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Frankfurt a.M: Geburtstagsparty in Entenhausen: Micky Maus wird 80

Frankfurt a.M : Geburtstagsparty in Entenhausen: Micky Maus wird 80

Als der kleine Micky im Zeichentrickfilm „Steamboat Willie” am 18. November 1928 das Licht der Comic-Welt erblickte, hat wohl niemand gedacht, dass aus ihm einmal die berühmteste Maus der Welt werden würde.

Jetzt gibt es für Minnie, Goofy, Pluto und die anderen Bewohner der Comicmetropole Entenhausen Grund für eine Riesenparty: Micky Maus wird 80 Jahre alt. Das dürfte sich selbst Erz-Rivale Kater Karlo nicht entgehen lassen. Der in Köln ansässige Ehapa-Verlag jedenfalls hat dem Star schon einmal mit einem 110-seitigen Sonderband gratuliert.

Seit „Steamboat Willie” - übrigens der erste mit Ton synchronisierte Zeichentrickfilm - eroberte Micky Maus die Comicwelt im Sturm. Geschaffen haben ihn Walt Disney und Zeichner Ub Iwerk. Innerhalb weniger Monate entstanden zahlreiche Cartoons und Filme, und 1929 startete Disney sein extrem erfolgreiches Merchandising mit der Figur. Fortan wurden Millionen verdient mit Micky-Maus-Lizenzprodukten.

Es dauerte nur ein Jahr, bis der erste Zeitungs-Strip mit Micky in den USA erschien. Und in Deutschland zierte Micky Maus bereits am 27. Dezember 1930 die Titelseite der „Kölnischen Illustrierten Zeitung”. Die Abenteuer schrieb Walt Disney zunächst selbst, als Zeichner war Win Smith auf Iwerk gefolgt. Doch als Smith kündigte, brauchte Disney Ersatz: Ab 1930 kam Micky schließlich aus der Feder von Floyd Gottfredson. Er zeichnete und schrieb bis 1975 Geschichten aus Entenhausen. Gottfredson war es, der die Gestalt zu dem denkwürdigen Abenteurer entwickelte, den Millionen von Lesern seit den 30er Jahren lieben.

Sein Micky repräsentierte den gewöhnlichen Menschen, ausgestattet aber mit moralischen und menschlichen Werten, Optimismus und einer harmlosen Abenteuerlust. Er wurde mit tödlichen Gefahren, korrupten Angestellten und bösen Schurken konfrontiert - was in den Augen von Kritikern das Bedürfnis des Lesers unterstützte, seine eigenen Schwierigkeiten und die oft elende wirtschaftliche Situation jener Jahre zu meistern. Micky erlebte spannende Abenteuer in aller Welt. 1931 wurde mit „Mickys Waisen” erstmals ein Disney-Film für den Oscar nominiert, und 1932 erhielt Disney sogar den Ehren-Oscar für die Erschaffung der Micky Maus. Zwischen 1936 und 1942 bewährte sich Micky als Bergsteiger, Polospieler, Zauberer oder Elchjäger. 1938 glänzte der Mäuserich in einer wunderschönen Geschichte als „das tapfere Schneiderlein”.

Das war auch das Jahr, in dem Micky ein runderes Gesicht und ausdrucksvollere Augen bekam. Das Schwarz wurde durch Weiß ersetzt, und Micky erhielt Pupillen. Wie andere Disney-Comic-Helden wie Donald Duck oder Pluto hatte auch Micky Maus im Zweiten Weltkrieg seinen militärischen Einsatz im Sinne der US-Propaganda und musste die Vereinigten Staaten verteidigen. Micky flog unter anderem als Bomberpilot über das damalige Nazi-Deutschland, mit dem Satz: „Lass mich sehen, ich hoffe, ich habe keine Stadt vergessen...”.

Zwei Jahre nach Kriegsende gab es eine neue Stimme für Micky Maus. Bis zum Film „Micky und die Kletterbohne”, in dem er versucht, den Riesen Willie zu überlisten, hatte Walt Disney selbst den Mäuserich gesprochen. 1953 schließlich drehte Disney mit „Die einfachen Dinge” den letzten Film mit Micky für die nächsten 30 Jahre. 1983 dann kam „Mickys Weihnachtserzählung” in Anlehnung an die klassische Erzählung „Christmas Carol” von Charles Dickens in die Kinos.

In den Comic-Heften in den 70er und 80er Jahren zeigte Micky allerdings eine - in den Augen seiner Fans unerfreuliche - Neigung zu Spießigkeit und Besserwisserei. Auf wenig Gegenliebe stießen etwa die Geschichten, in denen er als Philip Marlowe die Straßen Entenhausens sicherer zu machen versuchte.

Seine Reise über die Leinwände und Fernsehschirme, durch die Zeitungen und Comics dieser Welt haben ihm keine Zeit zum Älterwerden gelassen. Micky geht auch mit 80 noch mit Goofy und Pluto zum Angeln und jagt mit dem unverwüstlichen Kommissar Hunter nach dem Schwarzen Phantom.

Einen Schreck wird er allerdings bekommen haben, als vor wenigen Wochen ein saudi-arabischer Prediger die Scharia dafür bemühte, die Ausrottung aller Mäuse zu fordern. „Das gilt für lebende Mäuse genauso wie für die berühmte Comic-Maus. Sie alle sind Soldaten des Satans”, so Scheich Mohammed al-Munadschid. Er appellierte an die muslimischen Eltern, ihre Kinder keine Micky-Maus-Filme anschauen zu lassen.

Dabei tut Micky gern Gutes und bleibt damit meist Sieger - ganz im Sinne der US-amerikanisch geprägten Moral von Walt Disney. Und mit Dauerfreundin Minnie verbindet ihn auch nach acht Jahrzehnten nicht mehr als eine platonische Liebe.