1. Panorama

Düsseldorf: Gefälschte Engel und wertvolle Luftmatratzen: Kuriose Streitfälle

Düsseldorf : Gefälschte Engel und wertvolle Luftmatratzen: Kuriose Streitfälle

Auch in diesem Jahr haben sich die Gerichte in Nordrhein-Westfalen mit etlichen ungewöhnlichen und kuriosen Verfahren befasst. So konnten die Benediktinermönche des Klosters Maria Laach bei Bonn beim Streit um einen Engel erfolgreich den irdischen Beistand von Justitia bemühen.

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf hat eine Bleigießerei aus Kevelaer unberechtigt eine Engelsfigur kopiert, die seit 1999 von den Benediktinermönchen mit großem Erfolg in ihrem Kloster verkauft wird. Nun muss die Bleigießerei Schadenersatz in noch nicht bekannter Höhe zahlen.

Weniger erfolgreich war die Klage einer angeheirateten Gräfin gegen ihre Streichung aus dem deutschen Adelshandbuch. Nach Auffassung des Bonner Landgerichts hat die Frau bürgerlicher Herkunft nach ihrer Scheidung von einem Grafen keinen Anspruch mehr, in dem Standardwerk des deutschen Adels vertreten zu sein. Auch auf die geforderte Entschädigung in Höhe von 20.000 Euro musste die gekränkte Klägerin verzichten.

Pech hatte auch ein 84 Jahre alter Mann aus Blankenheim, der vor dem Aachener Landgericht Schmerzensgeld und Schadenersatz nach einem kuriosen Unfall in einer Autowaschstraße gefordert hatte. Der Kläger hatte sein Auto zunächst wie üblich in die Waschanlage eingefahren und dann verlassen. Als der Waschvorgang bereits begonnen hatte, drängte der Mann unvermittelt zur Tür seines Autos und wollte einsteigen. Dabei wurde er von den Bürsten zwischen Fahrertür und Karosserie eingeklemmt und leicht verletzt. Selber schuld, befanden die Aachener Richter und sprachen den Betreiber der Waschanlage vor jeglichen Ansprüchen frei.

Erfolgreicher war ein Kläger, den die Fluggesellschaft British Airways wegen angeblich zu strengen Körpergeruchs am Flughafen von Hawaii zurückgelassen hatte. Andere Fluggäste hatten sich vehement über den völlig verschwitzten Passagier beschwert. Daraufhin musste er sich ein frisches Hemd besorgen und konnte erst mit einer späteren Maschine die Rückreise nach Deutschland antreten. So geht es nicht, befand das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf und sprach dem Kläger 260 Euro Schadenersatz zu.

Den verbotenen Biss in eine Fleischwurst hat ein Kölner Amtsrichter mit 40 Sozialstunden geahndet. Der 30-jährige Angeklagte konnte in einem Supermarkt der Versuchung nicht widerstehen und biss herzhaft in das 1,89 Euro teure Stück Wurst. Der Hinweis des Übeltäters, dass die Wurst kurz vor dem Verfallsdatum gestanden habe, stimmte den Richter nicht milder.

Mit einem Vergleich beendete das Oberlandesgericht (OLG) Köln der Rechtsstreit um eine blaue Luftmatratze. Darauf hatten die Künstler Martin Kippenberger (1953-1997) und Albert Oehlens eine als „Psychogramm” bezeichnete Aufschrift („Ich” - „Es”) sowie zwei Fotos aufgebracht. Auf ihnen sind die Künstler mit Sonnenbrillen und weit herausgestreckten Zungen zu sehen. Das Kunstwerk aus dem Besitz einer Kunstprofessorin war beim beklagten Galeristen abhanden gekommen, der dafür 15.000 Euro Schadenersatz zahlen muss. Vielleicht schwimmt die Luftmatratze jetzt auf einem Teich in Köln, und ein kleines Kind hat seine Freude daran, spekulierte der Vorsitzende Richter.

Flexibilität bewies einer seiner Kollegen am Landgericht Münster. Er schickte vom Krankenhausbett aus einen 19-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Der Angeklagte hatte bei einem Streit einen 31-Jährigen durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt. Der Richter war wenige Tage vor dem Urteilsspruch operiert worden und konnte noch nicht transportiert werden. Ohne die Urteilsverkündung im Krankenhaus wäre der mehrtägige Prozess geplatzt und hätte komplett neu aufgerollt werden müssen.