Aachen: Einschläferndes Dschungelcamp: Nur RTL sorgt für Tränenalarm

Aachen: Einschläferndes Dschungelcamp: Nur RTL sorgt für Tränenalarm

Wir sind uns doch alle einig, nie war das „Dschungelcamp“ langweiliger, sogar den Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich bleibt nichts anderes übrig, als sich über das Schnarchcamp und die Quasi-bettlägerigen Kandidaten Witze zu machen.

Warum trotzdem tatsächlich immer mehr Menschen einschalten? Das muss etwas mit diesem Entschleunigungstrend zu tun haben, oder aber der Hang zu Meditativem. Nur die Sendungen, in denen komplette Bahnstrecken über Stunden gezeigt werden, sind einschläfernder.

Richtig emotional wird es auch bei Sara Kulkas Abschied von den anderen nicht — schließlich scheint in diesem Jahr der Wettbewerb eher zu sein, möglichst unbeschadet und auch gern schnell aus dem Dschungel rauszukommen. Nur so lange bleiben, bis die volle Gage auf dem Konto landet. Angelina hat es vorgemacht. „Ich hätte mehr zicken sollen“, sagt Sara nach dem Auszug. Warum sie es nicht getan hat? Ganz klar: „Der Dschungel hat mein Gehirn gefickt.“

Was auch immer das heißen mag. In jedem Fall werden Saras trockene Sprüche fehlen. Zum Abschluss noch ein Highlight: Sara wünscht sich, dass Walter „das Ding rockt“. „Der soll lieber König vom Dschungel als Bundespräsident werden, das sollten die Zuschauer bedenken.“ Wahre Worte. Als Dschungelkönig kann Walter auch repräsentieren, allerdings bei irgendwelchen RTL-Sendungen und nicht Deutschland in der Welt. Besser so.

Was ansonsten so los war: Walter und Rebecca kabbeln sich. „Ich möchte euch gern nach dem Camp wiedertreffen, nur Walter nicht“, sagt die „Lindenstraßen“-Darstellerin laut. Walter verdreht nur die Augen. Er scheint auch nicht auf ein Wiedersehen mit Rebecca erpicht zu sein. „Die versteht das Spiel hier nicht.“ Mag sein: Denn abgesehen von der Dschungelprüfung, die sie so ernst wie eine Abiturklausur oder ein Bewerbungsgespräch nahm, schweigt auch Rebecca sich durch den Dschungel.

Zu ruhig zu sein, das kann man Tanja nicht vorwerfen. Die kleine Laberbacke redet ohne Punkt und Komma, für sie wurde diese Redewendung erfunden. „Ich hatte mal was mit einem 40-Jährigen als ich 20 war, der war so ne richtige Klette ey, mit Blumen ey und hat meine Hausaufgaben gemacht ey. Und als ich krank war hat der mir ne Tüte mit Zeitschriften und so gebracht.“ Tinnitus-Alarm. Aurelio spricht das aus, was viele denken: „Wenn sie anfängt zu quatschen, vergeht es einem ja. Nur große Brüste alleine bringen es nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Männer so einen an der Klatsche haben.“

Für Tränenalarm sorgt RTL diesmal selbst: Endlich gibt es die obligatorische Post von den Verwandten. Da ist der Fremdschäm-Alarm schon ganz hoch: einerseits, weil sich die Kandidaten die Briefe gegenseitig vorlesen, wobei sich die ein oder andere Leseschwäche offenbart und dann, weil diese Briefe meist ungefähr das Niveau haben von Zettelchen, die sich Achtklässlerinnen während des Unterrichts schreiben. Bei Walter fließen die Tränen bei dem Brief von Frau Barbara. „Applaus, Applaus — für deine Art, mich zu begeistern“, schreibt sie ihm.

Es ist irgendwie beruhigend, dass ein Mensch im Dschungel ein nettes schönes Privatleben zu haben scheint. Und weil RTL das noch nicht genug war, gibt es noch was Dramatisches: Am Montagabend verlässt keiner das Camp, weil Angelina ja freiwillig gegangen ist. Das zerstört den Zeitplan. Wie schade. Jetzt müssen die Kandidaten doch tatsächlich alle noch einen Tag länger ausharren, und keiner ist erlöst. Wie gemein.

Wenigstens gibt es genug zu essen: Rolfe hat bei der Dschungelprüfung, die er als das reinste „papperlapper“ bezeichnete, fünf von sieben Sternen geholt. Bon appétit.

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