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München: Gericht entscheidet: Darf Pumuckl heiraten?

München : Gericht entscheidet: Darf Pumuckl heiraten?

Tag des Schicksals für den rothaarigen Kobold Pumuckl: An diesem Donnerstag wird sich entscheiden, ob der aus dem Fernsehen bekannte Kinderliebling eine Freundin haben und heiraten darf - oder nicht. Das Landgericht München wird dann über einen Rechtsstreit zwischen der Erfinderin des Kobolds, Ellis Kraut, und seiner ehemaligen Zeichnerin, Barbara von Johnson, urteilen.

Die beiden Pumuckl- „Mütter” tragen seit Jahren ihre Zwistigkeiten um die Rechte an dem Kobold vor Gericht aus. Kaut hatte den Pumuckl und seine Geschichten vor 43 Jahren erfunden, Johnson verlieh ihm damals die unverwechselbare Gestalt mit den roten Haaren und den übergroßen Händen und Füßen.

Schon vor vier Wochen war das Gericht zusammengetreten, sah sich dann aber außer Stande, sofort eine Entscheidung zu treffen. Die Abwägung zwischen Kunst- und Meinungsfreiheit der Zeichnerin und Urheberpersönlichkeitsrecht der Autorin sei zu schwierig, um gleich ein Urteil zu sprechen, erklärte der Vorsitzende Richter Konrad Retzer im April nach knapp eineinhalbstündiger Verhandlung.

Hintergrund des neuen „Mütter” -Krieges ist ein Auftritt Johnsons in einem Münchner Lokalsender im vergangenen März, bei dem sie einen Kindermalwettbewerb unter dem Motto „Eine Freundin für Pumuckl” unterstützte. Der Gewinner sollte an einer „Hochzeit” teilnehmen dürfen. Kaut jedoch sieht dadurch ihr Urheberpersönlichkeitsrecht verletzt und will Johnson untersagen lassen, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, die Zeichnerin habe Einfluss auf die weitere Entwicklung des Pumuckl.

„Pumuckl ist ein Nachfahre der Klabauter und somit ein Geistwesen - wie ein Engerl”, betont Kaut. „Engel werden nicht alt, heiraten nicht und zeugen keine Kinder.” Der tatsächliche Streitpunkt sei aber ein anderer. „Es geht nicht darum, ob der Pumuckl ein Mann wird, es geht nicht um die Potenz vom Pumuckl.” Vielmehr greife die Zeichnerin unzulässig in das literarische Werk ein. „Genauso wenig wie ich berechtigt wäre, in eine Zeichnung von ihr einen blauen Punkt oder eine Strich zu malen, genauso wenig darf sie in meine Arbeit eingreifen oder sie fortführen”, argumentiert Kaut. Außerdem sehe die ganze Sache aus wie eine Werbeaktion für die Zeichnerin. „Meiner Meinung nach wurde mit der Pumuckeline geworben.”

Johnsons Anwalt argumentiert hingegen, die Zeichnerin müsse sich schließlich mit ihrer eigenen Figur auseinandersetzen dürfen. Außerdem sei Pumuckl schon einmal verliebt gewesen, und noch dazu sei er ein Urenkel der Klabauter - und bei denen gebe es gemäß dem Dichter Christian Morgenstern Klabautermann, Klabauterfrau und Klabauterkind. „Ich weiß nicht, ob man dann sagen darf: Er darf sich mit dem anderen Geschlecht gar nicht befassen.”

Jedenfalls aber erlebt Pumuckl durch den Streit eine ungeheure Renaissance. „Ich habe Fanpost bekommen wie schon lange nicht mehr”, sagt Kaut. Es seien aber keineswegs Kinder, sondern vielmehr die diejenigen, die mit Pumuckl aufgewachsen seien und jetzt selbst Kinder hätten. „Und die Leute sind viel wütender als ich!”

Die Richter am Landgericht stehen vor einer schweren Aufgabe. Nicht auszudenken, was eine Liebesaffäre des Pumuckl für weitere schwierige Fragen mit möglicherweise erneuten rechtlichen Verwicklungen nach sich ziehen könnte. Da käme dann womöglich irgendwann die Frage, ob ein Kobold Vater werden kann, ob er auch der echte Vater ist und wie man bei Kobolden notfalls Vaterschaftstests vornimmt.

Für Kaut ist eine Pumuckeline ohnehin „dramaturgisch störend”. Sollte sie vorm Landgericht unterliegen, geht der Rechtsstreit in eine weitere Runde. „Ich gebe so schnell nicht auf. Ich will mir das auf keinen Fall gefallen lassen.”