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Frankfurt/Düsseldorf: Frauen treiben Fußballboom an: Ein Viertel im Stadion weiblich

Frankfurt/Düsseldorf : Frauen treiben Fußballboom an: Ein Viertel im Stadion weiblich

Ausgerechnet die Frauen machen aus der einstigen Männer-Domäne Fußball eine Wachstumsbranche. „Die Treiber des Fußballbooms in Deutschland sind die Frauen”, betonte Hartmut Zastrow, Vorstand des Marktforschungs-Unternehmens „Sport+Markt”, nach einer Erhebung unter 1000 sportinteressierten Bundesbürgern.

Die Zahl der weiblichen Fußball-Fans hat sich im Vergleich zum Beginn der 90er Jahre mehr als verdoppelt. Mittlerweile gibt es laut der Studie 12,5 Millionen davon, 1991 waren es noch 5,9.

„Fast ein Viertel der Stadionbesucher von Erstligaspielen sind heute Frauen”, erläuterte Zastrow. Vor 13 Jahren lag die Quote noch bei zehn Prozent, in der Saison 2007/2008 betrug der Frauen-Anteil in den Arenen 23 Prozent. Laut Zastrow werde die Wirtschaftskraft der weiblichen Fans erheblich unterschätzt. „Die Erstligavereine haben in der Saison 2007/08 über 100 Millionen Euro durch Frauen und Mädchen eingenommen.”

Die Summe setze sich zusammen aus Ausgaben für Tickets, Essen und Trinken sowie Merchandising. „Frauen sind ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor im deutschen Fußball.” Gleichzeitig werde dies in der Sport-Berichterstattung kaum berücksichtigt. „Wo ist das Angebot der TV-Sender für die fußballinteressierte Frau?”

Bei der Europameisterschaft in diesem Sommer saßen nach Angaben von „Sport+Markt” sogar mehr Frauen bei den Spielen der deutschen Mannschaft vor dem Fernseher als Männer. „Wachstum im deutschen Fußball geht fast nur noch über die Frauen”, erklärte Zastrow. Bei Jungen und Männern sei die Begeisterung im Grunde „ausgereizt”.

Der Marketing-Experte sieht es als „realistisches Ziel” an, eine gleiche Fußball-Begeisterung bei den Frauen wie bei den Männern zu schaffen. Die Gründe: „Fußball ist sicherer und gesellschaftsfähig geworden. Zudem fallen tradierte Rollenvorstellungen à la „Jungs spielen Fußball und Mädchen mit Puppen” immer mehr weg”, so Zastrow.

Klar überschätzt werde jedoch der „Popstar-Effekt”. Sicher würden viele weibliche Anhänger für Profis wie Cristiano Ronaldo oder David Beckham schwärmen wie für Sänger oder Schauspieler. Aber die meisten Frauen seien genauso leidenschaftliche Fußballfans wie Männer.

Die Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland bietet nach Ansicht Zastrows die große Chance zum Durchbruch der Frauen-Bundesliga, die momentan noch lange nicht an die Popularität der Nationalmannschaft um Rekordnationalspielerin Birgit Prinz herankommt.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) registriert schon seit Jahren die wachsende Bedeutung des Frauenfußballs. Die Zahl der weiblichen Vereinsmitglieder hat sich in den vergangenen 14 Jahren nahezu fast verdoppelt. 1994 waren 573 480 Frauen (Gesamt: 5,516 Millionen) im DFB organisiert. Inzwischen sind 1,002 von 6,564 Millionen Mitgliedern weiblich.

„Das sind sehr erfreuliche Zahlen. Dass so viele Mädchen und Frauen im Verein aktiv sind, beweist ihren seit Jahren steigenden Stellenwert. Für die WM 2011 sind das optimale Perspektiven. Ich bin überzeugt davon, dass sich der positive Trend durch die Frauen-WM in Deutschland auf breiter Ebene fortsetzen wird”, sagte die für den Mädchen- und Frauenfußball zuständige DFB- Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg.