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Gedenken in Ophoven: Feuer erinnert an Hochwasser vor einem Jahr

Gedenken in Ophoven : Feuer erinnert an Hochwasser vor einem Jahr

Ophoven erinnert sich mit einer Mahnwache an die Flut im letzten Jahr, als der Deich in Ohe brach. Einiges ist seitdem geschehen. Doch auch Schwachstellen wurden entdeckt.

Die ersten Feuerwehrleute waren schon früh vor Ort, um am Samstagabend das Gedenken an den Zeitpunkt vor genau einem Jahr vorzubereiten, als das kleine Dorf an der Rur geflutet wurde. Sie hatten ihre beiden roten Einsatzfahrzeuge mitgebracht auf die Bleek, den Rasenplatz mitten im Dorf, im Schatten von Wallfahrtskirche und ehemaliger Schule gelegen. Eines davon hatten sie sogar in ein kleines Kino verwandelt, mit Beamer und Leinwand an der Rückseite der offenen Ladefläche. Das mit dem Kino habe man erst am Vorabend geplant, erzählte Michael Driller, der stellvertretende Löschgruppenleiter.

Auch die Idee zu dem Gedenken vor Ort war erst wenige Tage alt. „Wir sind halt spontan“, lachte Reinhard Derichs. „Feuerwehr muss immer spontan sein. Einsätze kommen auch unverhofft.“ Doch trotz des kurzfristigen Aufrufs in den sozialen Medien kamen nach und nach Kameraden aus anderen Löschgruppen der Stadt, aus dem benachbarten Kempen, das ebenfalls nicht von der Flut verschont geblieben war, sowie einige Dorfbewohner.

 An den Moment, wo sich die Sandladung am Kreisverkehr der Flut ergab, erinnert sich Stefan Woltery noch ganz genau. Da wusste er, dass es um sein Dorf geschehen war.
An den Moment, wo sich die Sandladung am Kreisverkehr der Flut ergab, erinnert sich Stefan Woltery noch ganz genau. Da wusste er, dass es um sein Dorf geschehen war. Foto: Anna Petra Thomas

Alle hatten ihre gekühlten Getränke in Kühltaschen selbst mitgebracht, einige sogar ihre Picknick-Decken. Es ging in lockeren Gesprächen um den gerade glücklich verbrachten Urlaub, um die Baustelle in der alten Schule oder um die Kameraden, die in Mallorca verhaftet worden waren. Doch als dann um 18 Uhr auf der alten Schule die Sirene ging und die Ophovener Kameraden ein Mahnfeuer entzündeten, wurde es für kurze Zeit ganz still auf der Bleek. Alle hatten da wohl die Bilder vor Augen vom Wasser, das vor genau einem Jahr zur gleichen Uhrzeit über die Marienstraße Richtung Kirche ins Dorf geflossen war.

Viele Stunden hatten die Ophovener und viele freiwillige Helfer zuvor damit verbracht, ihren Damm hinter dem Sportplatz mit Sandsäcken zu verstärken und zu erhöhen. „Da haben wir gedacht, wir haben gewonnen, und dann kommt es durch die Hintertür!“, erinnert sich Löschgruppenführer Stefan Woltery an den Moment, als in Wassenberg-Ohe der Damm brach. Gegen 17 Uhr habe das Wasser am Kreisverkehr die Straße erreicht, die Richtung Wassenberg führt. „Wir haben noch versucht, uns mit einer Sandladung zu wehren“, zeigt er auf einem der ausgedruckten Fotos, die er mitgebracht. „Aber das Wasser trieb so stark, da war der Sand gleich weg.“ Erst sei das angrenzende Feld vor dem neuen Wohngebiet Am Ringofen vollgelaufen und dann habe sich das Wasser weiter den Weg über die Marienstraße gebahnt. Erst kurz vor der großen Trafostation an der alten Mühle konnte es durch unzählige Sandsäcke ausgebremst werden.

Rückblickend geht der Dank der Feuerwehrleute an all die vielen Kameraden von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk, die aus der Ferne nach Ophoven geeilt waren, um zu helfen. „Es hat alles gut funktioniert!“, zieht er heute ein positives Resümee zur Zusammenarbeit aller Beteiligten, wozu er natürlich auch die Kräfte des Bauhofs, des Wasserverbands oder andere freiwillige Helfer zählt.

„Aber unser Blick auf die Rur ist jetzt ein anderer“, sagt Ortsvorsteher Ingo Caron. Er könne verstehen, wenn viele jetzt vor ihrer eigenen Haustür versuchen würden, das Wasser der Rur fernzuhalten. Wichtiger sei jedoch, das Wasser aus dem gesamten Ort herauszuhalten, betont er. Lob findet auch er für den schnellen Wiederaufbau des Damms in Ohe und für die Beschaffung einer mehrere hundert Meter langen Rückhaltewand aus Kunststoff-L-Steinen durch die Stadt. Er hofft zudem weiter auf eine schnelle Verbesserung der Dammstruktur entlang der Rur um Ophoven insgesamt.

Aber auch den ober- und unterirdisch durch den Ort fließenden Baalbach haben die Ophovener jetzt nach den Mäharbeiten in den Blick genommen und festgestellt, dass hier dringend etwas getan werden muss. So haben sie dokumentiert, dass der Bachlauf an vielen Stellen inzwischen höher liegt als die Verrohrung, das Gefälle nicht mehr stimmt oder die Rohre mit Müll oder Bewuchs verstopft sind. Die 20 Seiten starke Mappe mit vielen Fotos wollen sie kurzfristig dem Wasserverband übergeben.