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Northeim/Braunschweig: Führerschein-Affäre: Fußballprofis müssen nicht mit Anklage rechnen

Northeim/Braunschweig : Führerschein-Affäre: Fußballprofis müssen nicht mit Anklage rechnen

Mehrere dutzend ausländische Fußball-Profis, die ihre deutschen Führerscheine auf fragwürdige Weise erhalten haben sollen, müssen nicht mit Anklagen rechnen.

In den monatelangen Ermittlungen habe sich gegen keinen der Spieler ein Anfangsverdacht wegen Bestechung ergeben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Joachim Geyer, am Freitag.

Die Verfahren unter anderem gegen einen Fahrlehrer aus dem Landkreis Northeim und drei TÜV-Mitarbeiter, die den Spielern illegal zu den Lizenzen verholfen haben sollen, stünden aber vor dem Abschluss. Die „Bild”-Zeitung hatte berichtet, dass der Untersuchungsbericht der Ermittler vorliege.

Bekanntgeworden war die Führerschein-Affäre bereits im Dezember 2006. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Fahrlehrer, einen Regionalleiter des TÜV in Südniedersachsen und zwei Fahrprüfer. Ende 2007 rückten zusätzlich ein Optiker und ein Mitarbeiter eines Wohlfahrtsverbandes ins Visier der Ermittler. Der eine soll nicht vorgenommene Sehtests, der andere nicht abgeleistete Erst-Hilfe-Kurse bescheinigt haben.

Der Fahrlehrer soll im Zusammenspiel mit den TÜV-Mitarbeitern dafür gesorgt haben, dass die vor allem aus Südamerika stammenden Fußballer ohne echte Prüfungen ihre Fahrlizenzen erhielten. Zum Teil sollen die Fußballer auch unter der Anschrift des Fahrlehrers gemeldet gewesen sein.

Nicht EU-Ausländer müssen in Deutschland eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen, bevor ihre im Heimatland erworbenen Führerscheine umgeschrieben werden. Außerdem müssen sie einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren und einen Seh-Test bestehen.

Es seien Dutzende Spieler als Zeugen angehört worden, sagte Geyer. Darunter befänden sich Nationalspieler aus der Bundesliga, aber auch Akteure aus den zweiten und dritten Ligen. In verschiedenen Medien kursierende Namen von Spielern oder Vereinen wollte der Staatsanwalt nicht bestätigen.

Der vorläufige Abschlussbericht der Polizei liege jetzt vor, sagte Geyer. Derzeit hätten die Anwälte der sechs Beschuldigten Akteneinsicht. Bis zu einer Entscheidung der Staatsanwaltschaft über mögliche Anklagen könnten noch mehrere Wochen vergehen.