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Hamburg: Denise Virieux: Seit 15 „Schimanski”-Filmen die ewige Geliebte

Hamburg : Denise Virieux: Seit 15 „Schimanski”-Filmen die ewige Geliebte

Gar zu gern würde Marie-Claire einmal ihrem „Schimi” so richtig schön aus der Patsche helfen. Aber das ist im Konzept nicht vorgesehen, und Marie-Claire-Darstellerin Denise Virieux zeigt Einsicht.

„Die Rolle hat sich mit den Jahren verselbstständigt, sie bleibt die Frau außerhalb der eigentlichen Handlung. Denn zum Schimanski-Image gehört nun mal die Vorstellung vom einsamen Wolf, der ganz allein seinen Weg geht.”

So bleibt es nun auch im schon 15. „Schimanski”-Solo am 20. Juli in der ARD: Während Schauspieler Götz George (er wird am 23. Juli 70) als Schimanski im Krimi eine „Schicht im Schacht” einlegt und endlich einen weit zurückliegenden Fall aufklärt, behilft sich seine sporadische Geliebte mit Reiki, einer asiatischen Methode zur Selbstfindung. Sehr zu Schimanskis Verdruss, der die gemeinsame Wohnung regelmäßig mit Reiki-Jüngerinnen voll gestopft findet.

Marie-Claire lächelt dazu nur überlegen. Denn auch das gehört zu ihrer Rolle: Dass sie bei aller „Schimi”-Liebe ihren eigenen Kopf behält. Was aber eine so attraktive, selbstbewusste Frau gerade an einen Macho-Rüpel wie Schimanski bindet, wo man eher doch einen Sky du Mont mit Goldknöpfen und Präzisionsscheitel an ihrer Seite vermuten könnte? Die alte Mär von „The lady and the tramp”? Vielleicht. Denise Virieux hebt die Schultern.

Vor recht genau zehn Jahren war die 1964 in Lausanne geborene Schweizerin schon im ersten „Schimanski”-Film dabei, und hätte ihr damals jemand prophezeit, sie würde diese Rolle auch noch zehn Jahre später spielen, „hätte ich ihn vielleicht für etwas verrückt gehalten”. Wie lange sie die Marie-Claire noch sein wird, weiß sie selber nicht: „Es wird ja von Mal zu Mal entschieden, ob es noch einen nächsten "Schimanski" geben wird.”

Sie selbst würde jedenfalls dabei sein und hat auch keine Schwierigkeiten mit dem oft als schwierig bezeichneten Partner George: „Allein schon dass ich noch dabei bin, zeigt ja, dass er mich schätzt.” Und gern wäre sie mit 70 Jahren noch so taufrisch wie er, „natürlich ohne seinen Schnurrbart, bitte.” Privat wie vor der Kamera ist Virieux, die fürs ZDF neben August Zirner und Lavinia Wilson jetzt im Film „Ein Dorf sieht Mord” vor der Kamera steht, passionierte Krimi-Freundin und war in praktisch allen deutschen Edel-Krimiserien dabei, meist als schillernde Femme fatale und „feurige Löwin”, wie sie einmal ein Kritiker nannte.

Persönlich gibt sich die kinderlose Virieux jedoch gern ganz unmondän. „Zwar gibt es auch privat die Virieux mit dem Champagnerglas in der Hand”, sagt sie, aber sonst ist sie eine leidenschaftliche Heimwerkerin in Jeans mit Tatoo. Paris ist ihre Wahlheimat, in die sie sich bereits mit zwölf Jahren auf immer verliebte. Doch so schrecklich findet sie den gelegentlichen Wechsel zum „Schimanski”-Drehort Ruhrpott nicht. Einmal, weil es um Paris Gegenden gibt, „die wenigstens so düster aussehen”. Und außerdem wird immer mehr in Köln gedreht. Da gibt sie allerdings zu: „Die Champs-Élysées sind mir etwas lieber als Kölns Innenstadt.”