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Bremen: Engel für Contess: Das Haustier auf dem Tierfriedhof bestatten

Bremen : Engel für Contess: Das Haustier auf dem Tierfriedhof bestatten

„Unvergessen” leuchtet es in weißer Schrift auf schwarzem Granit. „Unsere Herzen halten Dich gefangen”, hat das Ehepaar Müller auf den Grabstein für Contess schreiben lassen.

Eine ganze Schar von Engeln bewacht die letzte Ruhestätte der kleinen Malteser-Hündin, die vor mehr als zwei Jahren an Lymphdrüsen-Krebs gestorben ist. „Sie war ein Familienhund, sie war unser Kind”, sagt Wolfgang Müller. Fast täglich besucht er das Grab auf dem Tierfriedhof im Bremer Norden.

Unter Kiefern und Eichen liegen hier in oft bunt-verspielt geschmückten Gräbern mehr als 1.500 Tiere. Meist sind es Hunde und Katzen. Aber auch Hamster, Kaninchen, Papageien und eine Ratte wurden auf dem etwa 6.000 Quadratmeter großen Waldgrundstück beerdigt. „Ich möchte den letzten Weg der Tiere angemessen gestalten”, sagt Friedhofsgründer Adri Mauritz, der zuvor selbst schlechte Erfahrungen gemacht hatte: „Als meine Dogge starb, hat der Abdecker sie im hohen Bogen auf einen Pritschenwagen geworfen.”

Tote Haustiere gelten in Deutschland aus Sicht der Veterinärmedizin als Hochrisiko-Material und landen deshalb meistens in einer Tierkörper-Beseitigungsanlage. Dann werden sie oft zu Mehlen und Fetten verarbeitet, aus denen Energie gewonnen wird. Doch die Zahl der Menschen wächst, für die das der reine Horror ist. Contess Herrchen Wolfgang Müller ist überzeugt: „Tiere haben eine Seele und ein Anrecht auf eine würdevolle Bestattung.”

Die Branche boomt. Vielerorts dürfen tote Tiere nicht in Gärten und Parks vergraben werden. Experten schätzen, dass es deshalb in Deutschland mittlerweile weit über 100 Tierfriedhöfe, um die 50 Tierbestatter und sechs Tierkrematorien gibt. Die Zahl der Erd- und Feuerbestattungen steigt nach Angaben des Bundesverbandes der Tierbestatter rasant. „Viele Menschen sehen in den Vierbeinern mehr und mehr einen Sozialpartner”, hat Vorstandsmitglied Ulrike Mauthe erfahren. „Sie wollen sie nicht wie Abfall entsorgen.”

Der weltweit bekannteste Tierfriedhof „Cimetière des chiens” wurde 1899 in Paris eröffnet. Wenig später entstand in Deutschland das erste Grab im historischen Hundefriedhof der Revierförster des Hofkammerwaldes bei Stuttgart. Heute entscheiden sich immer mehr Tierfreunde für den Abschied in einem „Raum der Stille”, für eine Bestattung mit Urne, Sarg oder auch in der Lieblingsdecke, manchmal auch für eine Trauerrede am offenen Grab. Im Cyberspace richtet mancher seinem treuen Freund eine virtuelle Grabstätte inklusive Kondolenzbuch ein, oder er lässt einen Diamanten aus der Asche pressen.

Auch viele Tierschutzvereine betreiben Friedhöfe. „Wir wollen einen Abschied ohne Popanz ermöglichen”, sagt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereines, Wolfgang Apel. Die Kirchen stehen diesem Trend allerdings eher kritisch gegenüber. Auch wenn es immer wieder Tiersegnungen gibt, fürchten sie die Nähe zu außerchristlichen Kulten.

Der evangelische Theologe Klaus-Peter Jörns aus dem bayerischen Berg kritisiert, von den Kirchen gebe es keine Hilfen für diese Art der Trauer. „Und schon gar nicht, um ein Tier zu beerdigen”, sagt der emeritierte Professor, der eine kleine Gottesdienstordnung für solche Fälle entworfen hat. Schließlich gehe mit dem Tod eines Haustieres auch im Leben der betroffenen Menschen ein wichtiges Kapitel zu Ende, ein gemeinsamer Weg mit Wesen, „die uns verwandt sind und gesegnet sind wie wir”.

So fühlt auch der Bremer Dieter Ziemann. Er und seine Ehefrau haben die spanische Mischlingshündin Peggy vor 13 Jahren aus einem Tierheim auf Gran Canaria nach Norddeutschland gebracht. „Sie war überall beliebt”, blickt der heute 77-Jährige zurück, der das noch frische Grab der Hündin täglich besucht. Viele Erinnerungen an Peggy sind auch mit seiner Frau verbunden, die bereits vor einigen Jahren starb. Jetzt ist er allein. Ein neuer Vierbeiner in seinem Haus? Nein, das sei schon aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. „Aber ich schaue noch jedem Hund hinterher.”