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Hamburg: Düstere Klangteppiche und Prügeleien: Oasis startet wieder durch

Hamburg : Düstere Klangteppiche und Prügeleien: Oasis startet wieder durch

Quasi pünktlich zum neuen Album gab es mal wieder einen Prügel-Skandal um Oasis. Doch diesmal schlug nicht einer der großmäuligen Gallagher-Brüder zu, sondern ein Fan.

Bei einem Konzert in Toronto stürmte er auf die Bühne und riss den Songschreiber und Gitarristen Noel Gallagher zu Boden. Drei gebrochene Rippen und ein verwackeltes Handy-Video bescherten den britischen Musikern viel mediale Aufmerksamkeit. Zwar mussten sich die Fans über eine verschobene Tournee ärgern. Das hielt sie aber nicht davon ab, in Scharen in die Plattenläden zu rennen. „Dig Out Your Soul” stieg direkt auf Platz 8 in die deutschen Album-Charts ein.

Dabei klingt die langersehnte siebte Scheibe der Briten ganz anders als erwartet. Sie ist melancholischer, monotoner und weniger hymnenhaft als die bisherigen Alben. Für gefällige Mitgröl-Hits wie „Wonderwall” oder „Dont Look Back in Anger” ist kein Platz. Stattdessen überwiegen endlose Gitarrenschleifen, die sich mit wuchtigen Trommeln und drängenden Rhythmen zu einem hypnotischen Klangteppich vereinen.

Beim ersten Hören bleibt neben der Single-Auskopplung „Shock Of The Lightning” vor allem „Falling Down” im Ohr hängen, das wundervoll melodisch aus der insgesamt düsteren Atmosphäre hervorsticht. Das auffälligste Stück ist jedoch „To Be Where Theres Life”, geschrieben vom Gitarristen Gem Archer. Es beginnt mit einer Sitar und verzichtet vollständig auf Gitarren.

Auch mit psychedelischen Klängen und ungewohnten Akkorden wird auf der Scheibe experimentiert. „Ich wollte Musik schreiben, die Groove hat; keine Lieder, die dem traditionellen Weg des Vers, Chorus und Mittelstück folgen”, erklärt Noel Gallagher. Ohne Beatles-Anleihen ging es trotzdem auch dieses Mal nicht. Und in den Texten, die oft nicht länger als ein paar Zeilen sind, geht es nach wie vor um Liebe und Drogen.

Auf „Dig Out Your Soul” klingt vieles neu - was knapp 15 Jahre nach dem ersten Oasis-Album auch höchste Zeit war, hatte sich die Band doch nach ihrem legendären Zweitling „(Whats The Story) Morning Glory?” hauptsächlich selbst kopiert. Nach elf Stücken und 46 Minuten zeigt sich jedoch, dass Oasis der große Befreiungsschlag nicht gelungen ist. Das Album markiert vielmehr nur einen Übergang - vielleicht zu einer neuen, frischeren Oasis-Ära?