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Hamburg: Ganz schön eitel: Der deutsche Mann ist gerne lang im Badezimmer

Hamburg : Ganz schön eitel: Der deutsche Mann ist gerne lang im Badezimmer

Deutsche Männer sind nach einer britischen Studie in Europa Spitze, wenn es um die Körperpflege geht. Im Vergleich mit beispielsweise Franzosen, Italienern oder Briten verbringen sie die meiste Zeit im Badezimmer: 24 Minuten am Tag.

Die Durchschnittszeit in Europa soll hingegen bei nur 16 Minuten liegen. Das hat der „European Grooming Report” (Europäischer Körperpflege-Bericht) herausgefunden - eine repräsentative Untersuchung des britischen Marktforschungsunternehmens Tpoll für den Kosmetik- und Rasiererhersteller Gillette. In zwölf Ländern wurden dafür etwa 12.000 Interviews mit Männern und Frauen geführt.

Der deutsche Mann, das unbekannte Wesen. Die Vorurteile über ihn sind nicht gerade schmeichelhaft. Sie haben oft noch mit Bierbauch und vernachlässigtem Äußeren zu tun. Doch jüngeren Männern hierzulande ist es eigentlich ganz und gar nicht fremd, sich länger im Spiegel zu betrachten, für eine bessere Figur ins Fitnessstudio zu gehen oder in Kalorien und Kilogramm zu denken.

„Früher galt: Falten machen Frauen alt, Männer aber interessant. So einfach ist das heute nicht mehr”, sagt der Geschäftsführer des Verbandes der Vertriebsfirmen kosmetischer Erzeugnisse (VKE), Martin Ruppmann. Spätestens die Nach-68er-Männer hätten Berührungsängste mit Kosmetika, die lange Zeit als rein weiblich galten, verloren.

Das „Räubern bei den Hautpflegeprodukten der Frau oder Freundin” sei passé, meint Ruppmann. Männer gingen zunehmend in Drogerien oder Parfümerien und kauften sich ihre After- Shaves oder Gesichtscremes selbst. „Männer leben ihren kleinen persönlichen Luxus im Bad. Sie reagieren damit auf Anforderungen im Berufsleben. Auch der Mann muss heute gepflegt und souverän aussehen.”

Laut Untersuchung gibt es in Deutschland ein zwiespältiges Verhältnis zur Männerbehaarung. Überdurchschnittlich viele Frauen (19 Prozent) finden es hierzulande zum Beispiel gut, wenn sich der Mann die Brust rasiert. Im Europa-Durchschnitt sind es nur etwa elf Prozent.

Außerdem machen sich deutsche Frauen, so wie sonst nur die Niederländerinnen, Gedanken über die Behaarung eines Mannes unterhalb der Gürtellinie. So wünschen sich hierzulande angeblich 27 Prozent, dass der Mann die Haare im Intimbereich entfernt. Europaweit ist das hingegen weniger beliebt, wenn man Frauen fragt (15 Prozent).

Andererseits fand die Studie auch heraus, dass Deutschland „Schnäuzer-Land” ist. Der Oberlippenbart ist hierzulande so beliebt wie sonst nirgends in Europa. Prominente Männer wie Schauspieler Götz George; Literaturnobelpreisträger Günter Grass oder Handball-Bundestrainer Heiner Brand stehen demnach für ein Massenphänomen: Jede zehnte deutsche Frau mag Schnäuzer, und jeder zehnte Mann trägt auch einen.