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Potsdam: Deutschlands „Ur-Soap” feiert 15-Jähriges: GZSZ immer noch Nr. 1

Potsdam : Deutschlands „Ur-Soap” feiert 15-Jähriges: GZSZ immer noch Nr. 1

Mehr als 35 000 Komparsen huschten über den Bildschirm, 17 Liter Filmblut flossen und fast 600 Cocktails wurden in „Daniels Bar” und im „Fasan” gemixt: Deutschlands älteste tägliche Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten” (GZSZ) feiert am 11. Mai ihr 15-jähriges Bestehen. Mit derzeit täglich rund 4 bis 4,5 Millionen Zuschauern ist sie nach RTL-Angaben unangefochtene Nr. 1 unter den inzwischen zahlreichen derartigen Formaten.

Das Erfolgsrezept: „Wir sind ein Teil der Familie, die man täglich im Wohnzimmer trifft - und jeder findet sich in irgend einer Rolle wieder”, sagt Schauspieler Wolfgang Bahro. Als fieser Jo Gerner ist er ein „Mann der ersten GZSZ-Stunde”. „Von uns Dinosauriern gibt es nur noch vier.” Insgesamt spielten in den bisher rund 3740 Folgen seit Sendebeginn im Mai 1992 etwa 3250 Schauspieler in großen und kleinen Rollen mit.

Für einige von ihnen bedeutete GZSZ die „Plattform zum großen Erfolg”, betont der Geschäftsführer des Produzenten Grundy UFA, Rainer Wemcken. Allen voran: Yvonne Catterfeld, von 2001 bis 2004 in der Rolle der Julia Blum zu sehen, die nun vor allem als Sängerin Karriere macht.

Auch der Star der Telenovela „Verliebt in Berlin” (SAT1), Alexandra Neldel, war einst Mitglied der großen „GZSZ- Zweitfamilie” (Zitat Bahro). Gleiches gilt für Jeanette Biedermann und Oliver Petszokat (Oli P.).

Als GZSZ erstmals über den Bildschirm flimmerte, war es „ein Experiment für alle Beteiligten”, sagt Wemcken. „Jeden Tag 25 sendefähige Minuten herzustellen, erschien den meisten Experten völlig undenkbar - schließlich lag das normale Tempo bei 25 Minuten pro Woche.” Und die Kritiker überschlugen sich damals. „Da war von Laienschauspielern in Pappwänden die Rede”, sagt Bahro.

„Aber längst stehen wir qualitativ nicht hinter normalen Vorabendserien zurück”, sagt Wemcken. Zu Spitzenzeiten lag die GZSZ-Quote im Juni 2002 zwar bei 7,14 Millionen Zuschauern, angesichts der inzwischen großen Konkurrenz seien aber auch die aktuellen Zahlen als Erfolg zu werten.

Die mehrfach preisgekrönte Serie will nach Wemckens Worten „unterhaltsam und nicht künstlerisch wertvoll sein - dafür haben wir gar keine Zeit”. Regisseurin Karin Hercher treibt die Crew im Studio 1 an. Kurze Text- und Standprobe und schon heißt es: „Bitte Ruhe, Aufnahme”.

Einmal bricht Hercher den Dreh ab, ein Stuhl steht der Kamera im Weg. Beim zweiten Anlauf ist die Szene im Kasten. „Alle Komparsen schnell umziehen”, ruft die Regisseurin. Mit sechs Wochen Vorlauf werden die Folgen gedreht, Puffer gibt es keine.

Dies habe schon für Probleme gesorgt, beispielsweise als bei einer Grippewelle ein großer Teil der Crew krank im Bett lag, erzählt Eva- Maria Richter, Unternehmenssprecherin von Grundy UFA. Kurzerhand wurde das Restaurant „Fasan” zur Quarantänestation erklärt und die Schauspieler, die sich wieder ins Studio schleppen konnten, traten als Bettlägrige in entsprechend umgeschriebenen Folgen auf.

Kleinere Probleme tauchen bei dem täglichen Dreh immer mal wieder auf: da fehlt ein dringend benötigtes Kehrblech, eine Hose reißt plötzlich oder Bahro hat einen Textdreher. „Dafür bin ich berühmt, da wird aus der Frisierkommode schon mal die Gefrierkommode.”

Zum 15-jährigen Geburtstag wird es laut GZSZ-Sprecherin Brita Wäldrich zwar keine Jubiläumsfolge geben, aber zahlreiche Ausstellungen und Partys wie eine am 19. Mai im Filmpark Babelsberg. Eingefleischte Fans können zudem bis Ende Oktober ihre „Lieblinge” bei Führungen im Filmpark hautnah erleben. Mit Glück sind sie am GZSZ-Außenset dabei, wenn wieder einmal eine Klappe für „Deutschlands Ur-Soap” fällt.