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Frankfurt/Main: „Die Oma wieder...”: Was Todesanzeigen über Trauerkultur verraten

Frankfurt/Main : „Die Oma wieder...”: Was Todesanzeigen über Trauerkultur verraten

Sterben ist ja an sich keine lustige Angelegenheit. Das gilt aber nicht unbedingt für Todesanzeigen, die manches Mal ungewöhnlich ausfallen. „Die Oma wieder...”, haben beispielsweise die Angehörigen einer gestorbenen Frau die Anzeige überschrieben. Andere legen Wert darauf, im letzten Gruß in der Zeitung die Familientraditionen zu erwähnen.

So wird an die Tote mit den Worten erinnert: „Sie war und blieb die Tochter eines Generals.” Zusammengeführt haben diese Stilblüten und Kuriositäten die beiden Autoren Christian Sprang und Matthias Nöllke. Im mittlerweile dritten Band veröffentlichen sie ungewöhnliche Todesanzeigen. Das gut 250-seitige Taschenbuch „Ich mach mich vom Acker” verrät einiges über die Trauerkultur im deutschsprachigen Raum sowie ihren Wandel. Und ist gleichzeitig dazu geeignet, trübe Novembertage etwas aufzuhellen.

Das Sammeln von Todesanzeigen war ursprünglich mal ein Hobby des Wiesbadeners Christian Sprang. Irgendwann entstand die Idee, die ungewöhnlichsten Anzeigen in einem Buch herauszubringen. Nachdem „Aus die Maus” im Herbst 2009 erschienen war, brachen den Autoren zufolge alle Dämme. Der Band schoss in den Bestsellerlisten nach oben. Über 3000 Zuschriften von Lesern mit vielen ungewöhnlichen Todesanzeigen seien daraufhin eingetroffen, schreibt Sprang im Nachwort. Ein Teil davon floss schon in den zweiten Band „Wir sind unfassbar” ein.

Hass, Liebe, Gleichgültigkeit - die ganze Palette menschlicher Emotionen kommt oft auch in den Todesanzeigen zum Ausdruck. Und sie verraten viel über Hinterbliebene und Tote. In einer Anzeige findet sich etwa der Satz „Die Beisetzung fand auf Wunsch „Deiner Familie” ohne Deinen Bruder Thomas am 9. Juni 2011 statt.” Eher anrührend ist eine andere Todesanzeige überschrieben: „Der Strandkorb bleibt leer.”

Hin und wieder geraten die Anzeigen auch unfreiwillig komisch. Ausgerechnet in der Todesanzeige eines gestorbenen Obergerichtsvollziehers steht der Spruch: „Humor und Frohsinn zu verbreiten, war sein Leben.”

Seit Erscheinen des ersten Bandes vor vier Jahren haben die Autoren Veränderungen bei den Todesanzeigen beobachtet. „Die Leute trauen sich mehr, sie sind einfallsreicher, in jeder Hinsicht”, erklärt Matthias Nölke in seinen einleitenden Worten. Der Fantasie sind dabei kaum noch Grenzen gesetzt, die althergebrachten Symbole wie dürrer Kranz, schwarzes Kreuz oder gebrochene Rose werden abgelöst durch teils sehr individuell gestaltete Grafiken.

Immer häufiger tauchen Fotos in den Todesanzeigen auf. „Vermutlich lassen die Zeitungen auch mehr zu als noch vor zehn oder zwanzig Jahren”, mutmaßt Nöllke. Er sieht viele der Anzeigentexte als eine Art „Volkspoesie”.

Der dritte Band mit den gesammelten, kuriosen Todesanzeigen sollte eigentlich der letzte sein. Eigentlich. „Da man aufhören soll, wenn es am schönsten ist, haben wir eine Rückkehr vor den Vorhang nicht geplant und kein weiteres Encore vorbereitet”, schreibt Sprang, der beruflich als Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels arbeitet.

Eine Hintertüre lassen sich er und Nöllke aber noch offen. Denn auch für die beiden gilt in literarischer Hinsicht die alte Bestatter-Weisheit: „Gestorben wird immer.” Und auch die ungewöhnlichen Todesanzeigen werden sicher nicht aussterben.

(dpa)