Berlin: Der Klee: Unkraut, Heilkraut und Glücksbringer

Berlin : Der Klee: Unkraut, Heilkraut und Glücksbringer

Zu Silvester verschenkt man Glück. Am besten in Form von vierblättrigen Kleeblättern im Töpfchen. Hunderttausende gehen zum Jahreswechsel über den Verkaufstresen - jedes Jahr aufs Neue. Denn oftmals wird das hübsch gewachsene Grün viel zu schnell im Frühjahr entsorgt.

„Wenn man die Pflanze am Leben erhält und im Frühjahr in den Blumenkasten setzt, kann man nach einiger Zeit die Zwiebeln, die sich in der Erde verbergen, ernten und essen”, sagt die Biologin Gesche Hohlstein vom Botanischen Garten in Berlin. Der Glücksklee zu Silvester ist eine mehrjährige und ausdauernde Pflanze. Sie ist jedoch nicht winterhart und muss bei Minusgraden im Freien an einem geschützten Platz stehen oder ins Haus geholt werden.

Der Glücksklee gedeiht am besten schattig. Unter optimalen Bedingungen können die Pflanzen handtellergroße Blätter hervorbringen und eine Höhe von rund 40 Zentimeter erreichen. Von August bis Oktober tragen sie leuchtend rosarote Blüten mit einem Durchmesser von rund zwei Zentimetern. Wird es draußen dunkel, klappt der Klee seine Blätter innerhalb weniger Minuten nach unten weg.

Aber Klee ist nicht gleich Klee - es gibt zwei verschiedene Sorten. An Silvester wird der Glücksklee mit dem botanischen Namen Oxalis tetraphylla verschenkt. Er stammt ursprünglich aus Mexiko, wo er wild wächst. Seine Blätter haben eine dunkle Färbung. „Der Glücksklee gehört zur Familie der Sauerkleegewächse und heißt wissenschaftlich Oxalidaceae”, erklärt Ulrich Franz, Studienrat für Biologie in Berlin. Seine Blätter würden wegen der enthaltenen Oxalsäure sehr sauer schmecken. Der Biologe warnt davor, übermäßig Klee zu essen, denn zu viel von der Säure kann - ähnlich wie beim Rhabarber - Durchfall auslösen.

Der Wiesen-Klee (Trifolium pratense) hingegen gehört zur Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae), was ihn zu einem Verwandten der Bohne macht, wie Franz erläutert. Dieser Klee besitzt nur drei Blätter und trägt kugelige Blüten. In der Landwirtschaft dient er wegen seines hohen Anteils an verdaulichem Eiweiß als Futterpflanze. In der Pharmazie findet etwa der Rotklee immer mehr Beachtung, da er die Zellfunktion unterstützen und der Hautalterung vorbeugen soll.

Nicht nur als Heilkraut und wertvolles Viehfutter, sondern vor allem als Bodenverbesserer wurde der einst weit verbreitete Wiesen-Klee besonders von Bauern geschätzt. Denn die Pflanze hat ein umfangreiches Wurzelsystem, das zu wertvollem Humus verrottet. Dieser fruchtbare Boden bescherte den Bauern reiche Ernte - und des Bauern Glück gab dem Klee daher auch den Ruf, Wunder vollbringen zu können.

Die Bauern schmückten Mitte des 19. Jahrhunderts daher mit dem Kleeblatt ihre Häuser und Wagen. Da das vierblättrige Kleeblatt obendrein sehr selten zu finden ist - zumeist am Weiß-Klee (Trifolium repens) - schrieb man ihm besonders großes Glück zu. Auch in der Liebe soll er seine magische Wirkung entfalten, glaubten die Bauern. Kräuterexperten, wie der in dieser Zeit lebende Pfarrer Kneipp, sprachen dem Bockshornklee (Trigonella foenum) auch eine heilende Wirkung zu.

In vielen Kulturen hat das Kleeblatt schon lange eine religiöse Bedeutung. Die Christen sprachen ihm die symbolische Bedeutung eines Kreuzes zu und wollten damit den Teufel vertreiben. An so manchem Kartenspieltisch entscheidet auch heute noch das Kleeblatt, auch Kreuz genannt, über Triumpf oder Niederlage.

Sauerklee in der Küche

Der zarte, heimische Sauerklee Oxalis acetosella aus dem Wald ist genießbar. Die klein gehackten Blätter können in Suppen, Soßen, Salaten und Quarkspeisen verwendet werden. Die enthaltene Oxalsäure ist allerdings ein Kalziumräuber, der in Verbindung mit Milchprodukten abgemildert werden kann. Nierenkranke sollten Sauerklee nicht essen.