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Bethlehem: Getrübte Weihnachtsfreude in Bethlehem

Bethlehem : Getrübte Weihnachtsfreude in Bethlehem

Ausgerechnet in der Geburtsstadt von Jesus ist von Weihnachtsstimmung wenig zu spüren. Wer dieser Tage Bethlehem besucht, sieht kaum Weihnachtsschmuck. Statt Weihnachtslieder hört man vor allem viel Frust.

Der Stadt im Westjordanland mit rund 30.000 Einwohnern gehen die Christen aus. Während Christen 1967 noch 70 Prozent der Bevölkerung ausmachten, sind sie heute mit 15 Prozent in der Minderheit. Das Leben wird außerdem durch die israelische Sperranlage stark beeinträchtigt. Die bis zu acht Meter hohe Betonmauer, die Israel vom Westjordanland trennt, hat die Bewegungsfreiheit der Palästinenser deutlich eingeschränkt. Die Wirtschaft steckt in einer Dauerkrise.

Mit einem europäischen Pass sind die zehn Kilometer von Jerusalem nach Bethlehem kein wirkliches Problem. Bei der Sicherheitskontrolle an der Mauer werden Pilger und Besucher in der Regel schnell abgefertigt. Für die Einheimischen in Bethlehem sieht es allerdings anders aus. „Als Palästinenser ist Jerusalem für mich unerreichbar”, klagt ein Verkäufer am Weihnachtsmarkt nahe der Geburtskirche. Das israelische Militär hat für die Weihnachtstage wieder mehrere tausend Sondergenehmigungen versprochen, damit palästinensische Christen ihre Verwandten im israelischen Gebiet treffen können. Nach Kirchenangaben wurde in vorangegangenen Jahren ein Großteil der Anträge jedoch abgelehnt.

Die israelische Führung argumentiert, die Trennmauer habe dem jüdischen Staat deutlich mehr Sicherheit gebracht. In ihrer Weihnachtsbotschaft bemängeln die 13 Patriarchen und christlichen Führer des Heiligen Landes hingegen, die Anlage habe Bethlehem und andere Städte zu „großen Gefängnissen” gemacht, in denen die Bevölkerung unter „Arbeitslosigkeit, Armut und Frust” leide. Wegen des Besucherrückgangs seit Beginn des zweiten palästinensischen Volksaufstandes (Intifada) vor sieben Jahren und wegen des Baus der Sperranlage mussten in Bethlehem viele Geschäfte schließen. Die Arbeitslosenquote im touristischen Aushängeschild der Palästinensergebiete liegt heute nach palästinensischen Angaben bei 40 Prozent.

Das israelische Tourismusministerium erwartet über die Weihnachtsfeiertage 60.000 Pilger aus dem Ausland - vor allem in Bethlehem, Jerusalem und Nazareth. Vor einem Jahr waren es nur 40.000. Auch in der Geburtsstadt von Jesus sehe die Lage viel besser aus als in den Vorjahren, sagt der katholische Kustos des Heiligen Landes, Pierbattista Pizzaballa. „Der Nahost-Konflikt bleibt. Aber es gibt Ruhe und das ermutigt die Pilger.” Besuchermagnet ist wieder der Heiligabendgottesdienst in der Geburtskirche. Sie steht dort, wo der Gottessohn der Überlieferung nach geboren wurde.

Es kommen zwar wieder mehr Touristen. Doch seit dem Bau der israelischen Sperranlage bleiben sie lediglich nur wenige Stunden in Bethlehem. Sie würden deshalb dort weder essen noch einkaufen, beklagt die palästinensische Tourismusministerin Chouloud Deibes-Abu Dajeh. Auch die Abwanderung von Christen macht der parteilosen Ministerin Sorgen. Nach den Worten von Franziskanerpater Pizzaballa haben in nur fünf Jahren rund 3000 Christen die Stadt verlassen.

Viele Christen fühlen sich nicht nur eingesperrt, sondern beklagen auch einen zunehmenden islamistischen Druck. Pizzaballa sieht dennoch der Zukunft gelassen entgegen: „Unsere Gemeinden sind klein, aber kräftig. Zur Berufung der Christen im Heiligen Land gehört, in der Minderheit zu leben.”