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Berlin: „Ein Narr gibt nie auf”: Didi Hallervorden 50 Jahre auf der Bühne

Berlin : „Ein Narr gibt nie auf”: Didi Hallervorden 50 Jahre auf der Bühne

„Ein heutiger Superstar kann froh sein, wenn man ihn nach 50 Tagen noch kennt.” Ein selbstbewusster Dieter „Didi” Hallervorden weiß, wovon er redet: Der 72-jährige Schauspieler und Kabarettist steht nun schon 50 Jahre auf der Bühne, und das musste gefeiert werden.

Am Freitag gönnte sich Didi eine Gala mit seinem neuen Programm „Stationen eines Komödianten”, das in seinem „Theater der Wühlmäuse” Premiere hatte. Das Publikum genoss einen Abend mit einem bunten Strauß seines Könnens vom reinen Blödsinn aus seiner populären TV-Sendung „Nonstop Nonsens” bis zum scharfzüngigen Politkabarett zum Beispiel über „Brechmittel-TV”, auch wenn die Gags nicht durchgehend alle Zuschauer im Saal mitrissen.

Es wurde, zusammen mit seinem Partner Harald Effenberg eine „Kreuz- und Querfahrt durchs Leben und das Kabarett”, wie es Hallervorden schon im Vorfeld ankündigte. Dabei war auch wieder Hallervordens Verwandlungskunst in Blitzesschnelle zu bewundern. „50 Jahre, das ist schon was, damit habe ich immerhin länger durchgehalten als die DDR. 50 Jahre - da ist Wolfgang Thierse ja mindestens fünfmal zum Friseur gegangen.”

Auch mit dem Alter geht er gelassen um. „Ist es schlimm, 70 zu werden? Nee, wieso, schlimm ist es doch nur, wenn man es nicht wird.” Manches gerät dem alten Kabarett-Hasen und Profi auch mal daneben („Alzheimer in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf”). Auch den Klischee-Schwulen kann er sich nicht verkneifen, das sind ja angeblich immer sichere Lacher.

Beim Rückblick auf seine erfolgreiche Karriere gibt es auch freimütige Eingeständnisse. „Um der Wahrheit die Ehre zu geben - die ersten Kritiken bei "Nonstop Nonsens" waren verheerend, die Zuschauerzahlen aber bombig.” Damals wechselte der „Unglücksrabe” vom Polit-Kabarett zu Didi und Nonstop Nonsens und sitzt bis heute zwischen den Stühlen Comedy und satirisches Kabarett, meint die „Nervensäge” über sich selbst im Jubiläums-Programmheft. Aber: „Seit fast 100 Jahren gibt es Dada und seit 50 Jahren gibt es Didi”, schreibt da sein Kollege Mathias Richling.

Natürlich gibt es auch Kostproben aus der „Sänger-Karriere” Hallervordens mit Hits wie „Die Wanne ist voll” mit Helga Feddersen oder „Ich bin der schönste Mann in meiner Mietskaserne”. Und natürlich ist Hallervorden „privat ganz anders als der Didi”, wie er auch an diesem Abend betont.

Entsprechend anrührend ist sein „erstes Finale”, bevor er doch wieder in die Sahnetorte fällt: Im bunten Clownskostüm singt Didi sein melancholisch-trotziges Lebenscredo: „Ich war der Harlekin, Bajazzo, Hofnarr und Clown. Manchmal fragst du dich auch, hat das denn alles einen Sinn, aber die Häuser waren doch voll. Und die anderen treten ja auch nicht zurück. Der Narr geht nach Hause, aber ein Narr gibt nie auf!”