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Berlin: Frauen auf dem Vormarsch: Zahl der Soldatinnen hat sich verdreifacht

Berlin : Frauen auf dem Vormarsch: Zahl der Soldatinnen hat sich verdreifacht

Frauen sind in der Bundeswehr auf dem Vormarsch. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Mittwoch in Berlin bestätigte, hat sich die Zahl der weiblichen Soldaten in den deutschen Streitkräften in den vergangenen Jahren mehr als verdreifacht.

Hat es vor sieben Jahren nur rund 4300 weibliche Berufs- und Zeitsoldaten gegeben, waren es 2007 durchschnittlich 14.400 von den insgesamt 190.000 Berufs- und Zeitsoldaten.

Die Bewerberlage sei nach wie vor gut, berichtete der Sprecher. Langfristig werde die anvisierte Frauenquote in der Bundeswehr von 15 Prozent erreicht. Frauen können erst seit 2001 in allen Bereichen der Armee arbeiten. Zuvor waren die Bewerbungen auf den Sanitäts- und Militärmusikdienst beschränkt.

Der frühere Bundesverteidigungsminister Georg Leber (SPD) hatte 1975 den Sanitätsdienst für die Frauen geöffnet. Sie durften aber den Dienst mit der Waffe in der Hand erst am 1. Januar 2001 antreten. Diese Möglichkeit hatte seinerzeit die Elektronikerin Tanja Kreil erstritten. Sie wollte sich nicht damit abfinden, dass Frauen in der Bundeswehr nur Aufgaben im Sanitätsdienst und bei den Musikern wahrnehmen konnten. Kreil zog vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) und „besiegte” die letzte Männerbastion, die den Dienst in Kampfeinheiten ausschließlich für das männliche Geschlecht vorsah.

Die EuGH-Richter erklärten das pauschale Verbot für „Frauen an der Waffe” für EU-rechtswidrig, weil der entsprechende Paragraf im deutschen Soldatengesetz die EU-Gleichstellungsrichtlinie verletze. Der EuGH betonte, der pauschale Ausschluss von fast allen Bundeswehrbereichen käme einem Berufsverbot für Frauen gleich.

Die Frauenverbände und verwiesen darauf, dass die Meinung, Frauen seien ausschließlich für die drei „Ks- Kinder, Küche, Kirche” zuständig, zum „alten Eisen” gehöre. Seitdem sind Frauen auch im Waffendienst nicht nur in Deutschland, sondern auch bei den Auslandseinsätzen auf dem Balkan, in Afghanistan und am Horn von Afrika vertreten.

Allerdings sind Soldatinnen in den oberen Diensträngen noch deutlich unterrepräsentiert. Im Generalsrang ist bei der Bundeswehr gegenwärtig nur eine einzige Frau vertreten. Erika Franke übernahm als Generalärztin am 1. April 2006 den Chefsessel des Bundeswehrkrankenhauses in Ulm. Vor ihr gab es schon einmal ein Generalin. Verena von Weymarn war ebenfalls als leitende Ärztin vor Jahren in der Bundeswehr tätig. Sie ist aber schon seit längerem pensioniert. Nur das „Kommando Spezialkräfte” (KSK) ist nach wie vor „frauenfrei”.

Frauen an den Waffen sind schon lange in den Streitkräften vieler Länder die Regel. In den USA werden sie sogar im Nahkampf ausgebildet. Doch sie an die vorderste Front zu schicken, scheut sich auch die US-Armee. Im Ernstfall hatte es mit weiblichen Soldaten oft im Kampfgeschehen Schwierigkeiten gegeben.

Es stellte sich heraus, dass die Männer in der Gefahrenlage einen Beschützerinstinkt für die Kameradinnen entwickelten und mehr darauf achteten, sie vor schlimmen Kriegsfolgen zu bewahren als genau die Befehle zu befolgen. Aus diesem Grund sei schon manche Einheit an den Rand der Kampfunfähigkeit geraten, ist in Militärberichten nachzulesen.