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Mainz: Deutsche Winzer streiten über neue EU-Verordnung

Mainz : Deutsche Winzer streiten über neue EU-Verordnung

Für den Weinliebhaber ist es eine wahrhaft gruselige Vorstellung: Man nehme Weißwein und kippe ihn mit Rotwein zusammen, heraus kommt ein hellroter Wein namens Rosé.

Panscherei nennen das die Gegner des Verfahrens und beschwören den Untergang der abendländischen Weinkultur herauf. Doch die EU sieht das anders: Vom 1. August an soll das Mischverfahren für Rosé auch in Europa zulässig sein. Und auch bei den deutschen Winzern sind beileibe nicht alle dagegen: Die rheinland-pfälzischen Weinkellereien wollen den Verschnitt aus weißem und rotem Wein ebenfalls nutzen.

Bislang ist die Herstellung von Rosé in Deutschland streng nach alter Tradition geregelt. Der Ursprung ist eigentlich ein Wein namens Weißherbst: rosafarbene Weine, die aus den Rotweintrauben einer Rebsorte hergestellt werden. Der Saft der roten Trauben bleibt einige Stunde auf der Maische stehen, etwa eine Nacht lang, wird dann aber wie Weißweine vergoren. Beim Rosé dürfen Trauben zweier unterschiedlicher Rebsorten verwendet werden, beiden gemeinsam ist aber, dass die Trauben schon vor dem Keltern zusammenkommen. Das gilt übrigens auch für die Sonderform des Rotlings: Hier werden weiße und rote Trauben vor dem Keltern gemischt und dann gemeinsam verarbeitet.

Die EU hat nun aber anderes im Sinn: Weil das Verschneiden genannte Mischen von fertigen Rotweinen und Weißweinen zu Rosés international längst gang und gäbe ist, sollen ab 1. August nun auch europäische Winzer diese Möglichkeit erhalten. Das sei bisher nur in der französischen Champagne und für billige Tafelweine in Spanien zulässig gewesen, argumentiert die EU-Kommission. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, sollen die europäischen Weinerzeuger nun auch diese Möglichkeit erhalten - schließlich können Erzeuger aus anderen Ländern solchermaßen produzierte Rosés bereits in Europa verkaufen.

Hintergrund ist der steigende Absatzmarkt für Roséweine: Während Weißwein stagniert, ist Rosé in den vergangenen Jahren vor allem als leichter Sommerwein so gefragt wie nie. Davon wollen auch die rheinland-pfälzischen Weinkellereien profitieren. In Chile, Kalifornien und Südafrika sei das Verfahren längst erlaubt, deutsche Weine dürften da nicht schlechter gestellt werden, argumentiert der Geschäftsführer des Kellereiverbandes, Albrecht Ehses. Der große Vorteil für die Kellereien: Beim Verschnitt sind sie nicht auf gesunde Rotweintrauben angewiesen, die derzeit ohnehin stärker gefragt - und damit teurer sind. Stattdessen könne man „zu jeder Zeit flexibel Roséweine produzieren”, sagt Ehses, sprich bei steigender Nachfrage schnell und vor allem billiger noch Roséweine auf den Markt werfen.

Der rheinhessische Weinbaupräsident Ingo Steitz nennt das „Verbrauchertäuschung”. Bei den Konsumenten sei Rosé klar definiert als rosafarbener Wein aus roten Trauben, das Zusammenmischen von Rot und Weiß „ist für mich kein Rosé”, schimpft er. Nicht alles, was möglich sei, müsse man tun, so gingen die traditionellen Herstellungsformen verloren. Der Rosé habe „eine Tradition in Deutschland, und wenn man eine solche hat, sollte man nicht drauf verzichten”, findet auch der Siebeldinger Winzer Hansjörg Rebholz, zugleich Präsident des Verbandes der Prädikatsweingüter in der Pfalz. Sicher, auch durch das Verschneiden könne man gute Weine produzieren, räumt Rebholz ein, gerade in der Champagner- und Sektherstellung werde so Rosésekt erzeugt. Aber beim Aroma sei es eben doch „ein enormer Unterschied”, ob man Wein aus Trauben zubereite - oder eben fertige Weine verschneide.

Auch bei der EU hat man das Problem inzwischen erkannt - und präsentiert einen Kompromissvorschlag: „In Anbetracht der Befürchtungen” gegen den Verschnitt könnten künftig zwei neue Bezeichnungen helfen, schlägt die Kommission vor: Auf den Etiketten dürfe dann „Traditioneller Rosé” für Weine aus dem klassischen Verfahren und „durch Verschnitt hergestellter Rosé” für die anderen stehen. Das könne freiwillig gelten, meint die EU - oder aber von den Mitgliedsstaaten für ihre Gebiete vorgeschrieben werden. Freiwillig werde das niemand machen, glaubt Rebholz. Eine verpflichtende Bezeichnung „traditioneller Rosé” wäre aber sogar eine Aufwertung, findet er: „Damit könnte ich leben.”