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Berlin: „Flatrate-Partys”: Trinken, bis der Arzt kommt

Berlin : „Flatrate-Partys”: Trinken, bis der Arzt kommt

„Heiße Flirts, süße Mädels, coole Barkeeper und alle Drinks inklusive”: Es ist Wochenende in Berlin, und mit diesen Worten lockt eine Disco das Partyvolk zur großen Flatrate-Party. Die Veranstaltung funktioniert ähnlich wie eine Internet-Flatrate. Am Eingang wird einmal pauschal gezahlt, und dann können alle Leistungen grenzenlos genutzt werden.

Der Unterschied: Bei der Alkohol-Flatrate kommt bisweilen noch eine deftige Nachforderung vom Krankenhaus. Für die Behandlung von Alkoholvergiftungen.

Die Partys mit der „Saufpauschale” ( „Berliner Zeitung” ) sind ein zunehmender Trend in Discotheken: Nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen deutschen Großstädten. Nachdem die jungen Leute 20 bis 30 Euro gezahlt haben, laben sich die Clubgänger an Tequila, Caipirinha und aufputschenden Wodka-Mischungen. Ohne Limit. Aufrechten Schrittes gehen die Wenigsten nach der Party in die Nacht hinaus. Wer nicht mehr laufen kann, wird getragen, manchmal schnurstracks in die nächste Ambulanz.

Experten warnen vor der Zunahme exzessiven Alkoholkonsums bei jungen Menschen. „Komasaufen ist in”, bestätigt Dagmar Schütze vom Berliner Landesverband der Suchtkrankenhilfe Blaues Kreuz. Auch privat treffen sich Jugendliche immer häufiger, um sich gezielt mit Hochprozentigem zu betrinken, wie Schütze beobachtet hat. Flatrate- Partys greifen diese Entwicklung auf. Mit Schleuderpreisen und „All you can drink” -Angeboten werden Jugendliche geködert, die Geschäftsidee beschert den Discos volle Häuser.

„Besonders problematisch sind die zeitlich begrenzten Flatrate- Partys, wo man 10 Euro zahlt und dann von 22 bis 0 Uhr frei trinken kann”, sagt Jakob Hein, Oberarzt in der Alkoholsprechstunde der Berliner Charite. Die Wirte könnten sich über frühzeitig gefüllte Discos freuen, aber die Jugendlichen würden zum schnellen, exzessiven Alkoholgenuss verleitet. „Man darf diese Art jugendlicher Muskelspiele nicht noch zusätzlich im öffentlichen Raum fördern”, kritisiert Hein.

Die Folge des Trends zum „Kampftrinken” ist eine steigende Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen. „In Berlin ist übermäßiger Alkoholkonsum bei Männern eine der häufigsten Diagnosen in den Ambulanzen, gerade Jugendliche werden immer öfter mit Vergiftungen eingeliefert”, berichtet der Suchtkoordinator des Bezirks Kreuzberg- Friedrichshain, Wolfgang Nitze.

Auch in anderen Städten ist das Problem bekannt. In Hannover stiegen nach Angaben der Techniker Krankenkasse von 2000 bis 2004 die Alkoholvergiftungen bei 15 bis 20-Jährigen um 63 Prozent. Jugendliche in Deutschland haben schon früh ihren ersten Rausch: Bundesweit liegt das Durchschnittsalter bei 15,5 Jahren, junge Berliner haben sich sogar schon mit 13 Jahren zum ersten Mal „abgeschossen”.

Während in den vergangenen Jahren der Alkoholgenuss bei Jugendlichen generell rückläufig war, sind Experten über die veränderten Trinkgewohnheiten beunruhigt: „Die jungen Leute, die Alkohol trinken, weisen zunehmend riskante Konsummuster auf. Es gibt eine verstärkte Tendenz zum „Binge Drinking”. Das bedeutet, dass bei einer Gelegenheit fünf oder mehr Gläser Alkohol konsumiert werden”, sagt Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

„Dieses Rauschtrinken ist bei den 16- bis 19-Jährigen am stärksten verbreitet, da in diesem Alter die Experimentierfreude und die Lust auf Grenzerfahrungen am größten ist”, erklärt Pott. Genau auf diese Altersgruppe zielen die Flatrate-Partys in erster Linie ab.