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München: Gericht: Pumuckl darf eine Freundin haben

München : Gericht: Pumuckl darf eine Freundin haben

Nach mehr als 40 Jahren als Single darf sich Pumuckl nun doch noch Hoffnung auf eine Freundin machen. Das Münchner Landgericht entschied am Donnerstag im Urheberrechtsstreit zwischen der Erfinderin des rothaarigen Kobolds, Ellis Kaut, und der Pumuckl-Zeichnerin, Barbara von Johnson, zugunsten der Zeichnerin.

Johnson hatte Anfang März 2007 in Landshut zu einem Kindermalwettbewerb aufgerufen, bei dem eine Freundin für den Kobold gefunden werden sollte. Dem Gewinner winke die Teilnahme an einer privaten Hochzeit des Pumuckl in Johnsons Atelier, hieß es zudem. Kaut sah dadurch ihr Urheberpersönlichkeitsrecht an der literarischen Figur verletzt und klagte.

Die Autorin kritisierte, Johnson wolle ihre Geschichte fortschreiben und die Figur des Pumuckl verpfuschen. Ein Kobold sei tendenziell geschlechtslos. „Ein Übertritt der Geschichte ins Sexuelle ist nicht drin”, wetterte sie in der ersten Verhandlung im April vergangenen Jahres. Doch das Landgericht befand nun, der Malwettbewerb sei nicht zu beanstanden. Johnson habe mit dem Wettbewerb weder Urheberschaft an der literarischen Figur des Pumuckl in Anspruch genommen noch Kauts Werk entstellt.

Die persönlich zur Verhandlung erschienene Zeichnerin sagte nach der Urteilsverkündung: „Der Pumuckl freut sich.” Die 65-jährige Künstlerin gab außerdem bekannt, für weitere „konstruktive und kreative” Projekte rund um die Abenteuer des Klabauters bereitzustehen. Sie wolle den Anhängern des Kobolds gemeinsam mit Kaut eine „wunderbare Zukunft” bieten. Mit ihrer 87-jährigen Prozessgegnerin verbinde sie menschlich nach wie vor eine „große Freundschaft”, innerhalb derer es aber auch Meinungsverschiedenheiten gebe.

Trotz der erbitterten juristischen Auseinandersetzung hatten sich die beiden Damen noch während des Prozesses zum Kaffeetrinken getroffen. Johnson betonte, sie habe sich nie in Kauts Autorenleistung einmischen wollen. Ziel des Wettbewerbs sei lediglich gewesen, die Kinder zum Mitmachen zu animieren. Dabei seien „wunderschöne, hinreißende Arbeiten entstanden”. Dass die Auseinandersetzung solche Dimensionen annehme und bundesweit Schlagzeilen produziere, hatte die Zeichnerin nicht für möglich gehalten.

Bereits vor vier Jahren hatten Kaut und Johnson eine Fehde vor Gericht ausgetragen. Die Richter entschieden damals, dass der Pumuckl zwei Mütter hat. Neben der Autorin stehe Johnson als „optischer Mutter” eine Beteiligung an den Rechten des Klabautermanns zu - und damit auch an den Verwertungsmöglichkeiten im Merchandising-Bereich.