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München: Fahrräder sind wieder voll im Trend

München : Fahrräder sind wieder voll im Trend

Das Fahrrad ist wieder da. Angesichts hoher Benzinpreise, Lärm- und Feinstaubbelastung sowie steigenden Umwelt- und Fitness-Bewusstseins erlebt das Fortbewegungsmittel zurzeit eine Renaissance.

„Insgesamt ist der Radverkehr en vogue”, sagt Hans- Dieter Berg, der bayerische Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Die Fangemeinde wachse wieder ­ langsam, aber stetig. Bund, Länder und Kommunen investieren Millionen, um die Menschen aus dem bequemen Autositz auf den Sattel zu bewegen. Und erstmals seit Jahren verzeichnete 2008 auch die Wirtschaft wieder Zuwächse im Geschäft mit den Drahteseln.

„Wir stellen mit großer Freude und Erleichterung fest, dass in immer mehr Städten das Fahrrad und der Radverkehr entdeckt werden, um die Lebensqualität zu erhöhen, zu verbessern, lebenswerter zu machen”, sagt Berg. Nach Schätzung des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) sind bis zu 68 Millionen Fahrräder im Besitz der Bundesbürger. Die begehrtesten Modelle sind bei mehr als der Hälfte der Radler Trekkingräder und Citybikes. Dennoch scheint der Markt noch lange nicht gesättigt. „Bis zu 31 Millionen werden regelmäßig benutzt”, sagt ZIV-Geschäftsführer Rolf Lemberg. Der Rest friste sein Dasein in dunklen Kellern. Die Geschäfte liefen deshalb nach wie vor stabil.

Hoffnungen für die nächste Saison setzt die Branche in die Messe Bike Expo in München, bei der die Hersteller vom 23. bis 26. Juli ihre Neuheiten zeigen wollen. Ein schickes Bike gilt nach Einschätzung von Lemberg längst als Statussymbol. „Galt noch vor wenigen Jahren das PS-starke Auto als Ausdruck erfolgreicher und potenter Lebensgestaltung, so rückt das Fahrrad mehr und mehr in den Mittelpunkt.” Den Trend kurbeln auch Elektroräder wie Pedelecs und E- Bikes an.

Im Vergleich zu einigen Nachbarn tun sich die Deutschen allerdings mit dem Radeln immer noch schwer. In Dänemark beträgt der Radverkehrsanteil 18 Prozent, in den Niederlanden sogar 27 Prozent ­ im Autoland Deutschland liegt er hingegen nur bei 9 Prozent. Deshalb werden momentan viele Millionen Euro Fördermittel in die Hand genommen. Das Bundesverkehrsministerium fördert den Radverkehr nach eigenen Angaben jährlich mit rund 100 Millionen Euro. Mit 90 Millionen war der größte Teil davon für den Bau und Erhalt von Radwegen an Bundesstraßen vorgesehen.

Bamberg, Dortmund, Karlsruhe und Halle an der Saale wurden vom Bundesumweltministerium als die ersten vier Städte für die Modellkampagne „Kopf an: Motor aus. Für Null CO2 auf Kurzstrecken” ausgewählt. Ziel ist die Förderung des Fußgänger- und Radverkehrs. Bamberg etwa wirbt für den Tritt in die Pedale mit Slogans wie „Jetzt mitmachen und sexy werden” oder „Förderprogramm der Regierung für knackige Hintern”. Das sind vielleicht noch vor der CO2- und Lärm- Reduzierung die schlagkräftigsten Argumente für den Drahtesel.