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London: „Feuerball” in U-Bahn: London will dem Terror trotzen

London : „Feuerball” in U-Bahn: London will dem Terror trotzen

Noch Stunden nach der Bombenexplosion in einer Londoner U-Bahn herrscht Ausnahmezustand an der Haltestelle Parsons Green. Die Straßenzüge um den oberirdischen Bahnhof im Zentrum der Metropole sind weiträumig abgesperrt, Hubschrauber kreisen am Himmel. Spürhunde suchen jeden Zentimeter vor dem Bahnhof ab. Für die Londoner sind solche Bilder schon fast traurige Routine.

Zum vierten Mal wird die britische Hauptstadt in diesem Jahr Ziel eines Anschlags. Gerade ist ein wenig Ruhe eingekehrt, da holt sie der Terror die britische Hauptstadt wieder ein: Eine selbst gemachte Bombe explodiert am Freitagmorgen um 8.20 Uhr zur Hauptverkehrszeit in einem U-Bahn-Waggon nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green. Die Station liegt im westlichen Zentrum der Millionenmetropole, nahe dem Stadion des Fußballclubs FC Chelsea. Mindestens 22 Menschen werden verletzt - und möglicherweise hatten sie dabei noch großes Glück.

In sozialen Netzwerken kursieren Fotos eines brennenden weißen Eimers, der in einer Supermarkttüte steckt. Die Bombe ist wahrscheinlich nicht wie geplant hochgegangen, spekulieren britische Medien unter Berufung auf Polizeikreise - sonst hätte es womöglich mehrere Todesopfer gegeben.

Premierministerin Theresa May berief den nationalen Krisenstab ein. Außenminister Boris Johnson rief die Briten auf, Ruhe zu bewahren.

Trotzdem war es heftig: Augenzeugen berichten von einem lauten Knall und einem „Feuerball” im Waggon. Viele Menschen erleiden Verbrennungen. Panik bricht aus, im Gedränge zu den Ausgängen spielen sich dramatische Szenen ab.

„Wir liefen die Treppen runter, und es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen”, sagt ein Mann namens Luke am dem Sender BBC5. Eine Frau namens Emma schildert: „Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren.”

Wer verantwortlich ist für den blutigen Anschlag, bleibt zunächst unklar. Die Suche nach dem Täter oder den Tätern läuft Hochtouren. Es gibt kaum eine Stadt, die so vollständig mit Videokameras überwacht wird, wie London. Dementsprechend sind sich viele Menschen sicher, dass die Verantwortlichen bald gefasst werden. Hunderte Beamte seien im Einsatz, um Videomaterial auszuwerten, Beweismittel sicherzustellen und mit Augenzeugen zu sprechen, versichert der Anti-Terror-Chef der Londoner Polizei Mark Rowley.

Anteilnahme von Angela Merkel

Doch es gibt auch Kritik: Londons Bürgermeister Sadiq Khan sieht Kürzungen im Haushalt mit als Grund für den Anstieg der Terroranschläge. „Es ist schlicht nicht möglich für eine globale Stadt wie London, seine Bürger, Besucher und Unternehmen zu beschützen, wenn die Regierung weiterhin Gelder kürzt.”

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte die Anteilnahme und Solidarität Deutschlands deutlich. „Unsere Gedanken sind natürlich bei den Verletzten”, sagte Merkel nach einem Gespräch mit dem französischen Premier Edouard Philippe in Berlin. Auch wenn die Hintergründe noch nicht bekannt seien, sei der Fall eine Bestärkung dafür, die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen islamistischen Terrorismus zu verstärken.

US-Präsident Donald Trump rief ebenfalls zu einem härteren Vorgehen gegen Extremisten auf. Terroristen wie die in London seien Verlierer („loser”), twitterte Trump. In einem zweiten Tweet schrieb Trump, das Internet sei das wichtigste Rekrutierungswerkzeug der Terroristen, das „abgeschnitten” werden müsse. Bei den Terroristen handle es sich um kranke und verrückte Leute, die die Polizei von Scotland Yard bereits im Auge gehabt habe. „Müssen proaktiv sein!”, schrieb Trump.

Die Londoner Polizei wies laut CNN die Behauptung Trumps als Spekulation zurück, ihnen seien der oder die Täter bekannt gewesen.

Bei Anschlägen in Großbritannien kamen seit Beginn des Jahres insgesamt 36 Menschen ums Leben. Fünf Menschen starben im März bei einem Angriff auf der Westminster-Brücke und dem Parlamentsgelände. Acht Tote war die Bilanz eines Anschlags auf der London-Bridge und dem Ausgehviertel Borough Market im Juni. Ein Mensch starb bei einem Angriff auf Gläubige vor einer Moschee, beim Bombenattentat auf ein Konzert in Manchester waren es 22 Menschen.

„Die Terroristen haben sich vorgenommen, uns zu töten, uns zu verletzten unseren Lebensstil zu zerstören”, sagt Khan. Und ergänzt trotzig, die Londoner ließen sich niemals vom Terror einschüchtern.

Und tatsächlich gibt es auch ermutigende Szenen. Der Pizzabäcker Teo Catino stellt am Freitag Tapeziertische in der Nähe des Anschlags auf und verteilt kostenlos Pizza und Getränke an Einsatzkräfte. Per Kurznachrichtendienst Twitter laden Menschen Betroffene zu Tee und Gebäck in ihre Wohnungen ein. Taxifahrer bieten kostenlos ihre Dienste an. „Wir müssen einfach weitermachen”, sagt ein Anwohner.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Anschlag: Mehr als 20 Verletzte nach Explosion in Londoner U-Bahn

(dpa)