tesla mit Wechselstrom. Sein Traum war die drahtlose Energieübertragung. Dafür baute er einen Transformator wie er ähnlich jetzt in Wolfsburg steht.

Im Gegensatz zu Gleichstrom hat Wechselstrom beim Transport über längere Strecken keine nennenswerte Verluste. „Tesla haben wir zu verdanken, dass wir Strom aus Steckdosen bekommen”, erzählt Skorupka. Trotz seiner bahnbrechenden Erfindungen sei Tesla jedoch 1943 verarmt gestorben und bei vielen in Vergessenheit geraten.

Das künstliche Blitzgewitter wird noch bis Januar in Wolfsburg zu sehen sein. Vom 3. Oktober zeigt zudem eine Sonderausstellung mit 20 weiteren Exponaten eine Sonderausstellung zum Thema Energie. Die Blitzmaschine soll dann im Frühjahr 2008 auf Reisen gehen.