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Berlin: „Ein unfassbarer Geburtstag”: „Jopie” Heesters in Berlin gefeiert

Berlin : „Ein unfassbarer Geburtstag”: „Jopie” Heesters in Berlin gefeiert

„Jetzt bin ich 104 und noch viel zu jung!” Johannes Heesters feiert seinen „biblischen” Geburtstag am Mittwochabend im Berliner Admiralspalast mit Ovationen und Rufen nach Zugaben „wie in alten Zeiten”.

Die Zuhörer im kleinen Saal im Revuetheater an der Friedrichstraße, in dem am selben Abend der Travestiestar Mary auf der großen Bühne steht, liegen Heesters zu Füßen, die Stimmung kocht über, als es Sekt für alle gibt und gleich ein ganzes Tablett davon zu Boden geht.

„Ein unfassbarer Geburtstag”, resümiert an diesem Abend der Hausherr des Admiralpalastes. „Es war sehr anstrengend heute für mich, aber ich habs geschafft”, meint Heesters stolz zu später Stunde. Und von der Wiener Robert-Stolz-Gesellschaft gab es wieder eine Medaille - die vierte, seit dem 100. Geburtstag jedes Jahr eine.

Die „lebende Operettenlegende” auf der Bühne schwitzt in der stickigen, von Scheinwerfern noch zusätzlich aufgeheizten Luft, es strengt ihn sichtlich an, mehr als in früheren Jahren. Die Hand mit dem Wasserglas zittert etwas, und sein Klavierbegleiter muss ihm öfter mal den Anfangstext der Liedstrophen zurufen („Was? Ach ja”), aber die Freude ist Heesters anzusehen, wieder so gefeiert zu werden. „Happy Birthday, lieber Jopie!” singt der ganze Saal.

Und sein Stehvermögen bleibt erstaunlich. Nach dem musikalischen Abend mit alten und neuen Heesters-Liedern wie den berühmten Operetten-Evergreens und dem neuen Song „Generationen” (zusammen mit dem Gründungsmitglied der „Söhne Mannheims” Claus Eisenmann) gibt der alte Herr noch lange und geduldig Interviews auf offener Bühne bis in die späten Abendstunden.

Danach gab es ein Mitternachts-Dinner im kleinen Kreis, auch mit Tochter Nicole. „Als wir um kurz vor zwei Uhr in der Nacht gegangen sind, war Jopie noch gut dabei, ich weiß nicht, wie lange er noch durchgehalten hat”, erzählt seine Berliner Agentin am Donnerstag. „Man darf ihn eben nicht unterschätzen.”

Natürlich wäre er an seinem Geburtstag auch gerne gemütlich zuhause geblieben, bekennt Heesters freimütig, „aber hier habe ich Arbeit”, und die hält ihn eben jung und auf Trab, sie bleibt sein Lebenselixier. „Ich stehe seit 90 Jahren auf der Bühne.”

Er sei vor allem im Herzen jung geblieben, sagt Jopie an diesem Abend von sich selbst und verrät das Geheimnis seines Jungbrunnens: „Eine liebe Frau und Freunde haben, glücklich sein, die Hände nicht in den Schoß legen und immer daran denken, dass es weiter geht und nicht zu viel zurückzudenken” - auch wenn er den Applaus von früher noch immer in den Ohren hat, wie es in seinem Lied „Erinnerung” heißt.

Und den ihn umringenden Journalisten und Reportern gibt er mit auf den Weg: „Ihr denkt immer, wenn ihr 60 seid, dann seid ihr fertig, nein, weitermachen ist die Devise, ich lege mich nicht hin und mache Urlaub. Ich habe Spaß am Leben und bin dankbar, dass ich so gesund bin und das alles durchhalten kann - und ich halte das auch durch.”

Erst recht, wenn man noch große Ziele hat, wie zum Beispiel sein Herzenswunsch, im kommenden Februar nach Jahrzehnten wieder in seinem Heimatland Holland aufzutreten. Dazu gab es in Berlin schon Gespräche mit dem Theaterdirektor seiner Geburtsstadt Amersfoort.

Und holländische Fans riefen ihm im Admiralspalast zu: „Jopie, du kannst nach Holland kommen!”. Ein überglücklicher Jopie antwortete mit einem befreienden „Danke, danke!”