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München: Fußball-Star Franck Ribéry als König Ludwig II. drohen Konsequenzen

München : Fußball-Star Franck Ribéry als König Ludwig II. drohen Konsequenzen

„Bayern hat wieder einen König” - das steht in großen Lettern auf einem Werbeplakat am Baugerüst der Münchner Theatinerkirche. Das überlebensgroße Motiv zeigt den FC-Bayern-Neuzugang Franck Ribéry als Wiedergeburt von König Ludwig II. Einen blauen Hermelinmantel über dem Fußballtrikot, reckt Ribéry eine gelbe Eckfahne wie ein Zepter in die Höhe und hat dabei den Mund zum Schrei geöffnet.

Das Bild ist einer berühmten Darstellung König Ludwigs auf einem historischen Gemälde nachempfunden. „Für echte Königstreue ist das eine Provokation und Verunglimpfung”, empört sich der Geheimbund der Guglmänner. Es sei „eine Geschmacklosigkeit”, wofür König Ludwig II. immer wieder herhalten müsse. Mit amerikanischen Fußballschuhen - der Auftraggeber des Plakats ist die Sportfirma Nike - habe der bayerische Monarch nun wirklich nichts zu tun.

Auf der anderen Seite zeige die Auswahl des Motivs aber auch: „Es gibt eine große Sehnsucht des bayerischen Volkes nach einer Königsfigur”, betont der Sprecher des Geheimbunds im ddp-Interview. „Ob das allerdings der Ribéry sein muss, das weiß ich nicht. Schließlich haben wir mit Franz Beckenbauer schon einen Kaiser, der sich den Titel verdient hat.”

Auch der Rektor der Theatinerkirche, an deren Fassade das Werbeplakat nun einen Monat lang prangt, ist aufgewühlt. „So ganz nach unserem Geschmack ist das nicht”, sagt Dominikanerpater Klaus Obermeier im ddp-Interview. Aber die Werbefirma habe auf diesem Motiv bestanden. Die Erlaubnis zum Aufhängen des Plakats hat das staatliche Hofbauamt gegeben. Die Einnahmen fließen in die Restaurierung der vom früheren bayerischen Königshaus, den Wittelsbachern, 1688 erbauten prachtvollen Barockkirche am Odeonsplatz.

„Das königliche Haus ist über das Motiv vielleicht nicht ganz erfreut”, räumt Pater Klaus ein. Schließlich liegen neben zahlreichen weiteren hochrangigen Wittelsbachern in dem Gotteshaus auch die sterblichen Überreste von Max I. Josef, dem ersten bayerischen König, begraben. „Herzog Franz dürfte nicht ganz so glücklich über die Werbung mit seinem Vorfahren sein”, mutmaßt der Dominikanermönch, der sich selbst eine gewisse Mitverantwortung für die zweifelhafte Aktion gibt.

„Ich wurde vorher schon gefragt, wer an unserer Kirche Werbung machen darf. Aber in die Details war ich nicht eingeweiht.” Ein Trost sei für ihn, dass das Plakat nicht direkt vor der Grabstelle von König Ludwig II. hängt. „Der König wurde in der Michaelskirche beigesetzt, der kriegt das jetzt nicht mit”, sagt Pater Klaus.

Die Guglmänner halten es hingegen durchaus für möglich, dass der König aus dem Jenseits reagiert. Einige Zeitgenossen, die nach dem mysteriösen Tod Ludwig II. im Jahre 1886 über den Monarchen herzogen und sein Gedenken verunglimpften, seien dem Wahnsinn verfallen oder erblindet: „Die Leute von Nike und Franck Ribéry sollten vorsichtig sein, dass nicht auch sie der Fluch des Königs trifft.” Bei 25 Millionen Euro Ablösesumme, die der FC Bayern für Ribéry bezahlt hat, dürften die Vereinsverantwortlichen sehnlichst auf königliche Milde hoffen.