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Die Alten trifft es am schlimmsten: Die Katastrophe in britischen Seniorenheimen

Die Alten trifft es am schlimmsten : Die Katastrophe in britischen Seniorenheimen

Während in den Krankenhäusern des Königreichs die Zahl der Covid-19-Todesfälle abnimmt, grassiert die Seuche in den Alten- und Pflegeheimen des Landes weiterhin. Wie jüngste Zahlen der nationalen Statistikbehörde ONS zeigen, starben in britischen Seniorenheimen bis zum 1. Mai 40 Prozent aller Covid-19-Opfer.

Nach den Zahlen des Gesundheitsministeriums sind im Vereinten Königreich schon mehr als 32.000 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben. Doch die Dunkelziffer liegt höher. Allein für Alten- und Pflegeheime in England und Wales muss man nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters mit bisher mindestens 20.000 Opfern rechnen.

Die Katastrophe war zum Teil hausgemacht. Als im März absehbar war, dass auf das nationale Gesundheitssystem NHS eine Pandemie-Welle zurollt, reagierten panische NHS-Manager damit, Betten in den Krankenhäusern freizuräumen. Dabei wurden viele ältere Menschen in Alten- und Pflegeheime überwiesen. Oft handelte es sich dabei auch um schon an Covid-19-Erkrankte. Wie eine Untersuchung der „Alzheimer‘s Society“ herausfand, mussten ein Drittel ihrer Heime Patienten aus Krankenhäusern übernehmen, die sich dann als Covid-positiv herausstellten.

Die Zeitung „Daily Telegraph“ zitiert einen Arzt aus einem Londoner Krankenhaus, der kein Blatt vor den Mund nimmt. „Wir haben bekannte, vermutete und unbekannte Covid-19-Fälle in Altenheime entlassen, die darauf nicht vorbereitet waren“, sagte der Kardiologe, „ohne eine Warnung, dass diese Patienten infiziert waren.“ Für diese Pflegestätten habe es keine Tests und keine Schutzkleidung gegeben. „Wir haben diese Krankeit aktiv ausgesät in eine Bevölkerung, die am alleranfälligsten war.“

Der Pflegesektor gehört nicht zum NHS und ist daher sehr viel schlechter mit Ressourcen ausgestattet. Zwar hatte der Gesundheitsminister Matt Hancock Ende April versprochen, dass sämtliche Mitarbeiter und Bewohner in Pflegeheimen – insgesamt rund 1,9 Millionen – getestet werden würden, aber bisher konnten nur einige zehntausend Tests ausgeführt werden. Schuld daran ist nicht zuletzt ein bürokratisches Chaos, weil sich verschiedene staatliche Organisationen gegenseitig die Verantwortung zuschieben.

Eine besonders tragische Konsequenz der chaotischen Lage: Aufgrund von NHS-Richtlinien haben Ärzte in den vergangenen Wochen vermieden, Pflegeheime aufzusuchen. Senioren, die an Covid-19 oder auch an anderen Erkrankungen litten, mussten daher ohne Palliativtherapie sterben.