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Berlin: Furioser Neubeginn für „Star Trek”

Berlin : Furioser Neubeginn für „Star Trek”

Nach Superman, Batman und Wolverine gönnt Hollywood nun auch der Besatzung des Raumschiffs Enterprise einen frischen Start. 30 Jahre nach ihrem ersten Ausflug ins Kino kehren Captain James T. Kirk und Commander Spock auf die Leinwand zurück.

Regisseur J.J. Abrams wagt in dem simpel „Star Trek” betitelten elften Film der Reihe einen radikalen Neubeginn und erzählt von der Jugend und ersten Mission der intergalaktischen Abenteurer.

Vergessen sind die Toupets und dicken Bäuche aus der Ära William Shatners oder die peinliche Hochzeit im vorherigen Kinofilm „Star Trek: Nemesis”: Der Schöpfer der Erfolgsserie „Lost” schenkt den Fans eine Enterprise für das 21. Jahrhundert. Nie war die Besatzung so jung und sexy und die Spezialeffekte endlich dem Schauplatz im 23. Jahrhundert angemessen. Gänzlich kappt Abrams die Verbindung zum Erbe Gene Roddenberrys aber nicht und hat Ur-Spock Leonard Nimoy für einen Gastauftritt gewonnen.

Die Begegnung des 78-Jährigen mit seinem 31 Jahre alten Nachfolger Zachary Quinto ermöglichen die Drehbuchautoren Alex Kurtzman und Roberto Orci („Transformers”) durch eine Zeitreise.

Sie wird ausgelöst durch den Romulaner Nero (Eric Bana), der aus der Zukunft kommend Spocks Heimatplaneten Vulkan vernichten will. Beim Kampf gegen Nero wird der erste Captain der Enterprise gefangen genommen und Kadett Kirk (Chris Pine) darf zum ersten Mal das Kommando über das Schiff übernehmen.

Keine Hilfe ist ihm dabei zunächst Spock. Der erste Vulkanier in der Sternenflotte kämpft mit den von seiner Mutter vererbten menschlichen Gefühlen, die auch zu einer ungewöhnlichen Romanze führen. Als jedoch sein Alter Ego aus der Zukunft in den Kampf eingreift, muss Spock seinen Platz an Bord der Enterprise finden.

Zu ihrem 40. Geburtstag schien dem Raumschiff Enterprise endgültig der Treibstoff ausgegangen zu sein. „Star Trek: Nemesis” hatte 2003 gerade mal etwas mehr als das Budget von 60 Millionen US-Dollar eingespielt.

Zwei Jahre später wurde die bislang letzte Fernsehserie „Star Trek: Enterprise” wegen enttäuschender Quoten eingestellt und der seit 1966 angesammelte Fundus vom Auktionshaus Christies versteigert.

Wie groß die Fanbasis jedoch immer noch ist, beweisen die jedes Wochenende irgendwo auf der Welt veranstalteten Conventions. Für diese Anhänger und auch Nicht-Fans ist die Neuerfindung ein wahres Fest.

Falsche Scheu oder ideologische Nachbeterei des „Trek”-Kanons folgender Ereignisse sind Abrams fremd. Er entstaubt die Enterprise von der weißleuchtenden iPod-Version der Brücke über die schnittigen Uniformen bis hin zu den hervorragend besetzten Schauspielern, die ihren Vorgängern Referenz erweisen, ohne zu wandelnden Kopien zu verkommen.

Pine gelingt eine James-Dean-Version von Kirk, Quinto konnte die spartanische Mimik Spocks bereits als Bösewicht Sylar in der TV-Serie „Heroes” einstudieren. Karl Urban gibt überzeugend den stets angesäuerten Doktor Leonard „Pille” McCoy, Sulu (John Cho) und Chekov (Anton Yelchin) bekommen ihre Heldenmomente und Uhura (Zoe Saldana) endlich ihren langgehüteten Vornamen. Einziger Wermutstropfen ist die späte Ankunft des von Vollblutkomiker Simon Pegg verkörperten Technikers Scotty auf der Enterprise.

Auch Eric Bana bekommt als Bösewicht kaum Gelegenheit, zu glänzen.

In ersten Reaktionen feierten Fans den neuen „Star Trek” bereits als besten Film der Reihe seit „Star Trek II: Der Zorn des Khan” (1982). Noch hält sich Abrams mit Blick auf eine Fortsetzung bedeckt. Die Schauspieler sind aber bereits für einen weiteren Film verpflichtet.

(„Star Trek”, Science Fiction, USA 2009, 126 Minuten, FSK: 12, Regie: J.J. Abrams, Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Eric Bana, Karl Urban, Zoe Saldana, Simon Pegg, Leonard Nimoy u.a.) Kinostart: 7. Mai 2009